Die Mutter aller Geschichten mit Invasionen von Außerterrestrischen
Herbert George Wells:
Der Krieg der Welten

Das 1898 erschienene Buch gilt als Meilenstein der Science-Fiction-Literatur und beschreibt die Invasion von Marsmenschen, deren Verwüstungen an die 42 Jahre später stattfindenden Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs erinnern. Letztlich scheitert der Angriff auf das victorianische Empire an Kleinstlebewesen.
Für Aufsehen sorgte die Hörspielfassung von Orson Welles aus dem Jahr 1938, die bei vielen Zuhörern in New York eine Panik auslöste
. Das Buch ist in Form eines Erlebnisberichts geschrieben.


Handlung
Interpretation
Verfilmungen
Hörspiel
Der Mars
Wie sehen Marsmenschen aus? Der Autor

Die Handlung:  Der Erzähler, dessen Namen der Leser nie erfährt, berichtet von Eruptionen auf dem Mars, in deren Verlauf sich Geschosse auf die Erde hin bewegen. Man sieht, wie eine Art Sternschnuppe niedergeht und es zum Einschlag eines meteoritenähnlichen Gebildes, eines Zylinders, in der Nähe von Woking, dem Wohnortes des Erzählers, kommt. Schon bald steigen die Marsmenschen heraus und beginnen sofort einen Feldzug gegen die Erdbewohner. Mit einem laserähnlichen Hitzestrahl und giftigen Nebelgasen schlagen sie sich den Weg frei, auch die Armee kann mit Kanonen und Geschützen den Vormarsch nicht aufhalten. Die Neuankömmlinge hinterlassen Verwüstung und Tod, wer noch lebt, versucht zu fliehen aus dem vor London liegenden Gebiet. Es kommen jetzt weitere dreibeinige Zylinder vom Mars an. Der Erzähler bringt seine Familie in Sicherheit, kehrt noch einmal in sein Haus zurück, trifft dort einen Artilleristen und kann wegen der zunehmenden Kämpfe nicht zurück. Schließlich macht er sich auf den Weg nach London gemeinsam mit einem zufällig angetroffenen Geistlichen.



Eine Biografie
 H.G. Wells
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Die Zerstörung von London: Der Autor gibt dann Schilderungen seines Bruders von den Auswirkungen der Marsmenscheninvasion in London  wieder, die zu Chaos, Panik, Massenflucht und Zerstörung von weiten Teilen der Millionenstadt führt. Einige retten sich zur Küste, um mit dem Schiff das sichere europäische Festland zu erreichen, doch die Marsmenschen greifen auch Schiffe an. Währenddessen verstecken sich der Erzähler und sein Begleiter in einem Haus. Für ihre destruktiven Zwecke setzen die Marsmenschen eigenartige Greifmaschinen ein. Die Ernährung von Marsleuten besteht aus Blut, das umgehend dem Organismus zugeführt wird. Als Verpflegung für die lange Reise durchs All hatten sie Lebewesen mitgenommen. Im Zustand voller Verzweiflung will der Geistliche den Marsmenschen entgegentreten, wird aber vom Erzähler geschlagen und dann von einem Marsmenschen entdeckt. Nicht nur auf Zerstörung haben es die Invasoren abgesehen, sie nehmen auch einige Erdbewohner gefangen. Später beobachtet man, dass die Eroberer - immerhin einige Jahre vor dem Erstflug der Gebrüder Wright - eine Flugmaschine für schnelleres Reisen auf unserem Planeten mitgebracht haben. Nachdem eine gespenstische Stille aufgetreten ist, macht sich der Erzähler auf den Weg, trifft den jetzt sozialdarwinistische Theorien vertretenden Artilleristen wieder und erlebt die zerstörte Hauptstadt. Doch es gibt keine kämpfenden Marsungeheuer mehr, sondern nur noch wimmernde  Eroberer, die den Bakterien unseres Planeten schutzlos ausgeliefert sind und daran zu Grunde gehen. Zu guter Letzt findet sich auch die Ehefrau des Erzählers wieder an. Aus anderen Ländern treffen Hilfslieferungen für die übrig gebliebenen Bewohner Südostenglands ein.



