Liam O'Flaherty: Zornige grüne Insel -  Historische Hintergründe

Die Handlung des Romans spielt in Irland in der Zeit um 1845. Zu dieser Zeit war die irische Unabhängigkeitsbewegung noch ein zierliches Pflänzchen. Das Spannungsverhältnis zwischen Irland und Großbritannien erreichte erst mit dem Osteraufstand 1916 seinen Höhepunkt. Die Revolte wurde zwar blutig niedergeschlagen und ihre Anführer liquidiert, doch konnte das letztlich die Entlassung des größten Teils Irlands in die Unabhängigkeit fünf Jahre später nicht verhindern. In Irland selbst gab es dann erbitterten Streit über den Verbleib des mehrheitlich protestantischen Nordostens bei Großbritannien, letztendlich konnten sich die Moderaten durchsetzen. O'Flaherty unterstützte in diesem Kampf kurzzeitig die Anhänger einer gesamtirischen Lösung.

Die Kartoffel wurde in England und Irland etwa um 1580 durch Sir Walter Raleigh heimisch. Ihr hoher Nährwert ermöglichte es, mit einer kleinen Anbaufläche eine große Zahl von Menschen satt zu machen. Etwa um 1800 wurde diese Frucht in Irland Grundnahrungsmittel und Hauptlieferant von Protein, da sie auch für Milchkühe und andere Nutztiere Grundnahrungsmittel war. Der Kartoffelanbau begünstigte das Bevölkerungswachstum auf über 8 Millionen Inselbewohner. Auslöser der Kartoffelfäule war der Pilz Phytophthora infestans, der die damals auf der Insel angebauten zwei Kartoffelarten an der Knolle befiel. Im Jahr 1846 wurde fast die ganze Kartoffelernte auf der Insel vernichtet.


Die Hungersnot führte zum Tod von vielen Iren und war der Auslöser einer großen Auswanderungswelle von Iren nach Nordamerika, Australien und Britannien. Irlands Bevölkerung bestand zu jener Zeit zum überwiegenden Teil aus Kleinbauern, die Industrie war nur schwach entwickelt. Vor Beginn der großen Hungersnot lebten in Irland etwas mehr als 8 Millionen Menschen, am Anfang des 20. Jahrhunderts waren es zirka 3,5 Millionen und heute etwa 5,8 Millionen (einschließlich Nordirland). Eine Intervention zugunsten der Hungernden wurde von vielen britischen Politikern als Verstoß gegen die Prinzipien des freien Spiels der Kräfte im Wirtschaftsleben (basierend auf Adam Smith und David Ricardo) angesehen. Die im Buch beschriebenen Maismehlimporte aus den USA gehen zurück auf den Premierminister Robert Peel. Sein Nachfolger Lord John Russel musste im weiteren Verlauf nach anfänglichem Zögern Arbeitsförderungsmaßnahmen und schließlich direkter Unterstützung durch Suppenküchen zustimmen. Der vorzeitige Abbruch dieser Hilfen begünstigte die Herausbildung erster organisierter Formen der Unabhängigkeitsbewegung Irlands.

