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Vierzig Parteien auf dem Stimmzettel

Europawahl 2019

Viele Vorschriften der Europäischen Union prägen das tägliche Leben
Näheres:

Aufgaben und Funktionen des Europäischen Parlaments

Die Parteien im Europäischen Parlament

Wie geht es nach der Wahl weiter?


Wie wird gewählt?

Die Sitzkontingente der einzelnen EU-Länder

Das deutsche Ergebnis der Europawahl 2019

Die Wahlbeteiligung bei den Europawahlen 1979-2019

Übersicht: Die Organe der Europäischen Union

Zeittafel: Die Entwicklung der Europäischen Union

Video mit Erläuterungen zur Europawahl
Auch interessant:

Bundestagswahl 2017

Europäischer Fiskalpakt

Europäischer Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus (pdf)

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Wichtige Rechtsvorschriften für die Tätigkeit des Europäischen Parlaments:
Vertrag über die Europäische Union (EUV)
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Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV)
hier
Direktwahlakt der EU (pdf-Format)
hier
Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments
hier
Europawahlgesetz (EuWG)
hier
Europawahlordnung (EuWO) hier

Zum neunten Mal waren die Bürgerinnen und Bürger der Mitgliedsländer der Europäischen Union aufgerufen, zwischen dem 23. und dem 26. Mai 2019 das Europäische Parlament zu wählen. Doch vielen Wahlberechtigten gilt die Politik der Europäischen Union als schwer verständlich und undurchschaubar. Bei vielen hält sich auch das Vorurteil, das Europäische Parlament habe kaum etwas zu entscheiden. Doch dabei verkennt man, dass viele im alltäglichen Leben bedeutende Regelungen auf europäischer Ebene verabschiedet werden.

In Deutschland mussten CDU und vor allem die SPD deutliche Verluste hinnehmen. Außerdem erreichen die europäischen Parteienbündnisse, denen beide Parteien auf euro­pä­ischer Ebene angehören, im neu gewählten Europaparlament keine absolute Mehrheit. Die Grünen verdoppelten beinahe ihr Ergebnis und zogen als neue zweitstärkste Partei an der SPD  vorbei. AfD und FDP konnten Gewinne verbuchen, während die Linke Verluste hinnehmen musste. Neben den auch im Bundestag vertretenen Parteien gewannen sieben kleinere Parteien aufgrund der fehlenden Fünf-Prozent-Hürde insgesamt neun der 96 deutschen Mandate.

Gewinne und Verluste der Parteien bei der Europawahl 2019
(Quelle der Daten: Pressemitteilung des Bundes­wahl­lei­ters Nr. 35/19 vom 27.05.2019)

Die Geschichte der Wahlen zum Europäischen Parlament war bis 2014 eine Geschichte des zunehmenden Desinteresses an der europäischen Politik. Beteiligten sich bei der ersten Direktwahl der Abgeordneten des Parlaments im Jahr 1979 noch mehr als 60 Prozent der Wahlberechtigten in der Europäischen Union, ist die Wahlbeteiligung auf europäischer Ebene in den nachfolgenden, alle fünf Jahre stattfinden Wahlen bis 2014 kontinuierlich gesunken. Bei der Wahl 2014 betrug die Wahlbeteiligung europaweit 42,61%. Für 2019 wird europaweit eine Wahlbeteiligung von fast 51% gemeldet. Am 26. Mai 2019 gaben in Deutschland 61,4% der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, 2014 waren es nur 48,1%. Damit erhöhte sich in Deutschland zum vierten Mal bei einer Europawahl die Wahlbeteiligung im Vergleich zur vorherigen Wahl, wenngleich die Werte deutlich unter denen bei Bundestagswahlen liegen. (Quelle: Pressemitteilung des Bundeswahlleiters Nr. 35/19 vom 27.05.2019 und Website des Europäischen Parlaments).

Es gibt eine beträchtliche Anzahl von Verordnungen der Europäischen Union, die in den Mitgliedstaaten unmittelbar gelten. Weiterhin gibt es Richtlinien der Europäischen Union, die von den  nationalen Parlamenten umgesetzt werden müssen, wobei die Mit­glied­staaten aber einen gewissen Gestaltungsspielraum haben. Sowohl Verordnungen als auch Richtlinien der Europäischen Union können nicht ohne Zustimmung des Europäischen Parlaments zustande kommen.

Weiterhin bedarf der Haushalt der Europäischen Union der Zustim­mung des Europäischen Parlaments.