Die Interpretation:
Ist "Der Krieg der Welten" mehr als nur die Einführung des Galaktischen in die Literatur? Der Autor könnte seine Freude gehabt haben, den Leser mit neuartigen, spannenden Kriegsszenen zu fesseln, doch H.G. Wells war nicht der Mensch für simple Ballerspiele.

Den heutigen Leser sind die Szenen mit Verwüstung und Krieg nach den Geschehnissen des Zweiten Weltkrieges nicht unbekannt; man könnte schon annehmen, dass es auch im Destruktiven archetypische Urkräfte im Unbewussten der Menschheit gibt, die unter ungünstigen Bedingungen freigelegt werden.
Man kann das Buch als Satire auf den britischen Kolonialismus verstehen, wobei die Rollen vertauscht worden sind: statt sonst fremde Völker zu unterwerfen, kehrt sich die Gewalt gegen den Kolonialherrn, der - blamabel - den Angreifern nicht Paroli bieten kann. Recht interessant ist der Vergleich des Erzählers der Erdbewohner in seinem Roman mit Naturvölkern, die von den Kolonialmächten unterworfen oder gar ausgerottet wurden (im ersten Abschnitt, siehe Grafik rechts oben). Ein Stachel im Fleisch des saturierten britischen Empires von 1898, in dessen Reich von Jamaika über Südafrika bis nach Singapur und weiter in die Südsee die Sonne niemals unterging und dessen Militärapparat sich hier als wirkungslos erweist.



  Verfilmungen
:

Die erste Verfilmung gab es 1953 unter der Regie von Byron Haskin ("Kampf der Welten").
Die Thematik kommt dann wieder im Film "Independence Day".
2005 sorgte eine neue Verfilmung von Steven Spielberg für Aufmerksamkeit (mit Tom Cruise). Die Handlung ist in eine amerikanische Durchschnittsfamilie gelegt, die erlebt, wie bereits bereits vor langer, langer Zeit von Marsbewohnern auf der Erde deponierte Kampfmaschinen plötzlich von den Extraterrestrischen reaktiviert werden. Allerdings scheitert die Invasion aus den gleichen Gründen wie in der Romanvorlage.



Der Mars

Der Planet Mars wird wegen seiner Farbe auch häufig als der "Rote Planet" bezeichnet. Das Rote geht zurück auf Eisenoxidstaub, der sich auf der Oberfläche und in der Atmosphäre abgelagert hat. Der Abstand zur Erde beträgt 55,7 Millionen bis 401,3 Millionen Kilometer. Der Durchmesser am Äquator beträgt 6.794 km (etwa die Hälfte des Durchmessers der Erde). Es herrschen Temperaturen von 210 K im Durchschnitt, das sind  -63° Celsius. An den Polen beträgt die Minimaltemperatur  -123° C. Als Höchsttemperatur geht man am Äquator von 23° C aus. In 686,98 Tagen umrundet der Mars die Sonne als ihr viertnächster Planet und dreht sich in 24 h 37 m um sich selbst. Er hat zwei Monde (1877 entdeckt). Die sehr dünne Atmosphäre besteht aus Kohlendioxid (95 %), Stickstoff (2,7 %), Argon (1,6 %) sowie geringen Anteilen von Sauerstoff und Kohlenmonoxid sowie Spuren von Wasserdampf, Methan, sonstigen Elementen und Verbindungen (zum Vergleich die Erde: ca. 78 % Stickstoff, knapp 21 % Sauerstoff, 0,03 % Kohlendioxid und einige Edelgase wie Argon). Der atmosphärische Druck entspricht dem der Erde in 35 km Höhe. Die ersten Nahaufnamen vom Mars gelangen 1965 der Raumsonde Mariner. 1971 landete die erste (sowjetische) Raumsonde, 1976 die amerikanische Viking-Sonde. 1997 brachte die Sonde "Pathfinder" ein kleines Fahrzeug mit. Ein Satellit ("Mars Global Surveyer") umkreist seit 1997 den Mars (Kontakt bis November 2006), seit 2001 auch noch "Mars Odyssey". Die ESA-Marssonde (Mars-Express) landete 2003, aber zum Landegerät besteht im Gegensatz zum Orbiter kein Kontakt. Seit dem Juni 2003 arbeitet die US-Raumsonde "Spirit" mit einem Geländefahrzeug auf dem Mars, am 25.01.2004 landete die baugleiche "Opportunity" (Start war am 08.07.2003). Der nächste Reisende ist die am 12.08.2005 gestartete "Mars Reconnaissance Orbiter", die am 10. März 2006 ihr Ziel erreichte und den roten Planeten in einer Umlaufbahn von 313 km Entfernung fotografieren soll. Einen richtigen Besuch erlebt der rote Planet seit dem 25. Mai 2008 durch die NASA-Raumsonde "Phoenix", die auf der Marsoberfläche landete und bis zum 2. November 2008 Signale zur Erde sandte.


