Orhan Pamuk: Rot ist mein Name - Inhalt

Istanbul im Jahr 1591 der westlichen Zeitrechnung. Der Buchmaler Fein Efendi ist ermordet und auf den Grund eines Brunnens geworfen worden. Kara, ein anderer Buchmaler, der zwölf Jahre als Reisender im Dienste des Paschahs vor allem in Persien unterwegs war, ist zurückgekehrt. Nach wie vor ist Kara in 
Şeküre verliebt, die Tochter seines Vorgesetzten in der Buchmalerwerkstatt, der nur als "Oheim (=Onkel) Efendi" bezeichnet wird. Doch Şeküre ist inzwischen verheiratet und hat zwei Söhne, ihr Gatte wird jedoch nach dem Krieg mit den Safawiden vermisst. Şeküre ist die Tochter von Karas Tante.
Begriffserläuterungen



Der Sultan hat die Buchmaler beauftragt, ein Buch zu illustrieren, das der Doge von Venedig als Geschenk des Sultans aus Anlass der Tausendjahrfeier nach der islamischen Zeitrechnung erhalten soll. Diese fängt mit der Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina
(Hedschra) im Jahr 622 nach Beginn unserer Zeitrechnung an. (Der erste Tag des ersten Monats des islamischen Jahres 1000 würde dem 15.10.1591 unserer Zeitrechnung entsprechen, vgl. http://www.oriold.uzh.ch/static/hegira.html).

Es ist auch die Zeit, in der sich traditionelle islamistische Kräfte gegen westliche Einflüsse wenden. So wird vom Nusret Hodscha von Erzurum berichtet, der mit seinen Anhängern eine fundamentalistisch ausgerichtete Linie des Islams vertritt. Der Sultan hatte in Venedig ein Bildporträt des Dogen gesehen und wünscht, genauso abgebildet zu werden. Hingegen fürchtet Feins Mörder, dessen Identität zunächst unklar bleibt, dass die neue Maltechnik Ketzerei sein könnte und eine Provokation des Hodschas hervorrufen könnte, die sich gegen die Buchmaler selbst richtet. Um dies zu verhindern, so sinniert der Täter, sei die Tat gedacht.

Nach seiner Rückkehr umwirbt Kara Şeküre erneut, wobei als Mittlerin die jüdische Hausiererin Ester fungiert. Doch Şeküre sieht sich inzwischen den Annäherungsversuchen des Bruders Hasan ihres verschollenen Mannes ausgesetzt, die sie zurückweist. Ebenso ist Şeküre zunächst ablehnend gegenüber Karas Annäherungsversuchen, doch später will sie mit ihm eine neue Beziehung eingehen, wobei die noch bestehende Ehe im Wege steht.

Bild oben: Die Mihrimah-Sultan-Moschee (Mihrimah Sultan Camii) im Istanbuler Stadtteil Edirnekapı
, wo in "Rot ist mein Name" das Trauergebet für Fein Efendi stattfindet

Dem Altmeister Osman wird beim Begräbnis des getöteten Fein Efendi bewusst, dass der Täter aus dem Kreis der Buchmaler kommen muss.

Schließlich besucht der noch immer unbekannte Täter den Oheim Efendi und versucht seine Tat zu rechtfertigen. Nach der Vorstellung des Oheims soll das Buch unbedingt vollendet werden. Vor kurzem war der Oheim selbst in Venedig und von den neuen Maltechniken begeistert. Fein Efendis Mörder bringt auch den Oheim Efendi um, wobei er zweimal mit einem Tintenfässchen auf das Opfer wirft, und stiehlt das letzte für das Buch vorgesehene Bild. Eigentlich würde nach dem Tod ihres Vaters die Familie ihres Ehemannes 
Şeküres Vormund werden. Doch Şeküre verabredet mit Kara, das sie sich von einem Kadi scheiden lässt, weil ihr Ehemann außerstande ist, sich um sie zu kümmern. Anschließend soll ein anderer Imam Kara und Şeküre trauen, was dann auch plangemäß geschieht. Nach der Heirat verkündet Şeküre den angeblich plötzlichen Tod ihres Vaters. Doch die Spuren des gewaltsamen Todes bleiben dem Leichenwäscher nicht verborgen, der die Nachricht von der Ermordung des Oheims verbreitet.