Eine seiner weiteren Aufgaben ist die Wahl des Präsidenten der Europäischen Kommission auf Vorschlag des Europäischen Rates. Die Europäische Kommission kann als eine Art „Regierung der Eu­ro­pä­ischen Union“ bezeichnet werden, die Amtszeit beträgt fünf Jahre. Der Europäische Rat wiederum besteht aus den Regierungs- bzw. Staatschefs der Europäischen Union (sowie dem Präsidenten der Europäischen Kommission und dem Präsidenten des Europäischen Rates), die Zusammenkünfte dieses Organs werden als EU-Gipfel bezeichnet (Wenn nur die einzelnen Fachminister der EU-Staaten zusammentreffen, nicht aber die Regierungschefs, spricht man nur vom „Rat“). Die gesamte Eu­ro­pä­ische Kommission (bestehend aus dem Präsidenten, dem Hohen Vertreter der Union für die Außen- und Sicherheitspolitik und den Kommissaren der Kommission) muss sich vor ihrer Ernennung einem Zustim­mungs­votum des Eu­ro­pä­ischen Parlaments stellen.

In Deutschland und den meisten anderen EU-Staaten fand die Wahl am Sonntag, den 26. Mai 2019 statt. Da man in einigen anderen EU-Staaten üb­li­cher­wei­se nie an einem Sonntag wählen geht, gibt es europaweit keinen ein­heit­lichen Wahltag, so wählt man etwa im Vereinigten Königreich  stets an einem Donnerstag und in Tschechien an einem Freitag und Samstag.

Das Europäische Parlament besteht nach der Wahl 2019 aus 751 Abgeordneten, davon kommen 96 aus Deutschland. Alle fünf Jahre werden die Abgeordneten des Parlaments in allgemeinen, unmittelbaren, freien und geheimen Wahlen bestimmt. Solange Großbritannien und Nordirland noch Mitglied der Europäischen Union ist, wird sich hieran nichts ändern. Die Teilnahme dieses Landes ist ein Kuriosum, da es eigentlich schon am 29. März 2019 die Europäische Union verlassen haben sollte und derzeit nicht absehbar ist, wann der Austritt tatsächlich vollzogen wird.

Seinen Sitz hat das Europäische Parlament in Straßburg, Aus­schuss­sit­zungen sowie einige Ple­nar­sit­zungen finden jedoch in Brüssel statt.

Die wichtigsten Rechtsgrundlagen für die Tätigkeit des Europäischen Parlaments sind der Vertrag über die Europäische Union in der Fas­sung des Vertrages von Lissabon (EUV) und der Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV).
Stimmenanteile der Parteien
Sitzverteilung der deutschen Mandate im Europaparlament
(Quelle der Daten: Pressemitteilung des Bundes­wahl­lei­ters Nr. 35/19 vom 27.05.2019)

Kurzgefasst:

Europawahl 2019
  • In den 28 Mitgliedstaaten der EU wurden vom 23. bis 26. Mai 2019 die Abgeordneten des Europäischen Par­la­ments, der „Bürger­kam­mer“ der Europäischen Union, gewählt.

  • Deutschland entsendet 96 der 751 Abgeordneten.

  • In der gesamten EU  werden die Sitze nach dem Prinzip der Verhältniswahl vergeben.

  • Die Wahlbeteiligung bei den Wahlen zum Eu­ro­pä­ischen Parlament sank seit der ersten Direktwahl 1979 im europäischen Gesamt­er­geb­nis kontinuierlich bis 2014. Bei der Wahl 2019 erhöhte sich die Wahlbeteiligung von 42,6% auf 50,8%.

  • Viele Vorschriften der Europäischen Union prägen das tägliche Leben, diese Vorschriften (Richtlinien und Ver­ord­nun­gen) können nur mit Zustimmung des Europäischen Parlaments wirksam werden.

  • Das Europäische Parlament wählt den Präsidenten der EU-Kommission.

  • In Deutschland gilt seit der Europawahl 2014 kein Mindestquorum für einen Parlamentssitz (keine Drei- oder Fünf-Prozent-Hürde).

  • In der gesamten EU waren ca. 418 Millionen Menschen wahl­be­rech­tigt.

  • In Deutschland erlitten CDU und vor allem die SPD deutliche Verluste. Zusammen erreichten Union und SPD nicht die absolute Mehrheit. Die Grünen wurden erstmals bei einer deutschland­wei­ten Wahl zweitstärkste Kraft.

  • Neben den auch im Bundestag vertretenen Parteien gelang sieben deutschen Kleinstparteien der Einzug ins Europäische Parlament.



Themen, mit denen sich die Europäische Union in der Vergangenheit beschäftigt hat, waren unter anderem der Krümmungsgrad von Gurken oder die Verwendung von traditionellen Glühbirnen. So regelte von 1989 bis 2009 eine Verordnung der EU (1677/88), dass eine Gurke einer bestimmten Handelsklasse nur eine bestimmte Krümmung bei einer bestimmten Maximallänge aufweisen durfte. Ebenso geht das Verbot von Glühbirnen wegen eines höheren Stromverbrauchs auf die Europäische Union zurück.


Doch es gibt auch viele sinnvolle Regelungen der EU. So schreibt zum Beispiel eine Richtlinie der EU vor, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in der EU ein gesetzlicher bezahlter Mindesturlaub von vier Wochen zusteht (Arbeitszeitrichtlinie 2003/88/EG).



