Orhan Pamuk: Das neue Leben - Inhalt

Der Ich-Erzähler, dessen Name "Osman" der Leser erst später erfährt, ist zu Beginn der Handlung 22 Jahre alt, lebt noch bei seiner Mutter und studiert Bauwesen in Istanbul. Die Lektüre eines bestimmten Buches beeindruckt den Ich-Erzähler sehr stark, man kann schon sagen dass es sein Leben verändert. Alle Anschauungen des Erzählers verwandeln sich in die Wörter des Buches und umgekehrt. Im letzten Jahr war der Vater des Erzählers verstorben, ein Jahr zuvor wurde sein Onkel Rıfkı erschossen.

Am nächsten Tag sieht der Erzähler die Frau wieder, die ihn zur Anschaffung des besagten Buches veranlasst hatte und in die er sich verliebt hat. Es ist Canan, die gezielt das Interesse des Erzählers auf dieses Buch lenkte, als sie sich vom Erzähler beobachtet fühlte und das Buch demonstrativ ablegte, so dass der Erzähler es erblicken konnte und es bei einem Straßenhändler erwarb. Canan ist befreundet mit Mehmet, den der Erzähler später kennen lernt und der ihm berichtet, er habe durch die Lektüre des Buches ein neues Leben gefunden.


Bild oben: Blick über den Istanbuler Stadtteil Beyoğlu auf den Bosporus. Die Handlung von "Das neue Leben" beginnt in dieser Stadt mit mehr als 10 Millionen Einwohnern.

Später erlebt der Erzähler, wie auf einer Straße plötzlich zwei Schüsse auf Mehmet abgefeuert werden, der daraufhin zusammenbricht. Canan hatte sich kurz abgewendet und den Vorfall zunächst nicht bemerkt. Als der Erzähler an der Stelle des Attentats erscheint, ist nichts mehr davon zu erkennen. Nachforschungen von Osman in Krankenhäusern bleiben ergebnislos. Der Erzähler macht sich auf die Suche nach Canan. Nachdem er sie in Istanbul nicht finden kann, beginnt eine monatelange Reise durch die Türkei mit dem Bus. Es ereignen sich mehrere Unfälle mit Bussen. Bei einem nimmt der Erzähler das Geld und die Personaldokumente eines tödlich Verunglückten. Im weiteren Verlauf der Suche kommt der Erzähler in ein Städtchen, wo die Polizei ihn auf einen verunglückten Bus aufmerksam macht. Der Erzähler begibt sich zur Unfallstelle und findet die nur leicht verletzte Canan wieder. Sie berichtet ihm, dass sie nach dem Attentat mit dem verwundeten Mehmet zu einem Marinehospital gefahren waren und dass er nach drei bis vier Tagen aus dem Krankenhaus entlassen werden sollte. Nach zwei Tagen war er aber verschwunden. Mehmet hatte sich ganz dem Buch hingegeben und von seinen Eltern getrennt. Die Reise wird fortgesetzt, um Mehmet zu finden.

Canan und Osman kommen in das Städtchen Güdü, wo sich der Erzähler als Vertreter ausgibt und zu einer Verteterversammlung geführt wird, die eine Tarnung ist für eine politische, rechtsgerichtete und islamisch-konservative Verschwörung. Deren Haupt ist Dr. Narin, den die beiden in Çatik besuchen. In seinem Haus entdecken die beiden ein Foto, das Mehmet zeigt. Es stellt sich heraus, dass Dr. Narin der Vater von Mehmet ist und dieser früher Nahit hieß. Die Verschwörung richtet sich auch gegen "das Buch". Dr. Narin ließ seinen Sohn observieren und musste erleben, dass er zu den Lesern des Buches gehörte. Ein Agent Dr. Narins entdeckte, dass der später ermordete Rifki der Autor des Buches ist. Das Buch wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Mehmet - oder damals noch Nahit - gibt sein Medizinstudium auf und reist mit Bussen kreuz und quer durchs Land. Dr. Narin beklagt den Tod seines Sohnes Nahit, der aber in Wahrheit bei einem Busunfall die Identität mit einem zur Unkenntlichkeit verbrannten Opfer getauscht hatte und sich fortan Mehmet nennt.

