Der
Schimmelreiter - Symbole
Storms
letztes episches Werk
kennzeichnet sich durch eine Fülle von Symbolen, die
charakteristisch für den Handlungsablauf sind. An vielen
Stellen
finden sich Symbole der Vorausdeutung: Ein größeres
Ereignis
kündigt sich durch kleine Begebenheiten an, die von den
Agierenden
oftmals verdrängt werden.
So macht Elke ihren Mann auf die Schwachstelle des alten
Deiches, wo sich später die
Katastrophe abspielt, aufmerksam ("»von Kindesbeinen
an hab ich gehört, der Priel sei nicht zu stopfen, und
darum dürfe nicht daran gerührt werden.«").
Der Tod oder die Endlichkeit des
Seins kündigt sich Hauke und seiner Familie in schweren Erkrankungen an.
Elke leidet an Kindbettfieber, Hauke an Marschfieber ("auch
mit ihm ging es nah am Rand der Grube her, und als er unter Frau Elkes
Pfleg und Sorge wieder erstanden war, schien er kaum derselbe Mann. Die
Mattigkeit des Körpers
lag auch auf seinem Geiste,").
Ein weiteres Symbol des Todes: Als Hauke am Tag der Sturmflut
aufbricht, liegt eine zertretene Möwe am Weg, Hauke
überlegt,
ob es nicht der von seiner Tochter als Spielkamerad verwendete Vogel
ist. Obwohl Hauke das abergläubische Lebendopfer beim Deichbau
ablehnt,
erbringt er es später selbst, in dem er sich in die Fluten
stürzt.
Schließlich kann man auch in der Geburt der geistig
behinderten Tochter den Sieg der Unvernunft über Hauke
erblicken.
Mit der Vorausdeutung spielt Storm auch auf das in
Nordfriesland
beobachtete "zweite Gesicht" einiger Einheimischer an, die glauben,
zukünftige Ereignisse vorherzusehen.
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Das Spannungsverhältnis zwischen Individuum und
Gesellschaft
ist
zentrales Thema in Storms Novelle. Er beschreibt einen
Einzelgänger, der durch seine Intelligenz in eine
Sonderstellung
gerät, auf Unverständnis bei der breiten Masse
stößt und letztlich, nach schwerer Krankheit und
zunehmender
Distanz zum gemeinen Volk, durch eine plötzliche, für
den
Titelhelden untypische Nachgiebigkeit scheitert. In zweiter Linie sind
die Beherrschbarkeit der Natur durch den Menschen, der Glaube an den
technischen Fortschritt, die Einmischung des Menschen in die
natürliche Ordnung Bestandteile der Handlung. Als Storm den
"Schimmelreiter" schrieb, befand sich Mitteleuropa in einem rasanten
technischen Wachstum, hervorgerufen durch die Industrialisierung. Zwei
Jahre vor der ersten Veröffentlichung wurde Storms
Geburtsstadt
Husum an die Eisenbahnlinie nach Itzehoe und Hamburg angeschlossen,
schon vorher bestand eine Verbindung von Tönning über
Husum
nach Schleswig und Flensburg.
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Warum sich Hauke Haien zum Einzelgänger entwickelt,
bleibt den
Mutmaßungen des Lesers überlassen. Auffallend sind
fehlende
Schilderungen über Haukes Mutter und Geschwister.
Der Autor konnte vom Erfolg seines Spätwerkes nicht
mehr
profitieren, das lange Zeit nach der Novelle "Immensee" rangierte.
Bemerkenswert ist, dass auch die Nationalsozialisten dem
"Schimmelreiter" etwas abgewinnen konnten, da sich hier Parallelen zum
Führerkult seiner Zeit auftaten. Die Gewinnung von Land, die
Unterwerfung unter eine zentrale Leitfigur und die Notwendigkeit der
Führung der Masse durch diese Leitfigur sowie das Opfer des
Einzelnen für das Gemeinwohl sind Kennzeichen jener unseligen
Ideologie. In Nordfriesland wurden mehrere Kooge nach
Nazi-Größen benannt, so gab es einen
Adolf-Hitler-Koog
(heute Dieksanderkoog), einen Hermann-Göring-Koog (der 1935
eingedeichte heutige Tümlauer Koog) und einen
Horst-Wessel-Koog
(heute Norderheverkoog).

Bild
Pferd:
www.pixelio.de
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