Der Schimmelreiter - Erzählstil

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Theodor Storm schrieb dieses Werk kurz vor seinem Tod im Jahr 1888. Auffallend ist hier der Erzählstil, der Autor verwendet mehrere Rahmenhandlungen. Die eigentliche Handlung wird von einem Dorfschulmeister in einer Gaststätte einem zufälligen Zuhörer mitgeteilt, der das Erzählte wiederum in einer Zeitschrift nacherzählt, die der Ich-Erzähler im äußeren Rahmen, es könnte Storm sein, zufällig liest und zu der Novelle weiterverarbeitet.

Der Ich-Erzähler berichtet im Eingang der Novelle, einen Bericht über einen Gespensterreiter in einer in blaue Pappe eingebundenen Zeitschrift bei seiner Großmutter gelesen zu haben, er vermag sich nicht mehr zu entsinnen, ob von den »Leipziger« oder von »Pappes Hamburger Lesefrüchten«. Tatsächlich hat es entsprechende Berichte im "Danziger Dampfboot" und in "Pappes Hamburger Lesefrüchten" gegeben.




Der Schwerpunkt der Erzählung liegt eindeutig bei der Innenhandlung. Die Binnenerzählung wird mehrmals unterbrochen: die Besucher der Gaststätte glauben, draußen den Reiter auf dem Schimmel vorbeisausen gesehen zu haben, einige Männer berichten während der Erzählung des Schulmeisters, der Schimmelreiter habe sich in eine frische Bruchstelle des Hauke-Haien-Deiches gestürzt. Für den Leser etwas verwirrend ist, dass auch in der zweiten Erzählebene des Reiters und Autors des Zeitschriftenartikels die Ich-Form Verwendung findet. Mit diesem Innenrahmen endet die Novelle, sie kehrt nicht mehr zum einleitenden Erzähler und Leser des Zeitschriftenartikels zurück, der äußere Rahmen bekommt den Charakter eines Vorwortes.

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Storm verwendet als Gestaltungsmittel die Rahmenerzählung, die im 19. Jahrhundert in der deutschen Literatur weit verbreitet war. Die Rahmenerzählung kennzeichnet sich dadurch, dass die erste Ebene die zweite Ebene mit der Binnenhandlung, den Kern des Geschehens, umgibt oder vorangeht. In der Binnenhandlung gibt ein nicht mit dem Erzähler des äußeren Rahmens identischer Erzähler mündlich einen Handlungsablauf wieder. Die Anzahl der Rahmen ist nicht begrenzt, führt aber zwangsläufig zu einem erschwerten Verständnis.

Die Rahmentechnik erhöht die Distanz des Dichters zum Stoff, der durch die Schilderung einer Überlieferung glaubwürdiger wirkt. Hinzu kommt im Schimmelreiter die Platzierung des Geschehens in eine reale Landschaft (Nordfriesland) und der Einbau in ein reales Handlungsgeschehen, nämlich die Sturmflut vom 7. Oktober 1756, die tatsächlich stattgefunden hat. Ebenso findet sich ein Hinweis auf eine historisch belegte Person, den Techniker Hans Mom(m)sen (1735-1811) aus Fahretöft bei Dagebüll in Nordfriesland. Fiktion und Wirklichkeit, Vergangenheit und Gegenwart werden so miteinander verwoben.

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Stilmittel Novelle: Die Novelle ist eine kürzere Erzählung in Prosaform, die sich nach Goethe dadurch kennzeichnet, dass eine unerhörte Begebenheit mit überraschendem Wendepunkt auftritt (von lateinisch "novus"= neu). Kennzeichnend sind die straffe Handlung und die Ereignishaftigkeit.

Übernatürliche, spukhafte Elemente setzt Storm im Schimmelreiter gehäuft ein, dem Leser bleibt aber nicht verborgen, dass diese Phänomene rational erklärbare Ursachen haben, etwa die optische Täuschung auf der Hallig und Haukes Schimmel. Storm schrieb dieses Werk im vorletzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, in einer Zeit also, die gekennzeichnet ist durch fortschreitende Industrialisierung und Technisierung der Gesellschaft. Letztendlich führt dieser Siegeszug der Rationalität zum Zurückdrängen des Mystischen, und von daher mag es nachvollziehbar sein, dass der Autor die Binnenhandlung mit ihrer Legendenbildung zeitlich zurückgesetzt hat. Die Schilderungen des Erzählers im Innenrahmen über die Erinnerung an den noch seinerzeit über den Deich reitenden Schimmelreiter mögen da wie Relikte einer vergangenen Zeit erscheinen.

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Selbst der kühl denkende Vernunftmensch Hauke ist nicht frei von mystischen Vorstellungen: "Auf jenen Stellen war jetzt das Eis gespalten; wie Rauchwolken stieg es aus den Rissen, und über das ganze Watt spann sich ein Netz von Dampf und Nebel, das sich seltsam mit der Dämmerung des Abends mischte. Hauke sah mit starren Augen darauf hin; denn in dem Nebel schritten dunkle Gestalten auf und ab, sie schienen ihm so groß wie Menschen. Würdevoll, aber mit seltsamen, erschreckenden Gebärden; mit langen Nasen und Hälsen sah er sie fern an den rauchenden Spalten auf und ab spazieren; plötzlich begannen sie wie Narren unheimlich auf und ab zu springen, die großen über die kleinen und die kleinen gegen die großen; dann breiteten sie sich aus und verloren alle Form. ›Was wollen die? Sind es die Geister der Ertrunkenen?‹ dachte Hauke. »Hoiho!« schrie er laut in die Nacht hinaus; aber die draußen kehrten sich nicht an seinen Schrei, sondern trieben ihr wunderliches Wesen fort." Später legt der Autor seiner Hauptfigur eine Erklärung für dieses Naturschauspiel in den Mund: "»das sind nur arme hungrige Vögel! Sieh nur, wie jetzt der große seine Flügel breitet, die holen sich die Fische, die in die rauchenden Spalten kommen.«"

Das Meer wirkt im Schimmelreiter als etwas Bedrohliches. Es ist eine Kraft, die Leben nimmt, und nicht, die Leben in Form von Nahrung gibt oder die sich als Verkehrsweg oder Freizeitstätte als nützlich erweist. Die Natur zeigt sich hier als ein zentrales Element der Handlung.



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