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Orwells 1984: Das politische System Ozeaniens

Viele Leser von Orwells 1984 sind irritiert von der Platzierung des diktatorischen Systems auf Großbritannien, ein Land, das geradezu ungeeignet erscheint, Hort einer Ein-Parteien-Diktatur zu sein. Das traditionsbewußte Land der Magna Charta, des Habeas Corpus, der Bill of Rights, der Redefreiheit, der vielseitigen Presse, der gepflegten parlamentarischen Debatte, der die Freiheit schützenden Justiz mit Perücken tragenden Richtern und des objektiven Rundfunks der BBC sind in der trüben Zukunftsprojektion nicht wiederzuerkennen.

Die Aufteilung der Welt in Orwells 1984:
Die Aufteilung der Welt in 1984
dunkelblauOzeanien grünEurasien rotOstasien hellblau= umkämpftes Gebiet

Ozeanien ist ein Ein-Parteien-Staat, gelenkt vom Großen Bruder. Die Partei kam in einer Revolution nach dem Zweiten Weltkrieg an die Macht, die Rolle des Großen Bruders als Führer ist nach Säuberungsaktionen in den sechziger Jahren unbestritten.

Das Land befindet sich in einem permanenten Krieg mit den beiden anderen Mächten, was die Disziplinierung der eigenen Bevölkerung ermöglicht. Die häufigen Wechsel des Kriegsgegners können eine Anspielung auf den Hitler-Stalin-Pakt sein, wo Nazi-Deutschland 1939 mit dem aus der Sicht der NS-Ideologie größten Gegner, der Sowjetunion, einen Vertrag abschloss und Polen und andere Gebiete Osteuropas aufteilte. Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion 1941 näherte sich Stalin den Westmächten an, nach Kriegsende brach der Kalte Krieg aus.

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Die Macht der Partei ist allgegenwärtig, ein Überwachungsapparat erstickt aufkeimende Opposition sofort. Mit der im Roman beschriebenen Videoüberwachung durch Teleschirme hat Orwell die technische Entwicklung vorausgesehen. Hinzu kommen Mikrofone und ein Spitzelwesen, zu dem schon die Parteijugend herangezogen wird. Diese sichtbare Überwachung hat einen weiteren einschüchternden Effekt. Sogar Hubschrauber, zu Orwells Zeit waren sie gerade erst erfunden, werden zur Überwachung der Wohnviertel eingesetzt, hinzu kommt die Gedankenpolizei, eine geheime Polizei zur Aufspürung politischer Abweichler.

Der organisierte Hass, sei es in einer Hasswoche, in zweiminütigen Veranstaltungen für die Mitarbeiter der Ministerien oder auf öffentlichen Großveranstaltungen, bei denen Kriegsgefangene vorgeführt werden sowie öffentliche Hinrichtungen sorgen für eine aufgeputschte Stimmung gegen den Gegner. Die grundsätzlich nicht abschaltbaren Teleschirme transportieren die Propaganda der Partei in jede Wohnung.

Am perfidesten ist die Machtstellung der Partei aber durch die Kontrolle der Vergangenheit. Es soll unmöglich sein, unter Berufung auf frühere, historisch belegte Aussagen Widersprüche zur aktuellen Politik der Partei zu dokumentieren. Dissidenten müssen damit rechnen, "vaporisiert" zu werden. Sie werden nicht nur physisch liquidiert, sondern auch die Erinnerung an sie wird gestrichen, oder wörtlich übersetzt, "verdampft". Frühere Dokumente über andere Aussagen der Partei werden im Ministerium für Wahrheit vernichtet und durch gefälschte ersetzt. Falls doch einmal historisches Quellmaterial oder Publikation mit Inhalten außerhalb der Parteilinie auftauchen, soll es der Bevölkerung durch die Schaffung einer neuen Sprache ("Neusprech") unmöglich gemacht werden, diese subversiven Texte zu verstehen.

In Ozeanien hat die Partei immer recht. Wenn die Partei anordnet, dass 2+2=5 sind, dann gelte dies, so O'Brien bei der Befragung Winstons. Von einem Parteimitglied werde aber erwartet, dass es mitunter als Summe die Zahl 4 für richtig hält, wenn es in der jeweiligen Situation erforderlich ist (Prinzip des Doppeldenk).

Auch die Bekehrung von Dissidenten mittels Gehirnwäsche vor deren Tötung hat Sinn, denn die Partei will damit der Schaffung von Märtyrern entgegentreten.

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O'Brien schildert während der Vernehmung Winstons die politischen Ziele Ozeaniens:

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