Homepage von Jan von Bröckel: Portal Bremerhaven

Container-Terminal 4 und Umweltbelange

Die Realisierung des Mammutprojektes CT 4 bedeutet einen erheblichen Eingriff in die Umwelt. So wird einmal für den Natur- und Artenschutz wichtiges Areal in Anspruch genommen. Ob die vorgesehenen Ersatzflächen einen vollen Ausgleich schaffen, wird von Kritikern bezweifelt. Proteste erntete die Ausweisung von Ausgleichsflächen im Deichvorland der niedersächsischen Gemeinde Nordholz (südlich von Cuxhaven), das vernässt werden soll. Die dem Hauptdeich vorgelagerten Sommerdeiche beabsichtigt man durchzustechen und neue Priele anzulegen. Über diese Priele soll Meerwasser ins 90 ha große Deichvorland fließen. Ziel ist, dort Salzwiesen zu erschaffen, auf denen sich dann Küstentiere ansiedeln und sich eine entsprechende Bepflanzung bildet. Viele Bewohner der Ortsteile Cappel-Neufeld und Spieka befürchten aber aufgrund der Vernässung des Vorlandes eine Herabsetzung des Schutzes gegen Sturmfluten. Anfang Juli 2006 hat man mit den entsprechenden Bauarbeiten begonnen, die Öffnung der Sommerdeiche begann im September 2008. Die wichtigste Ausgleichsfläche soll aber auf der Luneplate südwestlich von Bremerhaven entstehen. Abhängig von den Gezeiten soll dieses Areal überflutet werden, was durch ein neues Sperrwerk kontrolliert werden könne.

Die Krabbenfischer am entgegengesetzten Weserufer auf der Halbinsel Butjadingen (zwischen Wesermündung und Jadebusen) fürchten eine weitere Verschlickung ihrer Häfen. Probleme bereitet die verkehrsmäßige Erschließung der neuen Umschlagsanlage. Viele Einwohner der nördlichen Stadtteile von Bremerhaven erwarten einen weiteren Zuwachs des LKW-Verkehrs, dem die bisherigen Straßen angeblich nicht gewachsen seien. Es bietet sich zwar an, eine Umgehungsstraße nördlich von Bremerhaven durch niedersächsisches Gebiet zu bauen, doch die niedersächsischen Behörden lehnen eine indirekte Finanzierung des neuen Terminals durch ihre Straßenplanung ab. Außerdem musste der Grauwallkanal verlegt werden, der der Entwässerung des Landes Wursten (nördlich von Bremerhaven) und einiger Gebiete im Norden von Bremerhaven dient und genau an der Stelle in die Weser mündet, wo der bisherige Terminal endet und das Erweiterungsgebiet anschließen soll.

Und für die unmittelbaren Nachbarn des neuen Terminals, den Bewohnern des Bremerhavener Stadtteils Weddewarden, geht es vordringlich um die Abwehr von Geräuschimmissionen, die durch den emsigen Verladebetrieb schon bislang deutlich zu vernehmen sind.

Anzeigen

Grauwallkanal (Außentief): Der in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts entstandene Grauwallkanal dient der Entwässerung (Regenwasser) des nördlich von Bremerhaven gelegenen Landes Wursten. Der Kanal wird um das neue Terminalgelände verlegt und mündet hinter dem nördlichen Ende des CT 4 in die Weser. Baukosten: 17 Millionen Euro. Am 19. April 2005 wurde der neue Wasserlauf fertig gestellt. Nach der Befestigung des Ufers fließt das Wasser seither durch die neue Vorrichtung. Am Ufer des neuen Kanals, welches am CT 4 liegt, war ursprünglich ein neuer begehbarer Deich geplant als Hochwasserschutz. Hierauf wurde jedoch wegen der Errichtung eines Siels am Ausgang des Kanals verzichtet. Hinter der zweiten Kurve am nördlichen Abschlussdeich des Terminals ist dieses Siel entstanden, das am 18. November 2010 eingeweiht wurde. Dem Hochwasserschutz von Seiten der Weser dient der Terminal, der mit Spülkammern (Wellenbrechern) ausgestattet ist wie der bisherige Terminal. Kritik: Das Wasser muss zukünftig durch zwei 90°-Kurven fließen. Die Techniker versichern aber, dass Befürchtungen vor Überschwemmungen unbegründet seien. Bei Flut verhindern geschlossene Schieber des Siels, dass Wasser von der Weser ins nördliche Bremerhaven und Land Wursten dringt.


Bild oben: Der Austernfischer ist ein typischer Bewohner der Nordseeküste. 

Lärmschutz
: Nach Auffassung des OVG Bremen darf die Geräuschbelastung in den Häusern von Weddewarden tagsüber bei bis zu 60 und nachts maximal 45 Dezibel durchschnittlich betragen. Nach Einschätzung eines Gutachters werde nachts der Grenzwert überschritten, weshalb die Gebäude mit Schallschutzfenstern ausgestattet werden müssen. Damit hat Bremenports bereits begonnen. Insgesamt sollen 85 Häuser in Weddewarden und im nördlich davon gelegenen Langener Stadtteil Imsum mit Schallschutzfenstern der Klasse III und Belüftungsanlagen ausgestattet werden, wovon 20 Häuser bereits im Eigentum von Bremenports stehen. Das stadtbremische Unternehmen übernimmt auch die diesbezüglichen Folgekosten und die Stromkosten für den Betrieb der Ventilatoren. Bremenports trat in den letzten Jahren zunehmend als Grundstückseigentümer in Weddewarden auf und erwarb mehrere Grundstücke. Seit der zweiten Jahreshälfte 2010 beobachtet man, dass Bremenports Grundstücke wieder verkauft. Übrigens: auf dem Container-Terminal wird rund um die Uhr gearbeitet
.

