Arbeitslosenzahlen Bremerhaven


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Juli 2021: Arbeitslosigkeit nähert sich Vor-Corona-Niveau, starker Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit abgeflacht

Arbeitslosenzahlen Bremerhaven

Im niedersächsischen Umland deutlich niedrigere Zahlen
Näheres:

Verteilung Arbeitslose SGB II/SGB III

Durchschnittswerte 2012 bis 2020

Entwicklung der Quote in den letzten 13 Monaten

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt
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Sie finden auf dieser Seite Informationen zu den aktuellen Arbeitslosenzahlen in Bremerhaven, einer Stadt mit einer der höchsten Arbeitslosenquoten in Deutschland.


Arbeitslosenquote
Bremerhaven
in absoluten Zahlen Arbeitslosenquote
Land Bremen
Arbeitslosenquote Bund
Juli 2021
12,9 %
7.780
10,5 %
5,6 %
Vormonat
(Juni 2021)
13,0 % 7.861 10,7 % 5,7 %
Vorjahresmonat (Juli 2020) 14,6 % 8.833
11,8 % 6,3 %

Zum 1. Oktober 2012 sind die
Agenturen für Arbeit in Bremen und in Bremerhaven zur Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven zusammengefasst worden. Der ehemalige Landkreis Wesermünde, der bislang von der Agentur Bremerhaven betreut wurde, wechselt zur Agentur für Arbeit Stade. Diese betreibt in Bremerhaven eine Geschäftsstelle „Wesermünde“. Die Agentur Bremen-Bremerhaven mit Hauptsitz in der Stadt Bremen ist auch für den niedersäch­sischen Landkreis Osterholz zuständig. (Quelle: Pressemitteilung der Agentur für Arbeit Nr. 74 Bremerhaven vom 27.09.2012). Die Agenturen in Bremen und Stade ermitteln ab Oktober 2012 die Arbeitslosenzahlen entsprechend den Kreisgrenzen, eine Zusammenfassung der Zahlen von Bremerhaven und der niedersäch­sischen Umgebung von Bremerhaven wird es nicht mehr geben. (Quelle: Pressemitteilung der Agentur für Arbeit Bremerhaven Nr. 75/2012).
Im Juli 2021 näherte sich die Arbeitslosigkeit in Bremerhaven wieder der Situation vor dem Ausbruch der Corona-Krise. Die für diesen Monat ermittelte Quote von 12,9% liegt nur noch 0,1 Prozent­punkte über dem Wert des März 2020. Außerdem liegt der jetzige Juliwert niedriger als im Vormonat, was untypisch ist. Üblicherweise gibt es von Juni zum Juli eines Jahres einen leichten Anstieg der Arbeits­lo­sig­keit, bedingt durch den Eintritt von Schul­ab­gän­gern und fertig Aus­ge­bil­deten auf den Arbeitsmarkt.

Eine weiterhin dämpfende Wirkung auf die Arbeitslosigkeit übt die Kurzarbeit aus, es gab aber deutlich weniger neue Anzeigen von Kurz­ar­beit.

Für eine Besserung spricht auch die gestiegene Nachfrage nach Arbeits­kräften. Der Bestand von 1.250 zu besetzenden Stellen liegt erstmals über dem Niveau vor Ausbruch der Pandemie. Hiervon waren im Juli 317 Stellen neu hinzugekommen.

Insgesamt waren im Juli 2021 7.780 Frauen und Männer in der Stadt an der Wesermündung als „arbeitslos“ registriert. Die Quote von 12,9% ist im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozentpunkte gesunken. Vor einem Jahr gab es noch 1.053 Arbeitslose mehr. Von der sich abzeichnenden Verbesserung profitieren Langzeitarbeitslose aber nur eingeschränkt. Deren Zahl war im Vorjahres­ver­gleich im März 2021 um 30,6% höher, für den Mai 2021 wurden 21,5% ge­mel­det. Im Juli 2021 zeichnet sich nun mit 12,7% eine Abflachung des Anstiegs ab. Insgesamt zählten 3.576 Personen als „langzeitarbeitslos“, immerhin 40 weniger als im Juni 2021.

Ein wichtiges Instrument zur Bändigung der Auswirkungen von Corona auf den Arbeitsmarkt ist die Kurzarbeit. Im Juli 2021 gab es weniger als drei neue Anzeigen von Kurzarbeit. Wie viele Beschäftigte hiervon betroffen wären, teilte die Arbeitsagentur aus Gründen des Datenschutzes nicht mit.