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Bei der Europawahl 2019 waren in der gesamten Europäischen Union rund 418 Millionen Unionsbürgerinnen und Unionsbürger wahlberechtigt. In Belgien, Bulgarien, Griechenland,
Luxemburg und Zypern besteht Wahlpflicht. In den meisten Ländern ist man ab 18 Jahren wahlberechtigt. In Griechenland darf man schon mit 17 Jahren an die Urne schreiten, in Malta und Österreich sogar mit 16 Jahren. Die letzten Wahllokale schließen am 26. Mai 2019 um 23.00 Uhr deutscher Zeit in Italien. Erst ab diesem Zeitpunkt dürfen die vorläufigen amtlichen Wahl­er­geb­nisse bekanntgegeben werden. (Quelle: Pressemitteilungen des Bundeswahlleiters Nr. 29/19 vom 23.05.2019).

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Was ist das Europäische Parlament, welche Aufgaben und Funktionen hat es?

Im Gefüge der Europäischen Union ist das Europäische Parlament die „Bürgerkammer“. Es ist die von den Bürgerinnen und Bürgern in den einzelnen Mitgliedstaaten gewählte Volksvertretung. Der Schwerpunkt der Tätigkeit des Parlaments ist die Mitwirkung bei der Rechtsetzung, also bei der Schaffung von Rechtsvorschriften. Anders als ein nationales Parlament (wie der Bundestag) kann es aber nicht selbst die Initiative ergreifen, eine bestimmte Rechtsvorschrift zu erlassen. Eine weitere Aufgabe ist die Kontrolle der Europäischen Kommission, die ein Teil der vollziehenden Gewalt der EU ist.

Vorläufer des Europäischen Parlaments war die Gemeinsame Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, wiederum ein Vorläufer der Europäischen Gemeinschaft. Mit der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) durch die Römischen Verträge 1957 wurde die Versammlung für die neue Gemeinschaft zuständig. Vor der ersten Direktwahl 1979 wurden die Abgeordneten jedoch nicht von den Bürgern in Wahlen gewählt, sondern von den nationalen Parlamenten.

Einzelne Aufgaben:
  • Verabschiedung von Rechtsnormen (Verordnungen, Richtlinien der EU). Im Gegensatz zu den nationalen Parlamenten (in Deutschland dem Bundestag) kann das EU-Parlament nicht selbst aus seiner Mitte Vorschläge für Gesetze erstellen und darüber abstimmen. Vielmehr unterbreitet die EU-Kommission dem EU-Parlament einen Vorschlag. Im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren legt das EU-Parlament in der ersten Lesung des Vorhabens seinen Standpunkt fest und übermittelt ihn dem Rat. Wenn der Rat den Standpunkt des Parlaments billigt, ist der betreffende Rechtsakt in dieser Fassung erlassen. Wenn der Rat den Standpunkt nicht billigt, legt der Rat seinen Standpunktfest und übermittelt ihn dem Europäischen Parlament. Das Parlament hat nun die Möglichkeit, den durch den Rat geänderten Rechtsakt anzunehmen, so dass dieser als erlassen gilt, oder ihn abzulehnen oder ein Abänderung vorzunehmen. Bei einer Ablehnung gilt der Rechtsakt als nicht erlassen, bei einer Abänderung wird diese dem Rat und der Kommission zugeleitet. Der Rechtsakt gilt dann als angenommen, wenn der Rat die Abänderung mit qualifizierter Mehrheit annimmt, anderenfalls beginnt ein Vermittlungsverfahren in einem Vermittlungsausschuss. Wenn dort innerhalb von sechs Monaten nach seiner Einberufung kein gemeinsamer Entwurf gefunden wird, gilt der vorgeschlagene Rechtsakt als nicht erlassen. Wenn ein Vermittlungsvorschlag gefunden wird, gilt der Rechtsakt als erlassen, wenn das Europäische Parlament mit einfacher Mehrheit und der Rat mit qualifizierter Mehrheit zustimmen (Art. 294 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union, abgekürzt AEUV). Häufig gibt es informelle Treffen der verschiedenen Akteure, um außerhalb der gesetzlichen Fristen und Formen einen Kompromiss zu finden.

  • Indirektes Initiativrecht: Konkrete Gesetzesvorschläge darf das Europäische Parlament nicht selbst initiieren und darüber beschließen. Wohl aber darf das EU-Parlament die Kommission auffordern, geeignete Vorschläge zu Fragen zu unterbreiten, die die Ausarbeitung eines Aktes der Europäischen Union erfordern (Art. 225 225 AEUV). Europäisches Bürgerbegehren: Nicht nur das EU-Parlament kann indirekt eine gesetzgeberische Tätigkeit der EU-Kommission auslösen, auch von den Unionsbürgerinnen und Unionsbürgern kann direkt ein solches Ansinnen an die Kommission gerichtet werden. Zur Annahme eines Begehrens ist erforderlich, dass mindestens eine Million Unionsbürger bzw. -bürgerinnen aus einer erheblichen Anzahl von Mitgliedstaaten die Initiative ergreifen und die Kommission auffordern, im Rahmen ihrer Befugnisse geeignete Vorschläge zu machen, zu denen nach Auffassung der Initiatoren ein Rechtsakt der EU erforderlich ist (Art. 11 Absätze 4 und 5 EUV, Art. 24 AEUV).