Kara wird von der Garde zum Saray gebracht. Der Altmeister Osman will das Verbrechen aufklären. Unter Anwendung der Folter (Schraubstock) versucht man, von Kara den Namen des Täters zu erfahren. Schließlich lässt man hiervon ab, verlangt aber von Kara, dass, wenn er es nicht weiß, dann aber doch die Person des Mörders und die fehlende Buchseite findet. Da der Täter bei der Ermordung Fein Efendi offenbar ein Bild mit einer Pferdeskizze zurückgelassen hat, versucht man durch einen Vergleich mit den von den anderen Buchmalern Schmetterling, Storch und Olive angefertigten Bildern den Täter zu ermitteln. Auffallend an der fraglichen Skizze sind die großen Nüstern des Pferdes. Kara zeigt man die Schatzkammer, um dort nach einem Bild im Stil dieser Skizze zu suchen. Als der Altmeister Osman erfährt, dass der Padischah ein Bild von sich im Stil der Ungläubigen anfertigen lassen will, sticht sich Osman mit einer Nadel ins Auge.


Bild oben: Blick auf den den Topkapi-Palast (Saray) in Istanbul vom Bosporus aus

In der Zwischenzeit ist 
Şeküre zu Hasan gezogen. Ester und Kara erscheinen dort, und nachdem Hasans Vater erklärt, Şeküre sei nicht zum Umzug gezwungen worden, geht sie mit Kara heim. Unterwegs erleben sie einen Überfall, der aber nicht ihnen gilt, sondern einem Kaffeehaus, welches von radikalen Anhängern des Erzurumer Hodschas verwüstet wird und dabei u.a. ein Meddah den Tod findet. Grund für diese Gewalttat ist, dass nach Auffassung dieser Extremisten das Kaffeetrinken unislamisch sei.

Kara sucht den "Storch" genannten Buchmaler Mustafa Çelebi (Musavvir Mustafa
) auf, setzt ihm den Dolch an die Kehle und verlangt, den Mord zu gestehen. Jedoch bleibt der so Bedrohte standhaft, holt sein Schwert und kann Kara von seiner Unschuld überzeugen. Beide gehen dann zum Buchmaler "Schmetterling", mit richtigem Namen Hasan Çelebi, wo sich das Spiel wiederholt. Auch dieser beteuert glaubhaft seine Unschuld, so dass jetzt drei Buchmaler ihren "Olive" genannten Kollegen im Derwischkonvent aufsuchen, der richtig "Velican" heißt. Die Drei fallen über ihn her, Kara droht ihn zu blenden, in dem er mit der Nadel, mit der sich schon Osman verstümmelt hat, in Olives Auge drückt. In einer Rangelei wird Olives Auge mit der Nadel verletzt. Dieser gesteht die Verbrechen, zeigt das letzte noch fehlende Bild und gibt zur Verteidigung an, er habe so gehandelt, damit in der Buchmalerwerkstatt alles beim Alten bleibe. Olive ergreift Karas Dolch, verletzt Kara an der Nase und zielt später auf Karas Hals, trifft aber die Schulter. Olive kann entkommen und geht zum Hafen, um mit einem Schiff nach Indien zu fahren. Unterwegs trifft er auf Hasan, der ihn für einen von Karas Leuten hält und sein Schwert erhebt und auf Olive zielt, dem der Kopf abgeschlagen wird. Hasan flüchtet und wurde nicht mehr gesehen, während Kara sich erholen kann und 26 Jahre lang mit Şeküre zusammen lebt. Die letzte Seite für das Buchgeschenk wird nicht gefunden, die bereits fertig gestellten kommen in die Schatzkammer.

Begriffserklärungen
BuchmalereiVerzierung von Handschriften und Büchern mit Bildern
DerwischAngehöriger einer muslimischen Religionsgemeinschaft, asketisch
Efendifrühere Anrede in der Türkei (auch Effendi)
Hodschaislamischer Gelehrter
ImamVorprediger in einer Moschee
Kadiislamischer Rechtsgelehrter
MeddahGeschichtenerzähler, insbesondere in türkischen Kaffeehäusern
PadischahHerrschertitel für Sultan, eigentlich Paşa (Pascha), abgeleitet aus dem persischen Padischah
Safawidenpersisches Herrschergeschlecht von 1501 bis 1722
SarayHerrscherpalast des Sultans, bis 1856 war dies der Topkapı Sarayı (Topkapi Palast)
SultanHerrschertitel im Osmanischen Reich



Das Bild mit dem Sonnenuntergang über Istanbul beruht auf dem Bild "Golden_Horn_Istanbul.JPG" (Autor: Bertil Videt,
GNU-Lizenz für freie Dokumentation) des Dateiarchivs Wikimedia, das Bild mit der Mihrimah-Moschee basiert auf dem Wikimedia-Bild "Istanbul - Mesquita de Mihrimah.JPG" (Autor: Josep Renalias, Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0 Unported-Lizenz), Bild Topkapi-Palast: Public Domain/gemeinfrei.