Markantes Zeichen des Arbeits­marktes seit dem Frühjahr 2020 ist die starke Inanspruchnahme von Kurzarbeit. Die Begünstigten gelten nicht als „arbeitslos“, werden aber finanziell indirekt aus der Kasse der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung unterstützt. Ob aber tatsächlich so viele Beschäftigte in Kurzarbeit gehen wie von den Betrieben gemeldet wurden, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Dies hängt mit den Besonderheiten beim Kurzarbeitergeld zusam­men. Einen ent­spre­chenden Antrag kann ein Arbeit­neh­mer oder eine Arbeit­­neh­merin nicht selbst stellen, vielmehr muss der Arbeitgeber bis zum Ende des jeweiligen Kale­nder­mo­nats der Arbeitsagentur die Kurzarbeit anzeigen. Dort wird über die Anträge entschieden und die Leistungen werden berechnet. Hierfür notwendige Abrechnungslisten müssen von den Betrieben innerhalb von drei Monaten nach Beendigung des Monats mit Kurzarbeit einge­reicht werden. Exaktes Zahlen­ma­te­ri­al über den tatsächlichen Umfang der Kurzarbeit liegt somit erst mit fünf­mo­na­tiger Verspätung vor.

Endgültige Zahlen über die tatsächliche Inanspruchnahme von Kurzarbeit gibt es  nun für den Monat Januar 2021. In jenem Monat verzeichneten 542 Betriebe für 6.282 Mitarbeitende konjunkturelle Kurzarbeit. Vom Beginn der Pandemie im März 2020 bis Juli 2020 zeigten in Bremerhaven 1.081 Unternehmen für 22.977 Per­so­nen Kurzarbeit an. Im gleichen Zeitraum des Jahres 2021 waren es 78 Betriebe mit maximal 1.466 Beschäftigten. (Quelle: Pressemitteilung der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven Nr. 54/2021 vom 29.07.2021).

Günstiger als in Bremerhaven ist die Arbeitsmarktsituation im benachbarten Landkreis Cuxhaven. Dort belief sich im Juli 2021 die Arbeitslosenquote auf 5,6% (5.797 arbeitslose Personen). (Quelle: Bundesagentur für Arbeit).

Bild oben: Das 1993 fertiggestellte Gebäude der Bundesagentur für Arbeit in Bremerhaven (Architekt: Peter Paul Schweger)
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Arbeitslosenquote 2012-2020
(Quelle: Pressemitteilungen 2/2014, 2/2015, 2/2016, 5/2017, 2/2018, 2/2019, 2/2020, 2/2021 der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven und Pressemitteilungen 2/2014, 2/2015, 2/2017, 2/2018, 2/2019, 2/2020, 2/2021 der Bundesagentur für Arbeit (Zentrale)).

Im Januar des Jahres 2021 präsentierte die Arbeitsagentur die Ergebnisse zur Arbeitsmarktjahresbilanz für das vergangene Jahr. Demnach belief sich 2020 die durchschnittliche Arbeits­lo­sen­quote in Bremerhaven auf 13,8% und lag damit um 1,6 Prozentpunkte höher als 2019. Seit März 2020 dominiert die Corona-Pandemie den Arbeitsmarkt. Nach einem starken Anstieg im Frühjahr führte nach Angaben der Arbeitsagentur der massive Einsatz von Kurzarbeit zu einer Abflachung. Der April 2020 war mit 10.648 Personen der Monat mit der höchsten Zahl von Kurzarbeiterinnen und Kurzarbeitern. Schließlich zeigte sich ein Rückgang von einem deutlich höherem Niveau aus und die jahreszeitlichen Schwankungen machten sich wieder bemerkbar. Es gab weniger Zugänge in die Arbeitslosigkeit aus einer Beschäf­tigung auf dem ersten Arbeitsmarkt, aber auch weniger Überwindungen der Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer derartigen Tätigkeit als im Vorjahr. Ebenfalls um 20% niedriger war die gemeldete Nachfrage nach Arbeitskräften. Die Zunahme der Arbeitslosen ist im Bereich der Arbeitslosenbereich größer als bei der Grundsicherung. Zum Stichtag 30. Juni 2020 gab es 51.893 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, das sind 1,9% weniger als im Vorjahr. (Quelle: Pressemitteilung der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven Nr. 8/2021 vom 19.01.2021).

