Orhan
Pamuk: Rot ist mein Name -
Stil"Rot
ist mein Name" ist in 59
relativ kurze Kapitel gegliedert, in denen jeweils ein
Erzähler in Ich-Form das Geschehen aus seiner Sicht schildert
(polyperspektivischer Erzählstil). Es
kommen nicht nur lebende, in das Handlungsgeschehen eingebaute Personen
zu Wort, sondern auch Tote, etwa gleich im ersten Kapitel der ermordete
Fein Efendi oder später der von Hasan mit dem Schwert
erschlagene
Olive, sowie Gegenstände wie ein Pferd oder eine
Münze,
selbst die Farbe Rot und der Satan können
in Pamuks Werk
sprechen. In vielen Werken Pamuks finden sich derartige
phantastisch-mystische Elemente. Insgesamt gibt es 21
unterschiedliche Erzähler, die von Kapitel zu Kapitel
wechseln, was die Lesbarkeit schon etwas
beeinträchtigt. Vielleicht ist dies vom Autor bewusst
gewählt, um die Spannung zu steigern, doch mag mancher Leser
enttäuscht sein, wie sich der Kriminalfall dann mittels
Gewaltanwendung aufklärt.
Gespickt
ist das Werk mit detaillierten Schilderungen des Lebens zu jener Zeit
und mit Verweisen auf historische epische Werke des Nahen und Mittleren
Ostens, so
dass man schon besonders stark an der Orientalistik interessiert sein
muss, um das Werk voll genießen zu können.
Insgesamt ist mein
Eindruck, dass dieser Roman vermeidbare Längen und
Wiederholungen
aufweist. Beispiele für im Roman zitierte Werke: "Kitab
al-Ruh"
des islamischen Theologen und Korankommentators Ibn al-Qayyim
(1292-1350) oder das Liebesepos "Chosrau und Schirin" (auf
Türkisch "Hüsrev
ü Şirin") des persischen Dichters Nezāmī
(ca. 1141-1205 oder 1209).
Das Werk ist deshalb
mehr als ein Kriminalroman, es ist zugleich ein historischer Roman und
ein Liebesroman.
Symbolik
des Namens: Die Farbe "Rot" ist das Symbol des Romans, es ist die Farbe
der Tinte der Illustratoren, zugleich die Farbe des Blutes, das in
diesem Roman mehrmals von Ermordeten vergossen wird, und es ist die
Farbe der Liebe, hier zwischen Kara und Şeküre.
Wie
in anderen Werken findet sich auch in diesem Roman Pamuks eine
Reflexion über Literatur. Während es in "Schnee" die
nicht
vollständigen Gedichte Kas sind und in "Das neue Leben" die
magische persönlichkeitsverändernde Wirkung eines
Buches
sind, ist es in "Rot ist mein Leben" die Buchmalerei, einem Nebengebiet
der Literatur.