Anzeigen

Ausgleichsflächen: Die Ausweitung der südlich von Bremerhaven gelegenen Luneplate wird dadurch erschwert, dass dieses Gebiet bislang Teil der niedersächsischen Gemeinde Loxstedt ist. Damit Bremerhaven dort Planungshoheit erlangt, muss das Gebiet zunächst von Niedersachsen an Bremen abgetreten werden. Am 5. Mai 2009 unterzeichneten die Regierungschefs von Bremen und Niedersachsen einen Staatsvertrag über die Übertragung u.a. der etwa 1.400 ha großen Luneplate. Neben der Luneplate wechseln weitere Gebiete dem Eigentümer, so geht der Bereich Reithufer zu Bremerhaven über, während das Gebiet Siedewurth zu Niedersachsen übertritt, außerdem gibt es einen gegenseitigen Gebietsaustausch im Bereich der Autobahnabfahrt Bremerhaven-Süd/Wulsdorf. Bremen bzw. Bremerhaven zahlen für den Erwerb der Gebiete 9,8 Millionen Euro für den Ankauf von Kompensationsflächen, 5,7 Millionen Euro für den Ankauf von Gewerbeerwartungsflächen und 10 Millionen Euro als Abgeltung an die Gemeinde Loxstedt und den Landkreis Cuxhaven (näheres Bremische Bürgerschaft Drucksache 17/950). Beide Länderparlamente mussten dem Staatsvertrag zustimmen, die Bremische Bürgerschaft tat dies am 28. Oktober 2009. Offiziell fand er Eigentümerwechsel zum 1. Januar 2010 statt. In einem weiteren Schritt erfolgt die Übertragung vom Land Bremen auf die Stadt Bremerhaven. Am 11. Januar 2010 wurde in einem Festakt die Übertragung der Luneplate an das Land Bremen als Teil der Stadt Bremerhaven an der alten Luneschleuse gefeiert (der 11. Januar wurde bewusst gewählt, weil am 11. Januar 1827 die Übertragung von 200 Morgen aus dem Königreich Hannover an Bremen unterzeichnet und damit die Gründung von Bremerhaven ermöglicht wurde). Die unweit gelegene Tegeler Plate dient bereits als Ausgleichsfläche für den vorherigen Abschnitt des Container-Terminals, dem CT 3 a. Das Flusswasser passiert die Deiche und fließt in Priele ein. Einer Überflutung beugt ein Siel vor. Außerdem dienen zusätzliche Wälle dem Hochwasserschutz. Die Bauarbeiten für diese Fläche sollen voraussichtlich 2010 abgeschlossen sein. Was Ausgleichsflächen nicht verhindern können, ist die Versiegelung weiterer Bodenflächen durch den Terminal und der Verlust von Brut- und Nistplätzen für Vögel.

Tidepolster und Sturmflutsperrwerk: Im Süden der Luneplate entsteht eine ca. 220 ha große Öko-Ausgleichsfläche, die dauerhaft dem Einfluss von Ebbe und Flut ausgesetzt wird. Das Brackwasser der Weser wird sich in den Prielen verteilen und dann wieder ablaufen. Bagger werden die neuen Priele ausheben, zwei Tidetümpel anlegen und Gräben verbreitern. Für diese Erdarbeiten werden etwa 550.000 m³ Erde bewegt. Die Kammern zur Überflutung des Areals werden etwa 13 m breit sein, insgesamt soll das Sturmflutsperrwerk eine Breite von 35 m aufweisen und grundsätzlich ganztägig geöffnet sein, nur bei hochauflaufenden Tiden und im Sturmflutfall bleiben die Tore zu. Um Vernässungen in der direkten Umgebung des Polders zu vermeiden, wird der von der Tide beeinflusste Bereich mit 3,50 m hohen Wällen begrenzt, außerdem ist an der Wasserseite ist eine mindestens 20 Meter breite Geländeaufhöhung vorgesehen. Im Hinterland des Polders wird am Schnittpunkt von Sielkanal und Wall ein Tideschöpfwerk errichtet zur Entwässerung eines 28,8 m² großen Gebiets in der Dedesdorfer Marsch.

Grünland-Graben-Gebiet: Neben dem neuen Polder wird ein etwa 240 Hektar großes Grünland-Graben-Gebiet als ein Rückzugsgebiet für zahlreiche geschützte Vogelarten entstehen. Außerdem ist eine extensive Bewirtschaftung mit einer geringen Nutzviehzahl und dem Verzicht auf Düngung geplant. Der größte Teil dieses Areals soll während der Vegetationsperiode als Standweide genutzt werden, in Teilbereichen ist eine Ganzjahresbeweidung vorgesehen. Durch die Erweiterung von Gräben sollen ökologisch hochwertige Flachwasserzonen entstehen.

Anzeigen

Hinweis für Benutzer, die Javascript deaktiviert haben: Dieses Dokument ist Teil eines Framesets. Klicken Sie hier, um das Frameset zu laden.

Seite zuletzt bearbeitet am: 03.12.2010. Die letzten Abschnitte basieren auf einer Pressemitteilung des Bremer Senats vom 2. Juni 2008.