Auf Bundesebene stieg im Jahresdurchschnitt die Arbeits­losen­quote von 2019 zu 2020 um 0,9 Prozentpunkte auf 5,9 Prozent (Quelle: Pressemitteilung 2/2021 vom 05.01.2021 der Bundesagentur für Arbeit).
Nicht erst seit der Corona-Pandemie ist die Arbeitslosigkeit in Bremerhaven höher als im entsprechenden Monat des jeweiligen Vorjahres. Während die Quote im Oktober 2019 noch dem Wert von vor zwölf Monaten entsprach, ist sie seit November 2019 bis einschließlich März 2021 höher als ein Jahr zuvor. Im Bundes­durch­schnitt entsprach die Arbeitslosenquote von November 2019 bis März 2020 dem Vorjahreswert und erreichte erst im April 2020 einen höheren Wert.

Bemerkenswert ist auch die ungleiche Verteilung der Arbeitslosen zwischen den Systemen nach dem Dritten und dem Zweiten Sozialgesetzbuch. Der Rechtskreis SGB III (Drittes Sozialgesetzbuch) betrifft Arbeitslose, die aufgrund eigener, in der Regel mindestens zwölfmonatiger Beitrags­zei­ten einen Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben, dessen Höhe sich nach dem letzten Einkommen richtet bzw. die keinen Anspruch auf finanzielle Leistungen für den Lebens­unter­halt bei Arbeitslosigkeit haben. Das Zweite Sozial­gesetz­buch (SGB II, Grundsicherung für Arbeitsuchende, „Hartz IV“) richtet sich an Arbeitslose, deren Anspruch auf Arbeitslosengeld I erschöpft ist (Lang­zeit­ar­beits­lose) oder darauf keinen Anspruch wegen fehlender Beitragszeiten haben und Arbeitslosengeld II (AlgII) beziehen.

Verteilung Arbeitslose nach
Rechtskreisen SGB II/SGB III
Juli 2021
SGB III SGB II
Stadt Bremerhaven  1.672 6.108
Anteil der SGB II-Arbeitslosen an Gesamtzahl der Arbeitslosen in Bremerhaven 78,5 %
(Quelle: Pressemitteilung der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven Nr. 54/2021 vom 29.07.2021).

Im Bundesdurchschnitt lag der Anteil der Arbeitslosen in der Grundsicherung nach dem SGB II bei etwa 63% (2,59 Millionen Arbeitslose insgesamt, hiervon 1,634 Millionen Arbeitslose im System des SGB II). (Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt - Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt, Nürnberg, Juli 2021 S. 13 f.).


Bild oben: Dreibeinige Fundamente für Windkraftanlagen auf See im Kaiserhafen Bremerhaven. Die Windenergiebranche schuf neue Arbeitsplätze. Inzwischen ist der Bau von Windkraftanlagen in der Stadt an der Wesermündung zusammengebrochen.

Arbeitslosenquote Bremerhaven Juni 2020 bis Juli 2021
Das verwendete Zahlenmaterial beruht auf den Pressemitteilungen 36/2020 und 29/2021 der Bundesagentur für Arbeit (Zentrale), 55/2020 und 47/2021 der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen sowie 80, 87, 95, 100, 112/2020 und 1, 18, 30, 34, 41, 46 und 54/2021 der Agentur Bremen-Bremerhaven der Bundesagentur für Arbeit.

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Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt: Enge Auswahl

Nach Ende des Ausbildungsjahres 2019/2020 teilt die Agentur für Arbeit mit, dass es trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie bei einem etwas größerem Angebot von Ausbildungsplätzen und einer nahezu konstant gebliebenen Anzahl von Ausbildungsinteressierten häufig gelungen sei, beide Seiten des Ausbildungsmarktes zusammen zu führen. Allerdings ist die Zahl der unversorgt gebliebenen Bewerberinnen und Bewerber in Bremerhaven zweimal so hoch wie im Vorjahr.

Im Geschäftsjahr der Berufsberatung vom 1. Oktober 2019 bis zum 30. September 2020 wurden der Agentur für Arbeit 1.139 Ausbildungsstellen im Stadtgebiet Bremerhaven zur Besetzung gemeldet. Das waren 23 mehr als im Vorjahr (+ 2,1%). Von den gemeldeten Ausbildungsplätzen waren Ende September 2020 noch 32 unbesetzt. Die sind 12 oder 60% mehr als im Vorjahr.