  • Entscheidung über den Haushalt der Europäischen Union. Die Kommission übermittelt dem EU-Parlament und dem Rat einen Haushaltsentwurf. Wenn das Parlament den Standpunkt des Rates zum Haushalt billigt oder keinen Beschluss fasst, gilt der Haushaltsplan als erlassen. Wie bei Gesetzesinitiativen hat das Parlament die Möglichkeit, Abänderungen vorzuschlagen. Wenn dies geschieht, schließt sich ein Verfahren mit gegenseitigen Konsultationen und Abstimmungen an. Findet man keinen Kompromiss, wird der Vermittlungsausschuss tätig.(Geregelt in Art. 314 AEUV).

  • Wahl des Präsidenten der Kommission der EU. Der Europäische Rat unterbreitet hierzu dem Parlament einen Vorschlag. Dagegen kann das Parlament nicht die weiteren Mitglieder der EU-Kommission wählen. Vielmehr erstellt der gewählte Präsident der EU-Kommission eine Liste der Kommissare, die dann vom Rat aufgrund der Vorschläge der Mitgliedstaaten angenommen wird. Allerdings müssen sich die Mitglieder der EU-Kommission einschließlich des Präsidenten und des Hohen Vertreters der Union für Außen- und Sicherheitspolitik einem Zustimmungsvotum des Europäischen Parlaments stellen. Erst nach diesem werden die Mitglieder der Kommission vom Europäischen Rat ernannt. Das Parlament kann die Kommission nur als Ganzes bestätigen oder ablehnen. Misstrauensvotum gegen EU-Kommission: Das Europäische Parlament kann die EU-Kommission durch einen Misstrauensantrag stürzen. Ein entsprechender Antrag muss von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen und mit der Mehrheit der Mitglieder des Europäischen Parlaments unterstützt werden. Die Folge wäre, dass dann eine neue Kommission gewählt bzw. ernannt werden müsste (Art. 234 AEUV).

  • Kontrollfunktion. Das Europäische Parlament kann Anfragen an die Europäische Kommission stellen. Der Europäische Rat und der Rat werden vom Parlament gehört. Das Europäische Parlament kann auch einen Unter­su­chungs­aus­schuss einrichten. Ein entsprechender Antrag müsste von mindestens einem Viertel der Abgeordneten getragen werden. Aufgabe eines Untersuchungsausschusses ist es, behauptete Verstöße gegen das Unionsrecht oder Missstände bei der Anwendung desselben zu prüfen.

  • Bei der Ernennung der Mitglieder des Direktoriums der Europäischen Zentralbank ist das Parlament zu hören, hat aber nicht die letztendliche Entscheidungsbefugnis (Art. 283 AEUV).

  • Behandlung von Petitionen: Jede Unions­bür­gerin und jeder Unionsbürger sowie jede juristische Person mit Sitz in einem Mitgliedstaat dürfen in Angelegenheiten, die in die Tätigkeitsbereiche der EU fallen und die ihn oder sie unmittelbar betreffen, eine Petition an das Europäische Parlament richten. Das Europäische Parlament setzt einen Bürgerbeauftragten ein, der Beschwerden von Unionsbürgerinnen oder Unionsbürgern oder juristischen Personen entgegennimmt, soweit die Tätigkeit der Organe, Einrichtungen oder sonstigen Stellen der Union mit Ausnahme des Gerichtshofs betroffen ist.

  • Mitwirkung bei der Änderung der Gründungsverträge der EU. Hierzu kann das Europäische Parlament auch eigene Vorschläge unterbreiten. (Näheres: Art. 48 EUV).

  • Mitsprache bei der Aufnahme weiterer Länder in die Europäische Union (Art. 49 EUV).

  • Dagegen hat das Europäische Parlament keine Mitbestimmungsbefugnis bei der Auswahl der Richter des Europäischen Gerichtshofs.

Die Parteien im Europäischen Parlament

Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments unterschiedlicher Nationalität sind in verschiedenen Fraktionen organisiert. Die Fraktionen entsprechen in etwa den europäischen Parteien, das sind Zusammenschlüsse von gleichgesinnten Parteien aus den verschiedenen EU-Ländern auf EU-Ebene. Die größte Fraktion im 2014 neu gewählten Parlament ist die der Europäischen Volkspartei, wozu etwa CDU, CSU, die österreichische ÖVP oder die französischen Gaullisten gehören. Diese Fraktion verfügt aber nicht über die absolute Mehrheit. Zweitgrößte Fraktion ist die Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament, wozu vor allem sozialdemokratische Parteien wie die SPD, die SPÖ oder die Labour Party zählen.

