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von Jan von
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Hochdotierter Preis geht an englischen Dramatiker Nobelpreis für Literatur 2005an Harold Pinter Aber auch kritische Stimmen zu hören - Ist diese Literatur eine Million Euro wert? Im Jahr 2005 verlieh die schwedische Akademie den Literaturnobelpreis an einen Autor, dessen Erfolg in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts mit Bühnenstücken begann, deren Gestalten milieugetreu dem Londoner Eastend entstammen. Die Auszeichnung begründete die Akademie damit, dass Pinter "in seinen Dramen den Abgrund unter dem alltäglichen Geschwätz freilegt und in den geschlossenen Raum der Unterdrückung einbricht". Pinter geht es weniger um Sujets im Sinne eines Dafür- oder Dagegen-Seins oder um moralische Erschütterung als um die Freilegung menschlicher Grundbefindlichkeiten hinter der Alltagssprache. Von einigen wird Pinter dem absurden Theater zugerechnet, wobei man streiten kann, was denn nun absurd ist in Pinters Stücken, die doch wohl eher realistisch beschriebenen ärmlichen Lebensverhältnisse oder die Sprache seiner Bühnenfiguren. Jedenfalls hat man schon die Formulierung "pinteresk" gebildet für diesen eigenen Stil, der einige Fragen unbeantwortet lässt, aber Existenzsorgen und -nöte schildert und häufig die Moral beiseite schiebt. Ein Kennzeichen der Pinterschen Dramatik ist der geschlossene Raum, in dem die Personen Bedrohungen ausgesetzt sind, deren wirkliche Zielrichtung im Unklaren bleibt und in dem die Alltagssprache zur Waffe wird. In den letzten Jahren engagierte sich Pinter politisch. So reiste er 1985 zusammen mit Arthur Miller in die Türkei, um die Beachtung von Menschenrechten zu hinterfragen. Pinter sprach sich gegen die NATO-Intervention im Kosovo aus. Kritisch meldete er sich anlässlich des Irakkrieges zur Wort, als er den amerikanischen Präsidenten Bush und den britischen Premierminister Blair verbal scharf angriff. In seiner Dankesrede anlässlich der Verleihung der großen Auszeichnung - die er wegen seiner schweren Erkrankung nicht persönlich hielt, sondern als Videoaufzeichnung verbreiten ließ - wiederholte Pinter diese Kritik und betonte, dass es in der Literatur keine absolute Wahrheit gebe, während er in der Rolle als Bürger nach der Wahrheit strebe. Die Mehrheit der Politiker habe aber kein Interesse an der Wahrheit, sondern nur an der Macht und am Erhalt der Macht. Dafür sei es erforderlich, dass die Menschen unwissend bleiben. Eine Biografie Pinters finden Sie hier, und die offizielle Website des Autors ist unter www.haroldpinter.org erreichbar, die Harold Pinter Society hat die Adresse http://www.pintersociety.org. Pinter schrieb nicht nur Schauspiele, sondern auch Prosa und Drehbücher und war als Regisseur und gelegentlich auch als Schauspieler in seinen Stücken tätig. Kritisch bemerkte Gerhard Stadelmaier in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Pinter sei heute zu einem intellektuellen Stammtisch-Dramatiker geworden, in dessen Werken inzwischen die Moral überschwappe, obwohl der Autor in seinen Anfangsjahren dies gerade vermeiden wollte. Für "eine Beleidigung für die Weltliteratur" hielt gar der Kritiker Denis Scheck die Preisverleihung,
während Literaturpapst Reich-Ranicki die Auszeichnung als eine
gute, richtige, wenngleich etwas zu spät kommende bezeichnete
und
Sigrid Löffler schließlich sprach von einer
"bizarren Wahl"
des Preisträgers, der doch "démodé" sei.
Uneingeschränkte Zustimmung kam vom tschechischen
Dichterpräsidenten Havel, die Preisvergabe sei "absolut
verdient".Eine kurze Beschreibung einiger seiner Schauspiele: Das
Zimmer (The
Room, 1957
Uraufführung) Die Geburtstagsfeier (The Birthday Party, 1958 Uraufführung) Meg und Petey Boles haben in einem Seebad eine Pension. Bei ihnen ist Stanley Webber seit einem Jahr Gast. Stanley ist Klavierspieler, hat aber seit längerem keine Konzerte gegeben, nachdem er das letzte mal eingeschlossen worden war. Nat Goldberg und McCann erscheinen, sie haben einen Auftrag einer nicht genannten Organisation auszuführen, nämlich Stanley zu finden (Anspielung an die Irland-Problematik). Stanley hat Geburtstag, Meg schenkt ihm eine Trommel und schlägt dann plötzlich eine schöne Geburtstagsfeier vor, aber Stanley will nicht, er will beide verscheuchen. Die beiden kommen ihm bekannt vor (er sagt, er kenne Irland gut). Während die Boles nicht dabei sind, werden die beiden schon deutlicher. McCann hält ihm vor, die Organisation verraten zu haben und fragt, warum er seine Frau umgebracht habe. Als die Boles wieder da sind, steigt die Party, man trinkt, spielt blinde Kuh, wobei die Trommel zerbricht (sie war absichtlich von McCann in den Weg gestellt). Schließlich endet die Festivität mit einem Blackout. Am nächsten Morgen kommt Stanley nicht zum Frühstück, McCann