Orhan Pamuk: Schnee -
Inhalt

Der Dichter Kerim Alakuşoğlu, abgekürzt Ka, 42 Jahre alt, unverheiratet, kommt nach 12 Jahren als Asylant aus Deutschland nach Istanbul zurück. Grund ist die Beerdigung seiner Mutter. Für eine linksgerichtete Zeitung fährt Ka nach Kars, eine Provinzstadt im äußersten Osten der Türkei, nur 45 km von der Grenze zu Armenien entfernt. Er soll eine merkwürdige Häufung von Selbstmordfällen recherchieren, die sich in der Stadt zugetragen hat und offensichtlich im Zusammenhang steht mit dem Verbot für Frauen, an der Pädagogischen Hochschule Kopftücher zu tragen. Außerdem finden bald Lokalwahlen statt, der Bürgermeister war erschossen worden. In der zu etwa 40 % von Kurden bewohnten Stadt ist die Präsenz von PKK-Guerillas spürbar, aber man spricht nicht darüber.

Am nächsten Tag führt Ka Gespräche mit verschiedenen Leuten wegen der Vorfälle. In einem Café trifft er seine frühere Kommilitonin İpek, die er aus Studienzeiten aus Istanbul kennt und die nun mit ihrem Vater Turgut Bey, dem das von Ka bewohnte Hotel gehört, und ihrer kopftuchtragenden Schwester Kadife in Kars lebt. Im Café werden sie Zeugen der Tötung des Direktors der Pädagogischen Hochschule, der von einem Islamisten erschossen wird. Der Direktor hatte ein Verbot des Kopftuchtragens für Studentinnen durchgesetzt. Anstatt zur Polizei, gehen die beiden zunächst zu Muhtar, 
İpeks Ex-Ehemann, der nun Mitglied der islamisch orientierten Wohlfahrtspartei ist, der dann aber doch zur Verständigung der Polizei rät. Ka und Muhtar bringt man zur Polizei, die Muhtar schlecht, Ka hingegen respektvoll behandelt. Später wird Ka von Necip, einem Schüler der Vorbeter- und Predigerschule, angesprochen, der ihn zu einem Lapislazuli genannten Islamisten bringt. Der bittet ihn, nicht über die Selbstmorde zu schreiben. Außerdem besucht Ka den Scheich Sadettin Cevher.

Inzwischen hat der starke Schneefall dafür gesorgt, dass die Verkehrsverbindungen nach Kars unterbrochen sind und die Stadt von der Außenwelt nicht mehr erreichbar ist.


Bild oben: Zitadelle von Kars


Nach dem Abendessen bei Turgut Bey besucht man eine Vorstellung im Volkstheater, wo eine Schauspieltruppe um Sunay Zaim gastiert. Fernsehzuschauer können das Spektakel live über das lokale Grenzstadt-TV verfolgen. Man führt das Stück "Vaterland oder Turban" auf, in dem gezeigt wird, wie eine Frau, die ihren Kopf nicht bedecken will, nur durch den Einsatz des Militärs vor islamistischen Fundamentalisten gerettet werden kann. Im Publikum anwesende islamische Fundalisten fühlen sich dadurch provoziert. Doch zum Schluss der Aufführung werden keine Platzpatronen verwendet, sondern es wird scharf geschossen. Einige Zuseher kommen zu Tode oder werden verletzt. Die Putschisten um Sunay und Z. Eisenarm reißen die Macht an sich. Sie berufen sich auf Atatürk und wollen die islamistischen Kräfte zurückdrängen. Telefonverbindungen sind gekappt, das lokale Fernsehen, das Büro einer kurdischen Partei und die Predigerschule besetzt.

Der Nationale Nachrichtendienst arbeitet mit den Putschisten zusammen und kontrolliert die Polizei. Gegner der Putschisten werden festgenommen. Am nächsten Tag holt man Ka zum Polizeipräsidium, wo er unter den Gefangenen den Mörder des Direktors identifizieren soll, den Täter aber nicht findet. Aber Ka, der fortan beschattet wird, entdeckt die Leiche Necips. Sunay wendet sich in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung. Zurück im Hotel trifft er İpek, in die er sich verliebt hat. In der städtischen Bibliothek trifft er Fazıl von der Predigerschule. Die mit einer Pistole bewaffnete Kadife bringt Ka zu Lapislazuli, der die Tötung von vielen Menschen durch die Putschisten beklagt und Ka eine Erklärung zur Veröffentlichung in einer westlichen Zeitung übergibt. Als Turgut Bey nicht im Haus ist, können sich İpek und Ka endlich lieben. Es kommt zu einem Geheimtreffen bei Lapislazuli ohne Ka, man diskutiert über eine Erklärung für die Medien. Fazıl will nicht, dass Kadife ihr Haupt entblößt. Der Verleger der lokalen Zeitung Serder Bey, der Ka anfänglich aufgeschlossen war, hat einen kritischen Artikel über Ka verfasst. Nach Protest verspricht Serder, den Artikel umzuschreiben.