Von 2014 bis 2019 sind acht Fraktionen im Europäischen Parlament anzutreffen, in denen rund 160 verschiedene Parteien vertreten waren. Neben gemeinsamen politischen Grundüberzeugungen sind zur Bildung einer Fraktion mindestens 25 Abgeordnete erforderlich, die aus mindestens sieben verschiedenen Mitgliedstaaten stammen (so geregelt in der Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments, Quelle: Pressemitteilung des EP vom 11.02.2014).

Die acht Fraktionen sind:

  1. Europäische Volkspartei (EVP, zum Beispiel CDU, CSU und ÖVP),

  2. Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament (zum Beispiel SPD, SPÖ, Labour Party),

  3. Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (hierzu gehören etwa die britischen Konservativen oder die polnische Partei PIS),

  4. Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (zum Beispiel die FDP und die Freien Wähler aus Deutschland sowie NEOS aus Österreich),

  5. Konföderale Fraktion der Vereinigten Europäischen Linken/Nordische Grüne Linke (zum Beispiel die deutsche Partei „Die Linke“),

  6. Fraktion der Grünen / Freie Europäische Allianz (zum Beispiel Bündnis 90/Die Grünen aus Deutschland und Die Grünen – Die Grüne Alternative aus Österreich oder die schwedische Miljöpartiet),

  7. Fraktion Europa der Freiheit und der direkten Demokratie (zum Beispiel die britische Brexit-Partei, die Fünf-Sterne-Bewegung aus Italien und der deutsche AfD-Abgeordnete Jörg Meuthen),

  8. Fraktion Europa der Nationen und der Freiheit (zum Beispiel die niederländische Partei PVV [Partei für die Freiheit von Geert Wilders] und die französische Nationale Sammlungsbewegung von Marine Le Pen und die österreichische FPÖ).

Wie geht es nach der Wahl weiter?

Das Europäische Parlament wählt aus seiner Mitte den Präsidenten des Europäischen Parlaments (Art. 14 Absatz 4 EUV). Nach der Geschäftsordnung des Parlaments muss der Parlamentspräsident im ersten bis zum dritten Wahlgang von einer absoluten Mehrheit der abgegebenen Stimmen gewählt werden. Kommt in den ersten drei Wahlgängen keine Wahl zustande, nehmen die Kandidaten, die im dritten Wahlgang die meisten Stimmen bekommen haben, am vierten Wahlgang teil (Art. 16 der Geschäftsordnung [GeschO EP]). Die Amtszeit des Parlamentspräsidenten beträgt zweieinhalb Jahre (Art. 19 GeschO EP).

Keine der großen Fraktionen ist somit in der Lage, allein ihren Kandidaten für den Parlamentsvorsitz durchzusetzen. Das 2014 gewählte Europäische Parlament kam am 1. Juli 2014 zu seiner ersten Sitzung zusammen, auf der es erneut Martin Schulz zum Parlamentspräsidenten wählte. Von den 612 abgegebenen gültigen Stimmen (111 Stimmen waren ungültig) entfielen 409 auf Schulz (Quelle: Pressemitteilung des EP vom 01.07.2014). Am Folgetag wählten die Abgeordneten die insgesamt 14 Vizepräsidenten des Parlaments, darunter den Deutschen Rainer Wieland von der CDU. Ebenso bestimmten die Abgeordneten die zahlenmäßige Zusammensetzung der Ausschüsse des Parlaments (Quelle: Pressemitteilungen des EP vom 02.07.2014). Am 17. Januar 2017 wählte das Parlament im vierten Wahlgang mit 351 Stimmen den italienischen Konservativen Antonio Tajani zum neuen Präsidenten. Der Gegenkandidat der Sozialdemokraten, der ebenfalls aus Italien kommende Gianni Pittella, erzielte 282 Stimmen (Quelle: Pressemitteilungen des EP vom 17.01.2017).

Eine extrem wichtige Entscheidung obliegt dem neu gewähltem Europäischem Parlament mit der Wahl eines neuen Präsidenten der Europäischen Kommission (Art. 17 Absatz 7 EUV). Hierzu schlägt der Europäische Rat, also die Regierungs- bzw. Staatschefs der EU-Mitgleder, dem Europäischen Parlament eine geeignete Person vor. Der entsprechende Vorschlag benötigt im Rat eine qualifizierte Mehrheit, also keine Einstimmigkeit. Im Europäischen Parlament benötigt der Kandidat für den Vorsitz der EU-Kommission die Mehrheit der Mitglieder des Parlaments, die Mehrheit der abgegebenen Stimmen ist nicht ausreichend.