Dr. Narin setzt seine nach den Marken von Uhren benannten Agenten auf die Leser des Buches an und lässt diese Leser umbringen. So hat denn auch der Agent Seiko den Sohn Dr. Narins mit Canan aufgespürt und die Schüsse auf Mehmet abgegeben. Dr. Narin zeigt dem Erzähler eine Waffensammlung und überlässt ihm eine Pistole. Als Canan wegen einer Grippe für mehrere Tage das Bett hüten muss, macht sich der Erzähler wieder per Bus auf die Suche nach Mehmet (ex-Nahit). Von der Organisation der Verschwörer hat der Erzähler eine Liste mit Personen, die das Buch gelesen haben, und hieraus sucht er die Personen mit dem Vornamen "Mehmet" aus, da der Nachname des Gesuchten  unbekannt ist. So spricht der Erzähler mehrere Mehmet an und stellt sich dabei als Kumpel aus der Militärzeit vor.


Bild oben: Der Taksim-Platz (Taksim Meydanı)
im Istanbuler Stadtteil Beyoğlu (Blick vom Marmara Hotel)

Schließlich entdeckt Osman den Gesuchten Mehmet, ex-Nahit, in der Kleinstadt Viranbag, wo er sich jetzt Osman nennt und das Buch handschriftlich vervielfältigt. Die beiden Osmans unterhalten sich, Mehmet, ex-Nahit, sagt, er sei dem Engel aus dem Buch begegnet. Über einen Vermittler kann Mehmet die vervielfältigten Bücher absetzen. Mehmet bringt den Erzähler zum Bahnhof und verabschiedet sich, doch der Erzähler springt aus dem abfahrenden Zug und verfolgt den sich entfernenden Mehmet, den er in einem Kino mit der von Dr. Narin erhaltenen Pistole erschießt.

Nach der Tat fährt der Erzähler Osman zu Dr. Narin, doch Canan ist weg. Auch in Istanbul ist sie nicht zu finden. Osman besucht wieder die Hochschule und leistet später seinen Militärdienst ab, zwei Monate vor dessen Ende stirbt Osmans Mutter. Danach folgen wieder Busreisen durch die Türkei. Schließlich erfährt Osman von Kommilitonen, dass Canan einen Arzt geheiratet haben soll und inzwischen in Deutschland lebt.

Sieben Jahre nach dem Tod der Mutter spricht Osman die Witwe von Rıfkı an und kann die Bücher des verstorbenen Ehemannes mitnehmen, die offenbar einen starken Einfluss auf das Buch von Rıfkı ausgeübt haben. Der Erzähler ist jetzt verheiratet, arbeitet bei der Stadtverwaltung in Istanbul und hat eine Tochter, seine Frau sah er das erste mal als er das Buch im Haus der Mutter las. Außerdem hat er von der Witwe eine Silberdose mit Bonbons erhalten. In der Silberdose sind Bonbons der Marke "Neues Leben", deren Markenzeichen ein Engel ist. Noch am Abend des Tages, als er die Bonbons entdeckt, macht sich der Erzähler auf zu einer erneuten Bustour, um den Geschäftsführer der Bonbonfabrik zu finden und ihm nach der Entstehung des Namens des Bonbons zu fragen. Bei seiner Reise kommt Osman auch durch Çatik und muss feststellen, dass die Verschwörergruppe inzwischen zusammengebrochen ist. Osman fühlt sich in der Tötung Mehmets, ex-Nahit, bestätigt. Schließlich findet Osman den jetzt über 80 Jahre alten Leiter der Bonbonfabrik, Herrn Süreyya, in Sonpazar. Die Entstehung des Bonbonsnamens kann er nicht erklären, die den einzelnen Bonbons hinzugefügten Verse stammen aber von ihm.

Der Ich-Erzähler Osman verlässt den Ort wieder mit dem Bus. Bei der Fahrt sitzt er vorne, und erkennt ein näher kommendes Licht, das er für einen Engel hält. Es sind jedoch die Lichter von entgegenkommenden LKWs während eines Überholvorgangs. Bei dem Zusammenprall des Busses mit dem LKW erleidet 
Osman tödliche Verletzungen.



Das Bild mit dem Stadtteil Beyoğlu basiert auf dem Bild "Beyoglu amb el Bòsfor al fons.JPG" (Autor: Josep Renalias, Creative Commons Attribution 3.0 Unported-Lizenz) der freien Enzyklopädie Wikimedia, das Bild vom Taksim Platz beruht auf dem Wikimedia-Bild "Taksim Square.jpg" (Autor: Bertil Videt, Creative Commons Attribution ShareAlike 2.5-Lizenz).