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Miguel Ángel Asturias:
Der Sturm - Der grüne Papst - Die Augen der Begrabenen
Der lateinamerikanische Literaturnobelpreisträger von 1967 prangert mit den drei auch als Bananen-Trilogie bezeichneten Romanen den Einfluss multinationaler Großunternehmen an

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Schon einige Jahrzehnte vor den Diskussionen um Globalisierung beschrieb der guatemaltekische Schriftsteller Miguel Ángel Asturias den immensen Einfluss eines amerikanischen Fruchthandelsunternehmens auf sein Heimatland. 1949 erschien mit "Der Sturm" («El viento fuerte») der erste Teil einer Reihe von drei Romanen, die man oft als "Bananen-Trilogie" bezeichnet, 1954 folgten "Der grüne Papst" («El papa verde») und 1960 "Die Augen der Begrabenen" («Los ojos de los enterrados»). Wer sich für Lateinamerika interessiert, findet in diesen Werken eine beeindruckende Schilderung der sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und natürlichen Gegebenheiten von Guatemala, eines Landes, das mit seinen 12 Millionen Einwohnern in der Vergangenheit häufig für Schlagzeilen in Zusammenhang mit Bürgerkrieg und Unterdrückung der indigenen Bevölkerung sorgte. Besondere Aufmerksamkeit erlangte der gut 100.000 km² große Staat durch die Verleihung des Friedensnobelpreises 1992 an Rigoberta Menchú, die für ihren leidenschaftlichen Einsatz für die Rechte der Mayas geehrt wurde.

Kurz vor Beginn des 20. Jahrhunderts kommt die Banane von Jamaika nach Mittelamerika. Amerikanische Unternehmen entdecken schnell die klimatische Eignung dieses Landstrichs für den großflächigen Anbau und beginnen, den Einheimischen große Landflächen für den Anbau wegzunehmen und die Frucht mittels der zunehmend Verwendung findenden Dampfschiffe in nördlichere Absatzgebiete zu transportieren. Asturias zeigt den wachsenden Einfluss der Multis, die sich zu einer Quasi-Staatsmacht entwickeln. Im letzten Teil der Romantrilogie erlebt der Leser, wie mit dem Sturz des Diktators Jorge Ubico im Jahr 1944 die Hoffnung auf eine bessere Zukunft und auf ein demokratisches und gerechtes Land siegt.

Doch schon zehn Jahre später wird die Hoffnung zunichte gemacht, der demokratisch gewählte Präsident wird gestürzt und eine neue Diktatur etabliert. Als Folge beginnt ein Bürgerkrieg, der bis zur Unterzeichnung eines Friedensvertrages 1996 zigtausend Guatemalteken das Leben kostet und zu Flucht und Vertreibung von mehreren hunderttausend Menschen führte.

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Während der erste Teil "Der Sturm" bereits die unsauberen Machenschaften der Fruchtgesellschaft zeigt und den Versuch eines individualistischen US-Amerikaners, Alternativen aufzuzeigen, schildert "Der grüne Papst" mehr den historischen Verlauf der Abhängigkeit des Landes von dem multinationalen Unternehmen und die Entwicklung eines zunächst unbedeutend erscheinenden Gringos zum Chef des allmächtigen Unternehmens. Mit den "Augen der Begrabenen" erfährt der Leser vom langsam aufkommenden Protest gegen die allmächtige Allianz von Bananengesellschaft und guatemaltekischem Staat, was schließlich zum Sturz des Diktators führt. Insgesamt bezieht sich die Trilogie auf den Zeitraum etwa von 1880 bis 1944.

Ein wesentliches Handlungselement in den Werken Asturias ist die Gegenüberstellung von moderner Ökonomie mit dem Prinzip der Gewinnmaximierung und der dadurch bewirkten Veränderung der Lebensumstände mit den überlieferten Traditionen, Mythen und Gebräuchen der Maya-Urbevölkerung. Asturias beschreibt seinen Stil als "Magischen Realismus", doch bleibt der Autor selbst Realist. Bei vielen anderen lateinamerikansichen Schriftstellern findet man ebenfalls die Vermischung des Realen mit dem Spirituellen. Asturias verschmilzt beide Elemente, doch der Leser darf getrost darauf vertrauen, vom Autor nicht in irgendwelche Phantasiereiche gelockt zu werden, der Autor ist unverkennbar Nicht-Mystiker.

Im Buchhandel ist "Der grüne Papst" als Taschenbuch erhältlich im Lamuv Verlag, Band 89, 1990, ISBN 3-88977-246-3, zum Preis von 12,40 EUR sowie "Die Augen der Begrabenen" im gleichen Verlag, Band 100, 1991, ISBN 3-88977-255-2, für 14,90 EUR.

Wenn Sie sich für die Bananen-Trilogie interessieren, interessiert Sie vielleicht auch meine Darstellung einiger Werke des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez, der im Roman "Hundert Jahre Einsamkeit" ebenfalls die Macht multinationaler Bananenkonzerne beschreibt.



Der auf dem Bild oben rechts abgebildete Vogel ist ein Quetzal, das Nationaltier Guatemalas. Die Grafik beruht auf dem Bild "Golden-headed_Quetzal.jpg" (Autor:
chdwckvnstrsslhm, 
Creative Commons Attribution 2.0-Lizenz) des Dateiarchivs Wikimedia.

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