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Roman der jungen chinesischen Autorin wurde in der Volksrepublik China verboten Wei Hui: Shanghai Baby Autorin schildert freizügiges Leben vor einer Kulisse aus Konsum und Erotik Wäre "Shanghai Baby" nicht in Shanghai, sondern in Westeuropa angesiedelt, hätte das Buch wohl kaum für solche Irritationen gesorgt wie in seinem Ursprungsland China, wo es nach kurzer Verbreitung verboten wurde. Dem abgestumpften und abgebrühten westeuropäischen Leser des 21. Jahrhunderts dürften Schilderungen über ein freizügiges Liebesleben wie in diesem Buch kaum neu vorkommen und beunruhigen, doch im Reich der Mitte setzt die Obrigkeit andere Maßstäbe. Die junge chinesische Autorin beschreibt in ihrem halbautobiographischen Roman "Shanghai Baby", wie die Schriftstellerin Ni Ke, genannt Coco, ihren ersten Roman schreibt und dabei von den Leidenschaften zu zwei Männern hin- und hergerissen wird. Umgeben wird das ganze von einer lebens- und vergnügungssüchtigen Boheme, die nun gar nichts mehr zu tun hat mit dem Einheitsblau von Mao-Anzügen, sondern mit dem modischen Lifestyle des konsumorientierten Westens. Handlung: Die 24 Jahre alte Ni Ke (Coco) macht sich nach Studium an der Fudan-Universität und Tätigkeit als Journalistin daran, ihren ersten Roman zu schreiben. Während der Arbeit in einem Café lernt sie einen Gast, Tiantian, kennen, und verliebt sich in ihn. Ihr neuer Freund zeigt sich als ein psychisch labiler, zurückgezogen lebender und depressiver Mann, dessen körperliche Leidenschaft für das andere Geschlecht verkümmert erscheint. Bei einer von Tiantians Bekannten Madonna gegebenen Party lernt Coco den Deutschen Mark kennen und beginnt eine Romanze mit ihm. Während eines Urlaubs auf der Insel Hainan kommt Tiantian in Kontakt zu Rauschgift, macht nach der Rückkehr nach Schanghai eine Entzugstherapie, doch letztendlich stirbt der Freund an dem Gift, während Mark von seiner Firma nach Deutschland zurückgeholt wird. Coco verliert beide Männer, den ihre mütterlichen Gefühle weckenden Tiantian genauso wie den attraktiven maskulinen Europäer, aber der Roman wird fertig und die Autorin hat zu sich selbst gefunden. Als Hintergundmusik liest der Leser das emsige Treiben der Metropole Schanghai, die sich in einem rasanten Tempo entwickelt, und das quirlige, bohemehafte Leben einer Generation, die nach der Kulturrevolution geboren wurde und gar nichts mehr mit der Einförmigkeit des Lebens unter Mao zu tun hat. Kritik: Der Roman untergliedert sich in 32 recht kurze Kapitel, die alle mit einem Zitat beginnen. Der Erzählstil Wei Huis ist flüssig und leicht lesbar. Der westliche Leser mag verwundert sein, dass das Buch in China für Furore gesorgt hat, denn derartige Schilderungen über "lotterhafte" Bohemiens sind in der europäischen Literatur der letzten 50 Jahre nichts außergewöhnliches. Man erfährt von jungen Großstadtmenschen, die voll im Trend unserer konsumorientierten und unverbindlichen Zeit leben und so gar nichts mit sozialistischen Pionieren oder Klassenkampf zu tun haben. Das China der Mao-Anzüge ist vorbei, doch haben die jungen Schanghaier nicht den uniformen Konformismus der 50er und 60er Jahre ausgetauscht gegen den Konformismus der modernen Konsumwelt mit Markenartikeln? Die Volksrepublik China zeigt heute zwei Gesichter: auf der einen Seite will es ein sozialistisches Land sein, auf der anderen Seite ist es die boomende Wirtschaftsmacht, mit der alle bedeutenden westlichen Unternehmen Geschäfte abschließen wollen und dies bei einer zunehmend kommerzialisiert denkenden und handelnden Bevölkerung. Der einzige Zankapfel zwischen dem Westen und China, den Wei Hui in ihrem Roman erwähnt, sind die Spannungen nach der Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad durch die NATO während des Kosovo-Konfliktes. Eine Verfilmung des Romans wurde 2007 fertig gestellt mit Bai Ling als Coco und Katja Riemann als Eva, Luke Goss als Mark, Gregory Wong als Tiantian und Seiko Matsuda als Madonna, Regie und Produktion: Berengar Pfahl. |
Biografie
von Wei Hui:
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