Der
Arbeiter als Objekt der Literatur
Émile
Zola: Germinal
Französischer
Autor schildert in dem Roman unhaltbare Arbeitsbedingungen im
Kohlebergbau der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Bei den heutigen
Diskussionen
über die Zukunft des Sozialstaates und Sozialabbau ist es
sicherlich interessant, sich mit Zolas Roman "Germinal" in die harten
Arbeitsverhältnisse der Bergarbeiter des 19. Jahrhunderts
versetzen zu lassen. Der Autor schildert in seinem Meisterwerk die
einfachen Lebensverhältnisse der Kohlearbeiter, die
katastrophalen
Arbeitsverhältnisse, die tragische Auflehnung und die
verschiedenen politischen Ansätze zur Lösung der
sozialen
Frage.
1885
erschien der Roman zum
ersten Mal, die Handlung spielt einige Jahre früher in der
Zeit
des zweiten Kaiserreichs (zwischen 1852 und 1870) und nach dem
Krimkrieg (1853-56, erwähnt wird auch die Intervention des
französischen Kaisers in Mexiko, die zwischen 1862 und 1867
stattfand). Der Arbeiter Étienne Lantier findet
Arbeit
in einer Steinkohlengrube und Unterkunft in der Familie der Maheus. Es
gelingt ihm, das soziale Bewusstsein der Belegschaft zu
stärken
und die Arbeiter zu einem Streik aufzurufen, der jedoch unüberlegt
ausbricht und letztlich scheitert.
Bei einem Bergwerksunglück,
ausgelöst durch die Sabotage eines Anarchisten, werden
Lantier,
Catherine Maheu und sein Kontrahent um die Gunst Catherines, Chaval,
eingeschlossen. Lantier tötet seinen Rivalen und wird
später
gerettet, Catherine verhungert. Lantier verlässt den Ort mit
der
Vision, dass "Menschen
erstehen würden, eine schwarze Rächerarmee, die
langsam in
den
Furchen keimte, für die Ernten des künftigen
Jahrhunderts
emporwachsend, deren
Keimen alsbald die Erde durchbrechen sollte". Das Symbol des Keimens
ist titelgebend für den Roman, denn "Germinal" ist die
Bezeichnung
eines Monats im Republikanischen Kalender der französischen
Revolution, abgeleitet vom französischen Wort für
Keim, "le
germe".
Germinal ist Teil 13 des 20 Bände umfassenden Romanzyklus "Die
Rougon-Macquart. Die Natur- und Sozialgeschichte einer Familie im
Zweiten Kaiserreich", in dem der Autor zwei Familien entgegengesetzter
gesellschaftlicher Zugehörigkeit beschreibt (Rougon:
Bourgeoisie und Macquart: Unterschicht) und die
Romanfiguren
bzw. deren Nachkommen in den anderen Werken des Zyklus wieder
erscheinen. Zum Verständnis von "Germinal" ist aber nicht die
Kenntnis der anderen Werke erforderlich.
Im Buchhandel ist der Roman in verschiedenen Ausgaben
erhältlich:
1)
Germinal, von Émile
Zola; Leinen,
Roman aus dem Französischen von Caroline Vollmann,
Manesse Bibliothek der Weltliteratur 876 Seiten,
2002, Verlag Manesse, ISBN 3-7175-2000-8
, 26,90 €,
2) als
Taschenbuch: Germinal, von Émile Zola, Insel
Taschenbücher Nr. 720, ISBN 3-458-32420-8
, 12,50 €.
3) als
Reclam-Ausgabe, Germinal, von Émile Zola, Reclam
Universal-Bibliothek Nr.4928, ISBN 3-15-004928-8, 10,80 €.
"Germinal"
wurde mehrmals verfilmt, zuletzt 1993 von Regisseur Claude Berri mit
Renaud,
Miou-Miou, Gérard Depardieu, Judith Henry
u.a..
Im Internet findet man den Text von "Germinal" in deutscher
Übersetzung auf den Seiten des Projekts Gutenberg-DE
unter http://gutenberg.spiegel.de/zola/germinal/toc.htm
und im französischen Original unter http://un2sg4.unige.ch/athena/zola/zola_ge0.html.


Bild
im linken Frame: www.pixelio.de, Bild mit Keim: ©Jürgen Acker/Pixelio (http://www.pixelio.de)
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