Hintergründe zur Bananentrilogie von
Miguel Ángel Asturias: Guatemala


Mit der Lektüre der Werke von Asturias wird der Leser in eine Region mitgenommen, bei der viele an den Begriff "Bananenrepublik" denken, jedoch kaum konkrete Vorstellungen über das Leben in Mittelamerika haben. Doch Guatemala ist mehr als nur Bananen, zumal das wichtigste Exportgut heute der Kaffee ist.

Das Land ist seit dem 15. September 1821 unabhängig von Spanien, das Datum befindet sich im Symbol auf dem weißen Grund der guatemaltekischen Nationalflagge. Anschließend bildete das Land mit einigen anderen mittelamerikanischen Ländern die Zentralamerikanische Konföderation, schied hieraus aber 1839 aus. Die ursprünglich aus Maya-Indianern bestehende Urbevölkerung wurde unter der spanischen Besatzung zurückgedrängt, es kam häufig zu Verbindungen von Weißen und Mayas, die daraus hervorgekommenen Mischlinge nennt man Mestizen, sie selbst verwenden den Begriff "Ladinos" und bilden mit knapp 60 Prozent den größten Teil der Bevölkerung. Die andere große Bevölkerungsgruppe sind die indigenen Mayas, während "reinrassige" Weiße seltener anzutreffen sind, außerdem gibt es einen kleinen schwarzen Bevölkerungsteil. Die Mayas gliedern sich in verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen Sprachen, von denen das Quiché am verbreitetsten ist. Der indigene Bevölkerungsteil gilt als sozial benachteiligt, von den Ladinos wird er oft als rückständig, eigenbrötlerisch und ungebildet betrachtet.

Mayas konnten zur Arbeit auf den Bananenplantagen verpflichtet werden, wenn sie in einem zu führenden Arbeitsbuch eine zu hohe Anzahl von unentgeltlich geleisteten Arbeitstagen vorwiesen (es bestand dann der Verdacht der "Herumtreiberei").

Das Land wird durchzogen von den Kordilleren, die den mittleren Teil des Landes bilden (Hochland mit Vulkanen bis 4.200 m), während der schmale Küstenstreifen an der Pazifikküste feuchtheißes Klima aufweist. Der nordöstliche Teil des Landes, Petén, besteht überwiegend aus schwach besiedeltem tropischen Regenwald. Das Land ist erdbebengefährdet, 1773 zerstörte ein Erdbeben die alte Hauptstadt Antigua Guatemala, und 1917 wurde die neue Hauptstadt Guatemala-City schwer beschädigt. Ein weiteres Erdbeben am 04.02.1976 forderte fast 30.000 Tote. Daneben stellen Hurrikane eine Gefahr für die Einwohner dar, so im Oktober 2005 der Hurrikan Stan.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich zunehmend der Anbau von Kaffee und Bananen.


Bild: Kirche in der alten Hauptstadt Antigua Guatemala

Von 1898 bis 1921 regierte der Diktator General Estrada Cabrera, ihm folgte General Jorge Ubico, dessen Herrschaft 1944 beendet wurde. Es kamen dann die demokratisch legitimierten Regierungen von Juan José Arévalo und von Jacobo Arbenz (1950-1954). Dieser trat 1954 zurück, nachdem oppositionelle Militäreinheiten vom Ausland her auf die Hauptstadt zumarschierten. Eine maßgebliche Unterstützung dieses Staatsstreiches durch die CIA gilt heute als gesicherte historische Tatsache (Operation PBSUCCESS). Unter dem Militärdiktator Castillo Armas werden viele Reformen der demokratischen Vorgängerregierung aufgehoben, wie die Landreform mit der Enteignung eines großen Teils des Landbesitzes der Bananengesellschaft und die Einführung eines Mindestlohnes und weitere Arbeitnehmerrechte. Als Reaktion bildete sich eine Guerilla heraus, die sich gegen die Unterdrückung zur Wehr setzte. In der Folgezeit kam es zu Militärregierungen, die sich zum Teil durch Putsche ablösten. Eine kurzzeitige Lockerung trat 1966 mit dem Wahlsieg von Julio César Méndez Montenegro ein, doch behielten sich die Militärs in vielen Bereichen die Macht vor. Besonders unter der Herrschaft von Efrain Ríos Montt kam es zu brutaler Unterdrückung der indigenen Bevölkerung. Neben der Guerilla gab es auch gewaltfreien Widerstand der Indígenas, wobei die Menschenrechtlerin und Nobelpreisträgerin von 1992 Rigoberta Menchú zu erwähnen ist, die ihre Mutter und einen Bruder durch Gewalthandlungen verlor, der Vater starb bei der zwangsweisen Räumung der spanischen Botschaft in Guatemala, die von Protestierenden besetzt wurde und gegen den Willen der spanischen Regierung von guatemaltekischen Regierungseinheiten in Brand gesetzt und gestürmt wurde. Am 29. Dezember 1996 wird ein Friedensabkommen geschlossen, das den langjährigen Bürgerkrieg beendet. Man schätzt die Zahl der Menschen, die durch den Bürgerkrieg zu Tode gekommen sind, bei 140.000 bis 200.000 ein. Wahrscheinlich wurden über eine Million Menschen Flüchtlinge, etwa 440 Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht. Unter dem Vorwand der Bekämpfung der Guerilla kam es zu Zwangsumsiedlungen und Zerstörung von Dörfern der indigenen Bevölkerung. 

Bei den Präsidentschaftswahlen am 4. November 2007 gewann der Kandidat Álvaro Colom Caballeros gegenüber seinem rechtsgerichteten Konkurrenten, nachdem im ersten Wahlgang am 9. September 2007 keiner der Kandidaten die erforderliche Mehrheit errang. Die Nobelpreisträgerin Rigoberta Menchú erreichte mit gut 17 Prozent nur den dritten Platz und kam nicht in die zweite Runde der Wahl. Politische Gewalt und das Treiben von Drogenbanden oder allgemeiner formuliert von organisierter Kriminalität gelten als große Probleme dieses mittelamerikanischen Landes.

Weiterführende Literatur: Sabine Kurtenbach, "Guatemala", Verlag C. H. Beck, München 1998 (Beck'sche Reihe Länder).


Bild Antigua Guatemala: Das Bild basiert auf dem Bild "Antigua0833" (Autor: Soman, GNU-Lizenz für freie Dokumentation) des Dateiarchivs Wikimedia, Bild Kaffeebohne: Public Domain.

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