Miguel Ángel Asturias  - Bananen-Trilogie
Der Stil:
Magischer Realismus

Der guatemaltekische Autor bezeichnete seinen Literaturstil als "Magischen Realismus" und hat damit diesen Begriff selbst maßgeblich geprägt.

Die Beschreibung steht für eine häufig in Werken lateinamerikanischer Schriftsteller verwendete Einbeziehung traditioneller Vorstellungen, Riten und Mythen der indigenen Bevölkerung, die mit der oft harten Realität wirtschaftlicher und politischer Veränderungen verwebt werden.


Neben der naturwissenschaftlichen, objektiven Realität gibt es die Welt der Magie, die Vorstellung, durch übernatürliche Kräfte geheimnisvolle Wirkungen erzielen zu können und die Welt des Aberglaubens. Magische Realität ist nach Asturias die Reaktion des Individuums auf die objektive Realität, das individuelle Erleben. Asturias verbindet beide Elemente, schafft durch diese Technik aber keine Kunstwelt, in der die Grenzen von Realität und Magie aufgehoben sind und sich der Leser in einem traumähnlichen Gebilde befindet, vielmehr hat die Magie etwas Tragisches an sich, der Magier scheitert ähnlich wie Don Quijote im Kampf gegen Windmühlen, die er für Riesen hielt. Dem aufgeklärten Europäer mit verloren gegangener Spiritualität mag dies befremdend vorkommen, doch Asturias verwendet dies um den Gegensatz zwischen der Moderne und dem Traditionellen der Mayas herauszustellen. Diese Urbevölkerung Mittelamerikas wird von vielen Mestizen, sich selbst Ladinos nennend, als rückständige, unterentwickelte oder ungebildete Gruppe betrachtet.


Beispiele für magische Elemente in der Bananen-Trilogie:
Die Bananen-Trilogie gehört eher zu den Werken, in denen der magische Realismus schwächer ausgeprägt ist.

Häufig liest man, die Bananen-Trilogie spiele in irgendeiner Bananenrepublik und die Schauplätze des magischen Realismus seien imaginär, doch der Leser findet in den drei Romanen schon genaue Hinweise auf konkrete Örtlichkeiten in Guatemala und die Parallele zur historischen Entwicklung dieses Landes liegt deutlich zu Tage. Hinter der "Tropical Plantanera Company" der Trilogie ist unschwer die United Fruit Company zu erkennen.

Kennzeichnend für das erste Buch der Trilogie, "Der Sturm" ist das Wechselspiel von Hoffnung und Unfreiheit. Zwar formt die Bananengesellschaft die Lebensbedingungen der Einheimischen zu ihrem Nachteil um, doch gibt es Aussicht auf Verbesserung durch das Engagement des kritischen Nordamerikaners Lesters und durch die Besinnung auf eigene Kräfte und das Suchen nach alternativen Lösungen, wie etwa dem Verkauf der Früchte in eigener Regie oder die Errichtung einer Bananenmehlfabrik. Der Autor zeigt hier realistische Alternativen, dagegen erscheint eine Abhilfe durch den Rückgriff auf Magie nicht möglich, der Ruf des Schamanen nach Regen endet in einer Katastrophe, die zwar den Besitz der verhassten "Company" zerstört, aber auch den der Kleinbauern und das Leben von Fürsprechern der Rechte der Einheimischen.

Beachtlich ist auch, dass Asturias nicht mit Klischees arbeitet, etwa vom Gringo, sondern es gibt mit Lester Mead und dem Archäologen in "Der grüne Papst" auch Personen, die den Einheimischen wohl gesonnen sind. Auch sind nicht alle Militärpersonen Repräsentanten der verhassten Staatsmacht, vielmehr unterstützt Hauptmann Cárcamo den Protest, wäre aber beinahe von den Protestlern daran gehindert worden.



Das Bild oben rechts zeigt ein Denkmal für Tecún Umán, einem Kriegsführer der Quiché-Mayas, der der spanischen Eroberung 1524 unterlag. Es basiert auf dem Bild "Tecun_Uman" (Autor: El Torrito, Creative Commons Attribution 3.0 Unported-Lizenz) des Dateiarchivs Wikimedia.

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