Autor
schildert in seinen Dramen soziale Nöte des 19. Jahrhunderts Gerhart
Hauptmann: Dramen
Die
schlesische
Heimat des Schriftstellers
schlägt sich in seinen Werken nieder
Mit
Gerhart
Hauptmann erhielt zum dritten Mal ein deutscher Schriftsteller den
Nobelpreis für Literatur. Auch heute noch werden die Werke des
so 1912 Geehrten häufig auf den Bühnen
gespielt und in Schulen gelesen. Dabei war der Autor sehr stark von
seiner schlesischen Heimat und den dort herrschenden sozialen
Bedingungen des 19. Jahrhunderts geprägt. Kurze Zeit vor
seinem Tod 1946 in Schlesien war Hauptmann noch aufgefordert worden, in
die
Gebiete westlich von Oder und Neiße zu siedeln.
Während Hauptmanns Werke zum Ende des 19.
und zu Beginn des darauf folgenden Jahrhunderts auch wegen ihrer
sozialkritischen Haltung bei der Obrigkeit aneckten, wuchs der Ruhm des
zur Epoche
des Naturalismus zu zählenden Schriftstellers, so
dass ihm auch noch
in der NS-Zeit, in der allerdings die
schöpferische Kraft Hauptmanns ihre provozierende Kraft
verloren hatte, und nach seinem Tod von den ostdeutschen Sozialisten
Ehrungen zuteil wurden.
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Der frühe Gerhart
Hauptmann gilt als führender Vertreter des Naturalismus
in der
deutschen Literatur. Das ist eine Richtung in der Literatur, die sich
in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte,
prominentester Vertreter war der französische Schriftsteller
Émile Zola. Von einer realistischen, tabulosen
Betrachtungsweise
schildert dieser Stil in manchmal einer die Realität
übertreffenden Weise Gegebenheiten menschlicher Existenz,
wobei
insbesondere die Situation der ärmeren Gesellschaftsschichten
thematisiert wird. Hauptmann überwand die These, dass nur
Angehörige der Oberschicht tragische Personen in einem
Schauspiel
sein durften und zeigt in vielen seiner Werke Angehörige des
Kleinbürgertums oder des Proletariats, wobei
Klassengegensätze aber deutlich zu Tage treten und als Mittel
der
Abgrenzung häufig der Dialekt als Kennzeichen der Unterschicht
angewendet wird. Kennzeichnend für Hauptmanns Schauspiele sind
die
weitestgehende Vermeidung von Monologen, da diese dem realistischen
Konzept des naturalistischen Schauspiels widersprechen, und die
konsequente Verwendung von Dialogen. Häufig benutzt
Hauptmann
sehr detaillierte, umfangreiche Bühnenanweisungen, um die
Umwelt
der agierenden Personen genau zu beschreiben, was sich in der Praxis an
den Bühnen aber oft nicht umsetzen lässt.
Hauptmann beschreibt in seinen Werken das Leid von Menschen, und Mitleid wird und
soll der Betrachter der hauptmannschen Werke empfinden. Das Schicksal
der Agierenden scheint vorgegeben zu sein, und vielleicht kann das
Miterleben dieses Leidens und Liebe die Ungerechtigkeit der Welt besser
ertragen lassen, so könnte die Botschaft in dem Werk dieses
Schriftstellers lauten. In den Werken des schlesischen Autors findet
sich zwar nicht wenig Sozialkritik, doch ein politisches Konzept zur
Schaffung erträglicherer Zustände erkennt man nicht.
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Vor
allem die jüngeren Werke Gerhart Hauptmanns zeigen die
schwierigen
Lebensbedingungen der unteren Gesellschaftsschichten. Der Autor
schärft damit das soziale Gewissen seiner Leser und Zuseher
vor
dem Hintergrund einer sich in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts verschärfenden Frage nach sozialer Gerechtigkeit.
Der
zunehmenden Industrialisierung stand eine nur unzulängliche
Absicherung der lohnabhängig Beschäftigten
gegenüber.
Als Reaktion hierauf entwickelten sich verschiedene politische
Konzepte, so der Marxismus und die Sozialdemokratie. Zur
Eindämmung der sich verschärfenden sozialen Spannungen erging
in
Deutschland
1878 auf Initiative des Reichskanzlers Bismarck das Sozialistengesetz,
mit dem die Tätigkeit sozialistischer und sozialdemokratischer
Organisationen erheblich erschwert wurde und das bis 1890 galt.
Grafik
oben: Die drei heutigen schlesischen Wojwodschaften Breslau,
Oppeln und Kattowitz in Polen
In
diesem Frameset stelle
ich
ihnen
einige Dramen Gerhart Hauptmanns vor. Das 1891 zunächst im
schlesischen Dialekt fertig gestellte Drama "Die Weber" handelt
vom
Aufstand der schlesischen Weber im Jahr 1844. Die preußische
Obrigkeit stand dem Stück ablehnend gegenüber, nach
der mühsam errungenen Uraufführung im Deutschen
Theater Berlin kündigte Kaiser Wilhelm II. dort seine Loge.
"Der Biberpelz"
ist eine Gaunerkomödie mit plastischen
Milieuschilderungen, die wegen ihres offenen Endes nicht wenige
Zuschauer und Leser befremdet, während das Trauerspiel
"Fuhrmann Henschel"
das tödliche Zerbrechen eines von
Schuldgefühlen erfüllten Mannes behandelt. Das
weniger bekannte Schauspiel "Rose
Bernd" zeigt eine Frau, die zwischen
verschiedenen Männern hin- und hergeworfen wird und sich
schließlich zur Kindesmörderin entwickelt. In Berlin
spielt das Stück "Die
Ratten" und zeigt Vorgänge in
einem Mietshaus, wo sich eine Hausbewohnerin von einem
Dienstmädchen ein Kind besorgt und es als ihr eigenes ausgibt
und die Kindesmutter schließlich vom Bruder der "Entleiherin"
umgebracht wird, nachdem die Kindesmutter gegen die Wegnahme des Kindes
vorgeht. Klicken Sie auf einen der
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