Meine Einschätzung:

Das Buch glänzt weniger durch komplizierte Verwicklungen oder durch Schilderungen menschlicher Intrigen als durch einen flüssigen Erzählstil, der den heute abgebrühten Leser natürlich nicht mehr so ganz bewegen kann wie vor über 100 Jahren. Aber es ist ein Klassiker und lesenswert. Unbedingt nicht entgehen lassen sollte man sich das Hörspiel von Orson Welles.
Hörspiel: In die Geschichte ging die 1938 von Orson Welles erstellte Hörspielversion ein. An Halloween von CBS ausgestrahlt, hielten viele Zuhörer das Geschehen für echt, was in New York eine Massenhysterie auslöste. Ausschlaggebend war wohl die Gestaltung in Form einer realiteren Reportage.
Nähere Informationen zum Hörspiel finden Sie hier (in Englisch); dort kann man das Hörspiel mit dem RealPlayer anhören. Alternativ bietet sich
http://www.mercurytheatre.info an (dort auch im mp3-Format).
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Wie sehen Marsmenschen aus?

Nach Angaben des Erzählers in "Der Krieg der Welten" dürfen wir uns Marsmenschen wie folgt vorstellen:
großer grauer gedrungener Körper von der Größe eines Bären

runde Köpfe von etwa vier Fuß Durchmesser (= 1,22 m), mitten auf der Vorderseite des Kopfes ein Gesicht ohne Nasenlöcher, fehlendes Kinn unter keilförmiger Unterlippe
ein Paar sehr große dunkel gefärbte Augen (aber keine Augenbrauen), darunter fleischiger Schnabel, um die V-förmige und ständig zitternde Mundöffnung hängen 16 zarte, fast peitschenartige Fühler herab (auf jeder Seite zwei Büschel zu vier), diese Büschel dienen als Hände
auf Rückseite des Kopfes eine einzige straffe, trommelfellartige Fläche (Ohr)
Körperinneres wird zum größten Teil vom Gehirn beansprucht, große Nervenstränge zu Augen, Ohren und Tastwerkzeugen
ölige braune Haut
vollständige Lungen, in die sich Mundhöhle öffnet, Herz, Gefäße, sonst keine Verdauungsorgane (frisches Blut anderer Geschöpfe wird direkt in die eigenen Adern geführt)
schwerfällige Bewegungen

Das Buch erschien erstmals 1898 unter dem Titel "The War of the Worlds"  und 1901 erstmals in deutscher Übersetzung (G.A. Crüwell). Es ist im Buchhandel als Taschenbuch erhältlich zum Preis von 9,90 € (Herbert G. Wells, Der Krieg der Welten, Diogenes Taschenbücher, 337 Seiten, ISBN 3-257-23537). Das auf dem Buch basierende Hörspiel ist als Hörbuch käuflich (War of the Worlds, 1 Audio-CD, englische Version, 58 Minuten, Regie: Orson Welles, 2005, ISBN 3-89940-617-6, 14,95 €).

Fotos Planeten: NASA

Seite zuletzt bearbeitet: 29.11.2008