Die anderen Mitglieder der EU-Kommission werden mit Ausnahme des Hohen Vertreters für Außen- und Sicherheitspolitik von den Regierungen der EU-Mitgliedstaaten vorgeschlagen. Die Liste mit den vorgeschlagenen Kommissaren wird im Einvernehmen mit dem gewählten Präsidenten der Kommission vom Europäischen Rat mit qualifizierter Mehrheit angenommen. Der Präsident der Europäischen Kommission, der Hohe Vertreter und die vorgeschlagenen Kommissare müssen sich einem Zustimmungsvotum des Europäischen Parlaments stellen. Auf der Grundlage dieser Zustimmung wird die Kommission vom Europäischen Rat mit qualifizierter Mehrheit ernannt (Art. 17 Absatz 7 EUV).

Nach der Wahl 2014 beschloss der Europäische Rat auf seinem Treffen am 26. und 27. Juni 2014, dem Europäischen Parlament den früheren luxemburgischen Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker als Kandidaten vorzuschlagen (Quelle: Pressemitteilung des Rates vom 27.06.2014). Gegen Juncker hatte sich die britische Regierung ausgesprochen, doch da ein einzelnes Mitgliedsland im Gegensatz zur Rechtslage in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts kein Vetorecht mehr hat, konnte Premierminister Cameron die Nominierung nicht verhindern. Die Amtszeit des vorherigen Präsidenten der EU-Kommission endete Ende Oktober 2014.

Am 15. Juli 2014 wählten die Abgeordneten des Europäischen Parlaments Juncker zum neuen Präsidenten der EU-Kommission. Auf den früheren luxemburgischen Ministerpräsidenten und Spitzenkandidaten der Europäischen Volkspartei (EVP) entfielen 422 Stimmen, erforderlich wären mindestens 376 gewesen. Es gab 250 Gegenstimmen und 47 Enthaltungen. Es war das erste Mal, dass der Kommissionspräsident vom Parlament gewählt wurde, die Regelung wurde durch den Vertrag von Lissabon eingeführt. (Quelle: Pressemitteilung des Europäischen Parlaments vom 15.07.2014).

Zum neuen Präsidenten des Europäischen Rates wurde am 30. August 2014 der polnische Politiker Donald Tusk gewählt. Seine Amtszeit begann am 1. Dezember 2014. Der Präsident des Europäischen Rats wird vom Europäischen Rat mit qualifizierter Mehrheit für eine zweieinhalbjährige Amtszeit gewählt, die Amtszeit kann einmal verlängert werden (Art. 15 Absatz 5 EUV). Neue Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicher­heits­po­li­tik wurde die seinerzeitige italienische Außenministerin Federica Mogherini. Der Hohe Vertreter bzw. die Hohe Vertreterin wird vom Europäischen Rat mit qualifizierter Mehrheit (Definition in Art. 16 Absatz 4 EUV) und mit Zustimmung des Präsidenten der Europäischen Kommission ernannt. Der Hohe Vertreter leitet die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU, führt den Vorsitz im Rat für auswärtige Angelegenheiten und ist einer der Vizepräsidenten der EU-Kommission (Art. 18 EUV).

Die Kommission ist unabhängig von den Regierungen der Mitgliedsländer, die den einzelnen EU-Kommissaren keine Weisungen erteilen dürfen (Art. 17 Absatz 3 EUV).
Wie wird gewählt?

Jeder Mitgliedstaat der Europäischen Union verfügt über eine bestimmte Anzahl von Sitzen im Parlament, die nach dem Prinzip der Verhältniswahl verteilt werden. Auf Deutschland entfallen 96 Sitze, auf Österreich 18.

Die Einzelheiten des Wahlverfahrens (wie etwa das Wahlalter) regelt jeder Mitgliedstaat für sich. Anders als bei einer Bundestagswahl haben die Wähler in Deutschland bei der Europawahl nur eine Stimme. Es gibt keine Direktwahl von Wahlbewerbern in einem Wahlbezirk wie mit der Erststimme bei der Bundestagswahl, sondern eine reine Listenwahl. Dabei ist es den Parteien freigestellt, eine bundesweite Liste zu erstellen oder für jedes Bundesland eine eigene Liste. Von der letztgenannten Möglichkeit haben CDU und CSU Gebrauch gemacht (was damit zusam­men­hängt, dass die CSU nur in Bayern auftritt und die CDU in den anderen Bundesländern). Die 15 Landeslisten der CDU sind zu einer Listen­ver­bin­dung zusammengeschlossen, die CSU tritt nur in Bayern an. Der Bundeswahlausschuss ließ am 15. März 2019 insgesamt 41 Parteien und sonstige politische Gruppen zur Europawahl zu. In allen Bundesländern sind auf den Stimm­zet­teln 40 Wahlvorschläge zu finden. (Quelle: Pressemitteilung des Bundeswahlleiters Nr. 8/19 vom 15.03.2019). Die Reihenfolge der Parteien auf dem Stimmzettel ist von Bundesland zu Bundesland verschieden und richtet sich nach dem Ergebnis der Wahl von 2014 im jeweiligen Bundesland. Die damals nicht an der Wahl teilnehmenden Listen werden auf den nachfolgenden Plätzen in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Die CDU steht in 11 Ländern auf Platz eins, die CSU in Bayern, die SPD in vier (Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg). (Quelle: Pressemitteilung des Bundeswahlleiters Nr. 11/19 vom 08.04.2019). Geregelt ist die Reihenfolge in § 15 Absatz 3 Eu­ro­pa­wahl­ge­setz (EuWG).