und Goldberg sind bei ihm. Stanley wird von McCann ins Zimmer geschoben. Nachdem Petey wieder da ist, sagen McCann und Goldberg, dass sie Stanley zu Monty bringen werden, dann fahren sie mit ihm weg. Meg ist enttäuscht, dass sie nicht zum Essen bleiben wollen und fragt, ob das nicht eine schöne Geburtstagsfeier gewesen sei, wissend, dass die beiden Besucher in ihrem Auto eine Schubkarre haben. Der Hausmeister (The Caretaker, 1958 Uraufführung mit Alan Bates in der Rolle des Mick)Das Drei-Personen-Stück erinnert an "Warten auf Godot" und "Biedermann und die Brandstifter". Davies kommt als Besucher, nachdem er in einer Gaststätte gearbeitet hatte, dort gab es Ärger, als er Mülleimer heraustragen sollte. Schließlich intervenierte dort Aston zu Gunsten Davies, er wurde dann von Aston aufgenommen. Davies trägt Sandalen, erbettelt Schuhe, hat eine Abneigung gegen Ausländer und Schwarze, hat ein paar Jahre auf Landstraße verbracht, nennt sich Jenkins, hatte seine Frau nach einer Woche verlassen, war in einer psychiatrischen Klinik wegen Halluzinationen und wurde dort einer Elektroschocktherapie unterzogen. Obwohl Aston und sein Bruder Mick Anstoß nehmen am Gestank Davies, gelingt es ihm, sich bei den beiden niederzulassen, nachdem es noch zu einer Auseinandersetzung gekommen war, wo Davies ein Messer zückte. Davies Freude über seinen Erfolg ist ziemlich bescheiden: "Was soll ich denn machen? Wo soll ich hin?" Die Heimkehr (The Homecoming, 1965 Uraufführung) Vielleicht Pinters unmoralischtes Stück. Max wohnt mit seinem Bruder Sam und seinen zwei volljährigen Söhnen Lenny und Joey, die Ehefrau ist gestorben. Das Familienoberhaupt will Max rauswerfen, falls er arbeitslos wird; über seine Söhne sagt er: "Ein Scheißhaufen nach dem anderen. Ein Strom von stinkendem Eiter nach dem anderen." Der dritte Sohn Teddy hat es zu etwas gebracht, er ist Doktor der Philosophie und lebt in den USA. In der Nacht kommt Teddy mit seiner Ehefrau Ruth. Sie treffen auf Lenny, und stellen sich erst am nächsten Morgen Max vor. Doch statt großer Wiedersehensfreude zeigt sich Max empört, der gleich davon ausgeht, dass sich Teddy ein "leichtes Mädchen" besorgt habe: "bringt eine Dreckschlampe mit von der Straße"; "Ich hab noch nie eine Hure unter diesem Dach gehabt". Später kommt es dann doch zu einer Annäherung. Max erzählt, dass er sein Leben lang als Fleischer gearbeitet hat, seine Mutter war ans Bett gefesselt, seine Brüder alle Invaliden, musste Geld für erstklassige Psychiater aufbringen. Lenny flirtet mit Ruth, was Teddy aber nicht verborgen bleibt, als er mit den Koffern für die Rückreise erscheint. Das sehen dann auch Max und Joey, was Max veranlasst, sofort wieder die erstmalig für Ruth gefundenen Bezeichnungen zu verwenden. Später nähern sich auch Joey und Ruth an, doch letzterer gesteht, dass er "nicht ganz ans Ziel gekommen" sei, was Ruths Ehemann mit den Worten kommentiert, "vielleicht hat er nicht die richtige Technik angewendet". Max, Lenny, Joey und Sam finden es nicht schlecht, wenn sie dauerhaft eine Frau im Haus hätten. Teddy favorisiert anfänglich eine Abreise mit seiner Ehefrau, doch "kippt" er dann um: Teddys Brüder und sein Vater haben beschlossen, Ruth einzuladen, länger zu bleiben, aber Ruth soll den Aufenthalt bezahlen, wofür man ihr eine Wohnung einrichten wolle, wenn Ruth dann etabliert sei, könne sie aus den Einkünften ihrer Tätigkeit das verauslagte Geld zurückzahlen. Teddy verlässt dann alle, nachdem er gesagt hat, er komme ganz gut allein zurecht, und Ruth sagt zu dem Angebot: "Euer Vorschlag hört sich ganz verlockend an". Der
stumme Diener (The Dumb Waiter, 1959 Uraufführung) In dem
Zwei-Personen-Stück warten die Berufsverbrecher Ben und Gus
darauf, dass
"er" kommt, damit sie den Auftrag mit der üblichen Methode
ausführen
können. Das durch Zeitungslektüre und erfolglose
Aufforderungen Bens, Tee zu
kochen, unterbrochene Warten wird beendet, als ein Briefumschlag durch
die Tür
gereicht wird, in dem sich nur Streichhölzer befinden. Das
Anzünden des
Gasherdes scheitert an fehlenden Münzen für den
Automaten. Plötzlich gibt es ein
merkwürdiges Geräusch, die beiden springen mit ihren
Revolvern auf und
entdecken einen Aufzug, mit dem Lebensmittel zu einem oberhalb
gelegenen Raum
transportiert werden. Auf Papierschnitzeln werden unterschiedliche
Speisen
angefordert. Die Beiden legen mitgebrachte Lebensmittel in den Aufzug.
Später
entdecken sie eine Sprechvorrichtung. Sie erfahren, dass die
hochgeschafften
Sachen verdorben sind. Dann wird detailliert die Ausführung
der Tat erörtert.
Über das Sprachrohr wird Ben informiert, dass das Opfer
eingetroffen ist und
wie üblich zu verfahren ist. Nachdem Gus ins Badezimmer
gegangen ist, wird die
rechte (Eingangs-)Tür heftig geöffnet. Gus stolpert
ins Zimmer hinein. |
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