Zola gilt als einer
der
größten Repräsentanten des Naturalismus,
einer
Kunstrichtung in den beiden letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts,
die von einer realistischen Betrachtung der Lebensverhältnisse
ausgehend die Charaktere und menschlichen Interaktionen besonders
herausstellt und wiedergibt.
Der Naturalist schildert die Dinge so, wie
sie sind, er hängt keinem hochgegriffenen
ästhetischen Ideal
an, sondern erfreut sich an den realen Verhältnissen. Das
"Unschöne", Armut, Hässlichkeit, Ungeschliffenes sind
keine
Tabu-Themen, sondern zentrales Objekt dieser Kunst. Damit finden die
bescheidenen Lebensverhältnisse des aufkommenden Proletariats
Eingang in die Literatur. Menschliches Schicksal ist das Produkt der
historisch bedingten Umwelt, Abstammung und Herkunft. Diese
Verhältnisse bestimmen das Verhalten der
Handlungsträger.
Dagegen tritt der Autor mit seinen eigenen Empfindungen, Erlebnissen
und seiner Herkunft in den Hintergrund.
Die Wirkung des Romans "Germinal" beruht auf der Erschütterung
des
Lesers, doch Zola ist kein einseitiger Protagonist der
Arbeiterbewegung. Vielmehr schildert der Autor auch unangenehme Seiten
der Unterschicht wie Schmutz, Brutalität, Unwissenheit,
Unverstand, politische Verführbarkeit, Sittenlosigkeit. Auf
der
anderen Seite wirkt die Oberschicht etwas überzeichnet mit
ihren
gezierten Gebärden und Verständnislosigkeit
für die Lage
der Arbeiter.
Bild
links: "Le Démolisseur" ("Der Abbrucharbeiter", 1897-99,
Musée des Beaux-Arts Nancy) von Paul Signac (1863-1935),
rechts: Hinrichtung Marie Antoinettes unter der Guillotine
Die politische Aussage des Romans ist: Um den Menschen zu
ändern,
muss man die Verhältnisse ändern. Dies muss mit
Überlegung und Bedacht geschehen, spontane Aktionen aus einer
an
sich verständlichen Entrüstung führen zu
nichts. Die besitzende Schicht hat sich diesen Veränderungen
nicht
zu verschließen, sonst ergeht es ihr wie dem Adel in der
französischen Revolution.