Émile
Zola: Germinal - Inhalt
1.
Teil
Der stellen- und
obdachlose
Arbeiter Étienne Lantier (27, Sohn der
Wäscherin Gervaise Macquart aus Zolas Roman "Der
Totschläger") kommt nachts von Marchiennes
nach
Montsou im Norden Frankreichs und trifft auf die Kohlengrube Voreux, wo
er als Ersatz für eine verstorbene Arbeiterin eine
Anstellung findet. Im Bergwerk arbeiten auch Frauen, und zwar als
Schlepperinnen, die die geförderte Kohle in Wagen zum Aufzug
bringen.
Étienne trifft die Bergarbeiterfamilie Maheu, die in drei
Generationen unter einem Dach wohnt und neben den Eltern und dem
Großvater aus den Kindern Catherine, Zacharie (mit 21
Jahren der
Älteste), Jeanlin (11 Jahre), Léonore (6), Henri
(4), Alzire (8) und der
kleinen Estelle (3 Monate) besteht. Für Maheus Tochter
Catherine empfindet Étienne zunehmend Sympathie, doch sie
wird von
Chaval umworben. Nach der ersten Schicht will er die Stelle im Bergwerk
aufgeben, doch er bleibt, nachdem er im Gasthaus "Avantage" des
ehemaligen Bergmannes Rasseneur eine Unterkunft gefunden hat.
2.
Teil
Das Gegenstück zur proletarischen Welt ist die Familie
Grégoire, deren Schicksal als zweiter, etwas untergeordneter
Handlungsstrang geschildert wird. Die Maheus haben kein Geld mehr bis
zur nächsten Lohnzahlung. Frau Maheu (Maheude) bittet
vergeblich
den Lebensmittelhändler Maigrat um einen Kredit. Sie erscheint
bei
den Grégoires, wo sie nur Bekleidungsstücke
erbetteln kann.
Schließlich gibt ihr Maigrat doch noch etwas in der
Erwartung,
dafür mit Catherine anbändeln zu können.
Zola schildert
anschaulich die armseligen Verhältnisse, so wird etwa das
Badewasser für alle Familienmitglieder mit Ausnahme des Vaters
verwendet. Chaval gelingt es, Catherine zu erobern.
3. Teil
Harte
Arbeitsbedingungen: Um 3 Uhr stehen die Bergleute auf, um
zur Arbeit zu erscheinen. Die dauert täglich 10 Stunden (mit
Ausnahme des Sonntags), dauernd haben die Arbeiter nasse Kleider in
über 500 Metern Tiefe. Im Gasthaus wohnt auch der Maschinist
Sawarin, der aus Russland geflohen ist, weil er ein Attentat auf den
Zaren verübt haben soll, und anarchistische Auffassungen
vertritt. Étienne korrespondiert mit Pluchart, der die
Internationale Arbeiterassoziation unterstützt.
Étienne
kann
als Häuer arbeiten. Die Bergwerksgesellschaft
eröffnet einen
neuen
Flöz, die Arbeitsplätze dort werden versteigert,
derjenige,
der den
niedrigsten Lohn fordert, erhält den Zuschlag. Zacharie darf
Philomène heiraten, das frei werdende Bett geht jetzt an
Étienne. Im September gründen die Arbeiter auf
Vorschlag
von Étienne, der sich zunehmend zum
Vertrauensmann der Bergleute
entwickelt, eine Streikkasse, um Arbeiter im Falle eines Streiks
unterstützen zu können. Es kommt zu einer
Absatzkrise, die
Bergwerksgesellschaft häuft unverkaufte Kohle auf Halden an.
Ein
Streik käme ihr zum jetzigen Zeitpunkt gerade recht,
während
die Streikkasse der Arbeiter noch nicht ordentlich gefüllt ist.
Bei einem Einsturz
eines Stollens wird Jeanlin verletzt, der von nun an lahmt. Catherine
zieht zu Chaval.
Schließlich ordnet die Gesellschaft ein neues
Entlohnungssystem
an, das Verschlechterungen für die Arbeiter bringt. Der
Karrenlohn
für geförderte Kohle soll niedriger sein, dagegen die
Vergütung für die Verzimmerung der Bergwerksstollen
höher. Schon mehrmals hatte das Unternehmen die schlechte
Stabilität der Schächte bemängelt. Wegen der
durch die
Verzimmerung bedingten Ausfalltage ist der Lohn jetzt niedriger.
Im Avantage beschließen die Arbeiter einen Streik.
4.
