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Auch nach mehr als 50 Jahren noch aktuell
George Orwell: 1984
Dieser Roman ist das Synonym für den totalitären Staat

"1984" ist mehr als nur ein Roman eines englischen Autors, nämlich ein Begriff für den diktatorischen Einparteienstaat, der seinen Bürgern kaum Freiräume für individuelle Lebensentfaltung bietet und mit einer totalen Kontrolle jede Opposition unmöglich macht. Die Hauptfigur, Winston Smith, symbolisiert die Unmöglichkeit des Einzelnen, gegen ein solches System aufzubegehren und die brutale Bekehrung zur Bejahung der diktatorischen Staatsform.

Von vielen nur als Anspielung auf die Situation in der Sowjetunion verstanden, insbesondere auf die selbstherrliche Politik des Diktators Stalin, ist "1984" auch mehr als 20 Jahre nach Überschreiten der magischen Jahreszahl in aller Munde, wenn es um die Einschränkung bürgerlicher Freiheitsrechte und den Ausbau von staatlicher Überwachung geht. Die Popularität von "1984" hat den Zusammenbruch des Ostblocks und der Sowjetunion überlebt, ein Zeichen dafür, dass es in diesem Stoff um mehr geht als nur um eine Warnung vor einem schon bestehenden System.

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Orwell konnte von der Popularität dieses Buches kaum profitieren, es erschien 1949, nur einige Monate vor dem Tod des Autors am 21. Januar 1950. Der Titel "1984" ist ein Zahlendreher aus der Jahreszahl 1948, da Orwell das Buch mit der Schilderung der Situation eines fiktiven, zukünftigen Staates 1946/47 schrieb.

Protagonist der Handlung ist Winston Smith, der für das System arbeitet, aber sich zunehmend distanziert, eine verbotene Beziehung eingeht, Widerstand leisten will, aber an der allumfassenden Kontrolle durch das System scheitert, das seine Gegner nicht einfach eliminiert, sondern noch vorher mittels einer brutalen Gehirnwäsche gefügig macht.

Beeinflusst wurde Orwell von dem Buch "Wir" des russischen Schriftstellers Jewgeni Samjatin. "1984" ist nicht das einzige Werk, in dem Orwell, der eigentlich Eric Arthur Blair hieß, die Unterdrückung des Einzelnen durch eine diktatorische Clique beschreibt. Schon in "Farm der Tiere" ("Animal Farm") ist die Herausbildung einer Diktatur und Verrat an den eigentlich gerechten Zielen einer Revolution Thema der Handlung ("Alle Tiere sind gleich, doch einige Tiere sind gleicher"). Die Machtkämpfe zwischen Stalin und Trotzki transponiert Orwell dort in Form einer Fabel ins Tierreich.

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Mit der Ablehnung der stalinistischen Form des Sozialismus traf Orwell zwar das Freiheitsgefühl der Angelsachsen, doch darf man nicht verkennen, dass Orwell politisch eigentlich ein Linker war. So unterstützte er im spanischen Bürgerkrieg die Sache der Republik auf Seiten der POUM (Partido Obrero de Unificación Marxista, Arbeiterpartei der Marxistischen Einheit) und kritisierte oftmals scharf die britische Kolonialpolitik; Orwell wurde in Indien geboren und wirkte 1922 bis 1927 in Burma in der englischen Verwaltung, die er aus Protest gegen ihre Machenschaften verließ.

Im Buchhandel gibt es "1984" in einer Übersetzung von Michael Walter: George Orwell, "1984", 8. Auflage, Heyne Verlag, kartoniert, 392 Seiten, 2009, ISBN 3-453-16421-0, 8,95 €.


Das Buch wurde zweimal verfilmt, einmal von der BBC im Jahr 1956 und ein anderes Mal genau 1984 unter der Regie von Michael Radford mit John Hurt (Winston), Suzanna Hamilton (Julia) und Richard Burton (O'Brien).


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