Miguel Ángel Asturias: Bananentrilogie
Inhalt: Der grüne Papst
(«El papa verde»)

Die Handlung in "Der grüne Papst" ist derjenigen von "Der Sturm" zeitlich vorgelagert. Kern ist der Aufstieg des Nordamerikaners Geo Maker Thompson zum mächtigsten Mann der Bananengesellschaft.

1. Teil
Auf dem Schiff eines reichen Amerikaners, der die mächtigste Bananengesellschaft der USA vertritt, lernt Geo Maker Thompson die Einheimische Mayarí Palma kennen und findet Gefallen an ihr. Die Bananengesellschaft expandiert und erwirbt Land von den Einheimischen. Wenn diese nicht freiwillig verkaufen, setzt man Gewalt ein, u.a. gehen Bauernhöfe der Einheimischen in Flammen auf. Auch Geo Maker Thompson erwirbt Grundbesitz. Als Mayarí Geo Maker Thompson heiraten soll, flieht sie und ertränkt sich im Motagua, einem heiligen Fluss der Mayas in Guatemala.


Bild oben: Maya-Tempel in Tikal, Guatemala
       
Zehn Jahre später ist Geo Maker Thompson Chef der Bananenpflanzung und hatte zwischenzeitlich die Mutter Mayarís, Doña Flora, geheiratet, die aber bei der Geburt der Tochter Aurelia starb.

Auf der Plantage kommt es eines Tages zu einem Unfall, als eine Draisine mit Geo Maker Thompson und dem Gehilfen Sambio Juambo entgleist, wobei ein mitfahrender Besucher zu Tode kommt. Aurelia kehrt aus dem Internat zurück und bändelt mit dem Archäologen Ray Salcedo an, der die antiken Stätten von Quiriguá erforscht. Bei einem Besuch der Bananengesellschaft an ihrem Hauptsitz in Chicago erfährt Geo Maker Thompson, dass es sich bei dem Gast auf der Draisine um einen Aktionär handelte, der vor Ort einen Einblick von den Machenschaften des Unternehmens gewinnen wollte. Der Archäologe
Mr. Salcedo war in Wirklichkeit Richard Wotton, von dem Geo Maker Thompsons Tochter nunmehr ein Kind erwartet.

2.Teil
Aurelia hat inzwischen einen Sohn, Bobby Thompson. Nach dem Tod von Lester Stoner und seiner Frau erben die Kleinbauern um die Familien Lucero, Cojubul und Gaitán das Riesenvermögen. Hierzu sind zwei Rechtsanwälte, beide Zwillinge, aus New York angereist. Die Erbschaft wird zunächst mit einem Volksfest gefeiert, doch der plötzliche Reichtum führt zu Auseinandersetzungen unter den Erben über Polizeischutz. 
Einige Erben versteigern das Land, ernten aber Proteste, als mehrere des Lesens nicht kundige Bauern dies so verstehen, als würde das Land verschenkt.

Man diskutiert zunehmend über einen Grenzstreit mit dem Nachbarstaat und darüber, ob deswegen ein Krieg kommen wird. Dieser Streit sei angeblich von dem Konkurrrenzunternehmen Frutamiel entfacht worden. Gleichzeitig fürchtet man die Machtinteressen Japans in dieser Region. Einige Erben Stoners sind inzwischen in die USA übergesiedelt. Wegen des Grenzkonflikts fürchten viele Kursverluste der Aktien der Tropical Plantanera und verkaufen deshalb ihre Aktien. Doch nach anfänglichen Verlusten erholt sich der Kurs wieder, der Grenzstreit wird durch einen Schiedsspruch aus Washington beendet. Geo Maker Thompson, der in der Zeit der Baisse die Tropical Plantanera-Aktien von Gaitán und Cojubul erworben hat, wird zum Präsidenten der Bananengesellschaft gewählt, der den Spitznamen "grüner Papst" trägt.

Zeitliche Eingrenzung: In diesem Roman kann die Handlung aufgrund benannter historischer Ereignisse zeitlich fixiert werden. So erfährt der Leser etwa, dass Geo Maker Thompson von der Baustelle des Panamakanals geflohene Bauarbeiter auf seinem Schiff transportiert. Gemeint ist damit der erste, fehlgeschlagenen Versuch eines Kanalbaus nach Plänen des Franzosen Ferdinand de Lesseps. Diese Bauarbeiten begannen 1881 und wurden 1889 unter anderem wegen vieler Fälle von Malaria und Gelbfieber aufgegeben. Geo Maker Thompsons Besuch bei der Bananengesellschaft in Chicago soll sechs bis acht Jahre nach der Annexion Hawaiis von 1898 durch die USA stattfinden. Einen Grenzstreit zwischen Guatemala und Honduras hat es tatsächlich 1924 gegeben, Auslöser war die Verleihung von Landrechten durch die guatemaltekische Regierung an die United Fruit Company (UFCo) im Grenzgebiet zu Honduras, wodurch sich die in Honduras operierende Cuyamel Banana Company in ihren Rechten verletzt sah. Beinahe hätte sich der Konflikt zu einer bewaffneten zwischenstaatlichen Auseinandersetzung entwickelt. 1930 kaufte jedoch UFCo den Mitbewerber Cuyamel auf. Mit den beiden im Roman geschilderten Brüdern, die beide als Rechtsanwälte für Geo Maker Thompson und die Bananengesellschaft arbeiten, mag Asturias an John Foster Dulles (1888-1959, Außenminister der USA von 1953 bis 1959) und seinen Bruder Allen Welsh Dulles (1893-1969, Direktor des CIA 1953-1961) anspielen, die vor ihrer politischen Karriere als Rechtsanwälte tätig waren (in der New Yorker Kanzlei Sullivan und Cromwell) und u.a. die UFCo vertraten; Allen Welsh Dulles war zudem Vorstandsmitglied der UFCo.



Bild mit Banane: Public Domain, das Bild mit Maya-Tempel basiert auf dem Bild "5312_aquaimages" (Autor:Aquaimages, Creative Commons Attribution ShareAlike 2.5-Lizenz) des Dateiarchivs Wikimedia.

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