Bild oben: In Kars, Gebäude aus der russischen Zeit


Das Ende der Handlung ist in Frankfurt

I
n der dritten Nacht trifft sich Ka wieder mit 
İpek. Lapislazuli ist gefasst worden. Am nächsten Abend will Sunay ein Stück aufführen, in dem Kadife ihr Haar entblößt, als Gegenleistung soll Lapislazuli freigelassen werden. Kadife fragt Ka misstrauisch nach Lapislazuli und übergibt Ka Sachen, die er Lapislazuli geben soll. Nachdem die Sicherheitskräfte ein Abhörgerät bei Ka mit dessen Kenntnis installiert haben, besucht Ka Lapislazuli in seiner Zelle. Ka macht den Vorschlag, dass Kadife unter dem Kopftuch eine Perücke trägt, um nicht gegen die Gebote des Korans zu verstoßen und mit diesem Trick Lapislazuli freizubekommen. Dies wird schriftlich festgehalten.

Sunay diktiert dem Verleger Serder Bey den Text für einen Zeitungsartikel, in dem zu lesen ist, dass Sunay während der noch am Abend stattfindenden Theateraufführung von Kadife erschossen worden sei. Das Wetter bessert sich, die Straßen sind allmählich wieder befahrbar. Lapislazuli entlässt man. Z. Eisenarm und Kumpane holen Ka aus dem Auto und fragen ihn nach Lapislazulis Aufenthaltsort, dabei schlägt man ihn. İpek
beichtet Ka ein Verhältnis mit Lapislazuli, will jetzt aber wieder mit Ka nach Frankfurt. Ka wird zum Bahnhof gebracht und in den Zug gesetzt. Dabei sieht er schon die Zeitungsausgabe vom folgenden Tag mit der Schlagzeile über die Tötung Sunays auf der Bühne.

Nach Beginn der Theateraufführung erscheint Fazıl und meldet, dass Lapislazuli und die islamisch-traditionelle Hande erschossen worden sind. Deren Wohnung wurde gestürmt, die genaue Todesursache der beiden kann später nicht ermittelt werden. Auf der Bühne kommt es dann zum Dialog zwischen Sunay und Kadife. Die Pistole ist - so Sunay - nicht geladen, doch Kadife schießt viermal scharf auf Sunay, der den tödlichen Verletzungen erliegt.

Endlich erreichen Militäreinheiten die Stadt und können die Putschisten absetzen. Kadife wird wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, kommt nach 20 Monaten frei und heiratet Fazıl. Der Schütze aus dem Café wird ermittelt und für unzurechnungsfähig erklärt, nach drei Jahren darf er die Klinik verlassen.

Ka wird vier Jahre später in Frankfurt erschossen. Der Ich-Erzähler des Romans, Orkan Bey, versucht die letzten Jahre Kas in Frankfurt zu rekonstruieren, wo er zurückgezogen als Dichter lebte und nicht mehr das Glück finden konnte, das ihm İpek vermittelt hatte. Während seines Aufenthalts in Kars hat Ka Gedichte geschrieben, beginnend mit dem Gedicht "Schnee"; ein grünes Heft mit Aufzeichnungen ist aber nicht mehr auffindbar.



Das obere Farbbild basiert auf dem Bild Kars kalesi, das mittlere Farbbild auf dem Bild Kars russian architecture (Autor: Christian Koehn) und das Bild mit Frankfurt auf dem Bild Skyline-1.jpg (Autor: Gizmo23) des Dateiarchivs Wikimedia; die Bilder stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.

Hinweis für Besucher, die Javascript deaktiviert haben: Diese Seite ist Teil eines Framesets. Klicken Sie hier, um zum Frameset zu gelangen.