Im genannten Beratungsjahr hatten mit insgesamt 1.319 Bewerberinnen und Bewerber ähnlich viele Personen die Hilfe der Arbeitsagentur für den Beginn einer Berufsausbildung in Anspruch genommen (+ 7). Am Ende des Zeitraums hatte sich die Zahl der unversorgten Ausbildungswilligen im Vorjahresvergleich verdoppelt (um 54 auf 108). Auf einen Bewerber kamen rechnerisch 0,86 Ausbildungsstellen.

Nach Angaben der Arbeitsagentur haben der Lockdown und die Kontaktbeschränkungen die Vermittlung in Ausbildung nicht gerade erleichtert. Die Affinität der jungen Menschen zu Smartphones und modernen Medien sei aber den Bemühungen der Arbeitsagentur entgegengekommen. Die höhere Anzahl der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber führt die Arbeitsagentur auf die wirtschaftliche Unsicherheit zurück, in der sich viele Unternehmen pandemiebedingt noch befinden.

Im Bereich der Handwerkskammer Bremen gibt es in Bremer­haven 231 neue Ausbildungsverhältnisse, 8,7% weniger als 2019. Starke Rückgänge gebe es bei den Bäckerei-Fach­ver­käufer/-innen sowie bei Kfz-Mechatroniker/-innen und Metallbauer/-innen. Dagegen verzeichne man deutlich mehr Ausbildungen im Bereich des Malerhandwerks.

Die Handelskammer Bremen nennt für Bremerhaven 569 neue Ausbildungsverträge, rund 6% weniger als im Vorjahr. Auch hier wird die Corona-Krise als Grund genannt, allerdings sei der Rückgang weniger stark ausgefallen als noch zur Jahres­mitte befürchtet. Im Hotel- und Gaststättengewerbe gebe es fast ein Drittel weniger Ausbildungsverträge.

Bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz treten die Bewerberinnen und Bewerbe raus Bremerhaven in Konkurrenz zu Interessierten aus dem niedersächsischen Umland. Erfahrungsgemäß pendeln mehr Auszubildende aus dem Landkreis Cuxhaven nach Bremerhaven als umgekehrt.

Für die an einer Ausbildung Interessierten war die klassische Berufsausbildung aber nicht die einzige Option. Hierfür entschieden sich 42%, gut 16% zogen einen weiteren Schul­besuch, ein Praktikum oder ein Studium vor. Von den 1.319 registrierten Personen wählten 8,7% den direkten Einstieg in die Berufstätigkeit ohne vorherige Ausbildung. Mit besonderen Fördermaßnahmen wurden 3,3% der gemeldeten Bewerber und Bewerberinnen unterstützt, die damit ebenfalls als „versorgt“ gelten. (Quelle: Pressemitteilung der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven Nr. 103/2020 vom 29.10.2020).
Rückgang der Arbeitslosigkeit im Frühjahr 2016

Auffallend war im Frühjahr 2016 der Rückgang der Arbeitslosenquote in Bremerhaven um gut zwei Prozentpunkte. Von Februar 2016 ging die Quote von 16,4% auf 14,2% im Juni 2016 zurück (siehe Pressemitteilungen Nr. 24 und 72/2016 der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven).

Dies dürfte zu einem erheblichen Teil auf der Abmeldung von EU-Ausländern aus der Arbeitslosenstatistik beruhen. Hierzu kam es, nachdem ein massenhafter Sozialbetrug aufgedeckt wurde. Überwiegend türkischstämmige Arbeitsuchende aus Bulgarien und Griechenland erlangten durch die Vorlage fingierter Bescheinigungen über angeblich ausgeübte Minijobs die Stellung als „leistungsberechtigte Person ohne ausreichendes Einkommen“ und wurden als „arbeitslos“ geführt. Nachdem der Schwindel mit den unzutreffenden Bescheinigungen aufgeflogen war und die Behörde die Leistungen vorerst einstellte bzw. Betroffene vergeblich zur Klärung des Sachverhalts einbestellte, erlosch auch die Arbeitslosmeldung der betroffenen Personen.



Seite zuletzt bearbeitet am: 27.08.2021