Bei der Europawahl gelten die üblichen Wahlgrundsätze der allgemeinen, unmittelbaren, freien, gleichen und geheimen Wahl.

Allgemein: Alle volljährigen Deutschen dürfen wählen.
Unmittelbar: Durch seine Stimmabgabe bestimmt der Wähler ohne Zwischenschaltung anderer Personen die Vergabe der Mandate, Wahlmänner wie bei der Präsidentenwahl in den USA sind nicht zulässig.
Frei: Jeder Wähler ist frei bei der Auswahl des Kandidaten bzw. der Partei, die er unterstützen will.
Gleich: Jede wirksam abgegebene Stimme hat den gleichen Zählwert und Erfolgswert. Keine Stimme darf einen höheren mathematischen Wert haben als eine andere. Außerdem ergibt sich daraus das Prinzip der Chancengleichheit der Wahlbewerber (Wahlrechtsgleichheit, § 5 Parteiengesetz).
Geheim: Die Stimmabgabe erfolgt so, dass andere Personen davon keine Kenntnis erlangen.

Im Gegensatz zur Bundestagswahl oder zu Landtagswahlen gilt seit der Europawahl 2014 in Deutschland keine Fünf- oder Drei-Prozent-Hürde. Das Bundesverfassungsgericht hatte die ursprünglich erforderlichen fünf Prozent für ein Mandat als mit dem Grundgesetz nicht vereinbar erklärt (Urteil vom 09.11.2011 Az. 2 BvC 4, 6 und 8/10 = BVerfGE 129, 300). Der Gesetzgeber hatte daraufhin den Mindestwert von fünf auf drei Prozent abgesenkt, aber auch diese Regelung wurde von den Verfassungsrichtern in Karlsruhe mit einer Mehrheit von fünf zu drei Stimmen gekippt. (Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 18.12.2013 Az. 2 BvE 2/13 und andere).

Wie bei sonstigen Wahlen sind die Wahllokale in Deutschland von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Die Wahlberechtigten erhalten automatisch von ihrer Gemeindeverwaltung die Wahlbenach­richt­i­gungs­kar­te mit dem Hinweis auf das zuständige Wahllokal. Wer die Karte verloren hat, kann trotzdem zur Wahl gehen, wenn im Wahllokal der Personalausweis vorgelegt wird. Personen, die etwa wegen Ortsabwesenheit, Krankheit oder Gebrechlichkeit das Wahllokal nicht aufsuchen können, steht die Briefwahl offen, hierfür müssen keine besonderen Gründe dargelegt werden.

Die Feststellung des Wahlergebnisses und die Verteilung der 96 Mandate auf die einzelnen Parteien obliegt dem Bundeswahlausschuss. Eine Überprüfung des deutschen Wahlergebnisses ist im Wahlprüfungsverfahren möglich. Hierzu kann unter anderem jede und jeder Wahlberechtigte innerhalb von zwei Monaten nach dem Wahltag Einspruch erheben, und zwar beim Deutschen Bundestag, nicht beim Europäischen Parlament. Über den Einspruch entscheidet der Bundestag, der seine Entscheidung im Wahl­prü­fungs­aus­schuss vorbereitet. Gegen die Entscheidung des Bundestages ist die Beschwerde an das Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt möglich (§ 26 Eu­ropa­wahl­ge­setz).

Wer darf wählen, wer darf gewählt werden?

Wahlberechtigt sind einmal alle volljährigen Deutschen, die seit mindestens drei Monaten in Deutschland oder in einem anderen Mitgliedstaat der EU wohnen und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen sind. Sonstige Auslands­deutsche sind wie bei der Bundestagswahl wahlberechtigt (§ 6 Absatz 2 Europawahlgesetz, § 12 Absatz 2 Bundeswahlgesetz). Volljährige Staatsangehörige anderer EU-Staaten sind ebenfalls wahlberechtigt, wenn sie in Deutschland oder einem anderen EU-Staat seit drei Monaten wohnen. Es ist aber nicht möglich, dass diese EU-Bürger zugleich in Deutschland und einem anderen EU-Staat ihre Stimme abgeben. Wahlberechtigte EU-Ausländerinnen und EU-Ausländer müssen selbst ihre Aufnahme in das Wählerverzeichnis beantragen, und zwar bis zum 21. Tag vor der Wahl bei der Gemein­de­be­hör­de des Hauptwohnsitzes. Die Gemeinde­ver­wal­tung übermittelt in derartigen Fällen dem Bundeswahlleiter elektronisch eine Mitteilung über den Antrag, der Bundeswahlleiter über­mit­telt diese Information wiederum elektronisch an die Wahlbehörde des Heimatlandes des Wahl­be­rech­tig­ten (§ 17 a Europawahlordnung). Wenn ein wahlberechtigter EU-Bürger in das Wähler­ver­zeich­nis aufgenommen worden ist, wird er automatisch bei nachfolgenden  Europawahlen in das Wählerverzeichnis aufgenommen (§ 17 b Europawahlordnung).