 Ein bemerkenswerter Vertreter irischer Interessen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Daniel O'Connell (1775-1847), an dem O'Flaherty aber indirekt durch seine Romanfiguren deutliche Kritik übt. O'Connell setzte sich für eine Aufhebung der 1801 eingeführten Union zwischen Irland und England (Repeal- oder Widerruf-Bewegung) und die Gleichberechtigung der Katholiken ein. In Massenversammlungen mit mehreren Hunderttausend Zuhörern trat O'Connell für eine verfassungsrechtliche und gewaltfreie Lösung Irlands von England ein. Er verlor Zustimmung, nachdem die von den Whigs gebildete britische Regierung unter Russell mit Hilfe der Anhänger O'Connells im britischen Parlament an die Macht gekommen war. Die nationalistischen Kräfte sammelten sich im "Young Ireland". Spätere Bewegungen waren die gemäßigte Home Rule-Bewegung und die radikalere "Irish Republican Brotherhood", letztere wird auch "Fenianer" genannt. Sie spielten eine wichtige Rolle bei den Aufständen von 1867 und Ostern 1916. Herausragender Vertreter der Home Rule-Bewegung war der radikalere Charles Stewart Parnell (1846-1891, Protestant). Ein Gesetzesvorhaben zur Selbstverwaltung Irlands scheiterte 1886 im britischen Parlament, die liberale Regierung unter Premierminister Gladstone musste abtreten. Ein ähnlicher Antrag scheiterte 1893 an der fehlenden Zustimmung des Oberhauses, und wieder musste Gladstone seinen Sessel für die Konservativen räumen. Erst 1914 konnte die Selbstverwaltung verabschiedet werden, als das inzwischen sich im Ersten Weltkrieg befindende Großbritannien dringend eine Beruhigung der Irland-Frage benötigte, jedoch sollte die Selbstverwaltung erst nach Kriegsende wirksam werden. Am Ostermontag 1916 (24.04) kam es zum Aufstand in Dublin, Patrick Pearse rief die provisorische irische Republik aus. Der Aufstand wurde von den Briten niedergeschlagen, Pearse, Connolly, Plunkett und andere hingerichtet. Die Unabhängigkeitsbewegung konzentrierte sich nunmehr auf Sinn Féin (deutsch: "Wir selbst"), eine 1908 von Arthur Griffith gegründete Partei, die vor allem den passiven Widerstand propagierte. Bei den Wahlen von 1919 gewann diese Partei die Mehrheit, ihre Abgeordneten weigerten sich aber, ihre Sitze im britischen Unterhaus einzunehmen und gründeten stattdessen ein irisches Parlament, den Dáil Éireann, mit Eamon de Valera als Präsidenten. Großbritannien versuchte zunächst, die Macht in Irland zu behalten, wurde aber von Guerilla-Aktionen irischer Nationalisten gestört. Mit dem Government of Ireland Act von 1920 schuf Westminster zwei irische Parlamente, eins für sechs Grafschaften (counties) im Norden und ein anderes für die restlichen 26. Bei den Wahlen für letzteres gewann Sinn Féin wieder die Mehrheit, ihre Abgeordneten konstituierten sich als zweites Dáil. Am 11. Juli 1921 vereinbarten die Britische Krone und der Dáil einen Waffenstillstand. Nach Verhandlungen unterzeichneten beide Seiten einen Friedensvertrag, der für Irland den Status eines Dominions vorsah. Auf Seite der irischen Nationalisten war der Anteil der Befürworter dieses Vertrages nur geringfügig größer als der Teil derjenigen, die den Vertrag als Verrat an den Prinzipien der Republik betrachteten. Anhänger dieser Richtung erhoben sich im April 1922 gegen die Regierung des neuen Freistaates, was einen zehn Monate währenden Bürgerkrieg zwischen beiden Lagern zur Folge hatte, in dem sich schließlich die Anhänger des Freistaates durchsetzten. Ein führender Vertreter der Teillösung und Vorsitzender der provisorischen Regierung war Michael Collins (1890-1922), der im vorangehenden Unabhängigkeitskampf maßgebender Kopf für die Planung von Gewaltaktionen war und der vermutlich von radikalen Nationalisten erschossen wurde (interessante Verfilmung von Regisseur Neil Jordan von 1996). Die Unterlegenen sammelten sich in Sinn Féin, weigerten sich aber, das Dáil anzuerkennen und die Parlamentssitze wahrzunehmen. Die Anhänger dieser Partei spalteten sich wiederum in zwei Richtungen: die Radikaleren neigten teilweise zur Irish Republican Army (IRA), die Gemäßigteren unter Führung von Eamon de Valera gründeten die Partei Fianna Fáil. Die andere, von Anfang an den Freistaat unterstützende Partei vereinigte sich 1933 mit einer ihr nahestehenden privaten Nationalgarde und nannte sich Fine Gael. Die IRA wurde zu einer illegalen Organisation. 1937 nahmen die Iren in einer Volksabstimmung eine noch heute geltende Verfassung an.

 








Oberes Bild: Skulptur in Dublin zur Erinnerung an die Hungersnot







Oben: Irisches Grabkreuz. Viele der Hungernden waren zu schwach, um die Toten ordentlich zu bestatten.











Ein Wahrzeichen Irlands ist das Kleeblatt. Die drei Blätter des normalen Kleeblattes sollen die heilige Trinität (Holy Trinity) des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes symbolisieren. Offizielles Staatszeichen ist aber eine Harfe. Die irische Trikolore drückt den keltischen Teil Irlands aus (grün) und die Besiedlung durch Oranier (orange), weiß steht für Frieden und Eintracht zwischen den beiden Teilen. Das glückbringende vierblättrige Kleeblatt wird häufig für Marketing-Zwecke verwendet.

















Untere fünf Farbfotos www.pixelio.de, Bild Grabkreuz ©Michael Jurman/Pixelio, Bild irische Küste oben rechts ©carsten richter/Pixelio, Bild Kleeblatt ©Jürgen Acker/Pixelio (http://www.pixelio.de), Bild Famine Memorial und Harfe: Public Domain.

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