Teil
Der Streik bricht aus. Dies hindert die Grégoires aber
nicht, ausgiebig mit den Hennebeaus, der Familie des Grubenbesitzers,
zu speisen. Der Ingenieur Négrel, der ein
Verhältnis mit Frau Hennebeau hat, soll Cécile
Grégoire heiraten. Eine Abordnung der Streikenden erscheint,
erreicht aber nichts. Nach einigen Tagen steigt die Zahl der
Streikenden, aber die Geldmittel für deren
Unterstützung sind bald erschöpft. Ein geheimes
Treffen der Arbeiter wird von der Polizei aufgelöst. Die
Streikenden leiden Hunger, geben die Arbeitsniederlegung aber nicht
auf, verkaufen lieber ihren Hausrat. Mehrere Bergleute erhalten ihre
Arbeitsbücher zurück (= Kündigung).
5.
Teil
In anderen Bergwerken streiken Teile der Belegschaft. Chaval, der
anfänglich zum Streik aufgerufen hat, schwankt, ob er hart
bleiben oder aus dem Schatten Étiennes heraustreten
soll. Die Streikenden des Voreux schneiden in einem benachbarten
Bergwerk die Seile durch, obwohl noch Bergleute 700 Meter unter der
Erde arbeiten. Nur mit Not erreichen die Grégoires nach
einem Ausflug
das Haus der Hennebeaus. Maigrats Laden wird von einer tobenden
Menschenmenge gestürmt, bei seiner Flucht aufs Dach
verunglückt er tödlich, sein Leichnam wird von
Bergarbeiterfrauen geschändet.
6.
Teil
Militär bewacht das Bergwerk Voreux. Alzire Maheu stirbt an
Hunger. Die Bergwerksgesellschaft will Ersatzarbeitskräfte aus
Belgien im Voreux einsetzen, Chaval will mit ihnen einfahren. Es kommt
zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Chaval und
Étienne, der schließlich seinen Kontrahenten
laufen lässt. Jeanlin tötet einen Soldaten, mit dem
Étienne gesprochen hatte und der das ganze beobachtet; die
Leiche lassen beide in Jeanlins Versteck für die von ihm
gestohlenen Sachen verschwinden.
Streikende Bergarbeiter mit Angehörigen marschieren zum
Bergwerk Voreux, die Soldaten dort pflanzen Bajonette auf. Es
fliegen Steine auf die Soldaten, die mit Gewehrschüssen
antworten. Vater Maheu bricht tödlich getroffen zusammen.
7.
Teil
Das Land ist schockiert über die tödlichen
Schüsse. Catherine, von Chaval verstoßen, kehrt
wieder zum Heim der Maheus zurück. Auf Plakaten wirbt die
Gesellschaft für neue Arbeitskräfte, die Belgier hat
man entlassen und die militärische Bewachung der Gruben ist zu
Ende. Suwarin, unter dem Einfluss der Gedanken Bakunins, lockert nachts
im Bergwerk die Schrauben an der Verschalung.
Der Streik ist gescheitert, die Arbeiter fahren wieder in den Voreux
ein. Beim Hinabfahren knirscht es, Balken stürzen hinab, die
Verschalung bricht ein, das Wasser steht bis zu den Knien,
unterirdische
Explosionen, das Bergwerk säuft ab. Étienne, Chaval
und
Catherine sind unter Tage eingeschlossen. Eine Rettungsaktion
für die Verschütteten beginnt. Bei einer
Schlagwetterexplosion stirbt Zacharie Maheu. Die beiden
verschütteten Männer streiten sich,
schließlich erschlägt
Étienne Chaval mit einer Schieferplatte. Catherine stirbt an
Erschöpfung, bevor die Rettungskräfte den
eingeschlossenen Étienne erreichen.
Die Grégoires wollen den Maheus helfen und bringen Pakete
vorbei. Da nur der Großvater da ist, schließt die
Nachbarin auf. Cécile wird vom Großvater Maheu im
Zustand
geistiger Unzurechnungsfähigkeit erwürgt.
Das Bergwerk Voreux ist für lange Zeit nicht mehr benutzbar.
Die Bergleute arbeiten fortan in einem anderen Bergwerk und haben den
neuen, schlechteren Tarif angenommen. Mit 40 Jahren und nach dem
Verlust ihres Ehemannes und von drei Kindern arbeitet auch wieder die
Maheude im Bergwerk. Étienne verlässt die Gegend
und hofft in seinen Schlussgedanken von einer besseren Zeit
für die arbeitenden Massen.


Bilder: Pixelio, Bild mit Kohle ©frager/Pixelio (http://www.pixelio.de)
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