Wählbar sind grundsätzlich alle volljährigen Deutschen unabhängig vom Wohnort sowie Unionsbürgerinnen und Unionsbürger mit Wohnsitz in Deutschland. Niemand darf sich aber gleichzeitig in Deutschland und in einem anderen EU-Land um ein Mandat im Europaparlament bewerben. Listen mit Kandidaten für die Wahl zum Europäischen Parlament müssen bis zum 83. Tag vor der Europawahl 18 Uhr beim Bundes­wahl­lei­ter eingegangen sein.

Die Sitzverteilung im Europäischen Parlament nach Ländern

Die Mandate im Europäischen Parlament verteilen sich seit 2014 wie folgt auf die einzelnen Mitgliedsländer:

Land
Sitze
Sitze nach Austritt des
Vereinigten Königreichs
Belgien
21
21
Bulgarien
17
17
Dänemark
13
14
Deutschland
96
96
Estland
6
7
Finnland
13
14
Frankreich
74
79
Griechenland
21
21
Irland
11
13
Italien
73
76
Kroatien
11
12
Lettland
8
8
Litauen
11
11
Luxemburg
6
6
Malta
6
6
Niederlande
26
29
Österreich
18
19
Polen 51
52
Portugal
21
21
Rumänien
32
33
Schweden
20
21
Slowakei
13
14
Slowenien
8
8
Spanien
54
59
Tschechien
21
21
Ungarn
21
21
Vereinigtes Königreich 73
nicht mehr Mitglied
Zypern 6
6
insgesamt
751
705

Jedes Land hat mindestens sechs Abgeordnete. (Siehe Beschluss 2013/3121 des Europäischen Rates vom 28.06.2013, Amtsblatt der EU L 181/57). Nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs soll das Europäische Parlament 705 Abgeordnete haben. Von den 73 frei werdenden britischen und nordirischen Mandaten sollen 46 freigehalten werden für mögliche Beitrittsländer. Die anderen frei werdenden 27 Mandate sollen auf einige Mitgliedsländer verteilt werden, die bislang im Parlament leicht unterrepräsentiert sind. (Quelle: Pressemitteilung des EP vom 13.06.2018, Beschluss des Europäischen Rates 2018/937 vom 28.06.2018).

Repräsentative Wahlstatistik

In knapp 2.750 zufällig ausgewählten Wahl­be­zir­ken wird am 26. Mai 2019 die Wahlbeteiligung und die Stimm­ab­ga­be nach Alter, Geschlecht und Bundesländern ermittelt. Dabei wird das Wahl­ge­heim­nis streng beachtet. Erste Ergebnisse dieser Wahlstatistik werden voraussichtlich im Sep­tem­ber 2019 vorliegen. Für die reprä­sen­ta­ti­ve Wahlstatistik wurden 2.250 Urnenwahlbezirke von etwa 72.000 und 2.250 Briefwahlbezirke von etwa 15.000 ausgewählt. In diesen Wahlbezirken werden Stimmzettel mit einem anonymen Unter­schei­dungs­aufdruck nach Geschlecht und sechs Alters­grup­pen verwendet. Die Stimmzettel enthalten keine personen­be­zo­ge­nen Daten. Die Auszählung der Stimmzettel und die Auswertung müssen mindestens 400 Wahlberechtigte um­fas­sen. Eine entsprechende Anzahl müssen die aus­ge­such­ten Brief­wahl­be­zirke bei der vor­he­rigen Europawahl aufgewiesen haben. (Quelle: Presse­mit­tei­lung des Bundeswahlleiters Nr. 31/19 vom 24.05.2019).

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Übersicht: Die Entwicklung der EU

09.05.1950
Schuman-Plan
Der französische Außenminister schlägt in einer Regierungserklärung eine Oberkontrolle für die deutsche und französische Kohle- und Stahlproduktion vor mit der Möglichkeit des Beitritts anderer Länder.
18.04.1951
Unterzeichnung des Vertrages über die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion) durch Frankreich, BRD, Benelux-Länder und Italien, Inhalt: Vergemeinschaftung der Kontrolle über Kohle- und Stahlindustrie und Sicherstellung eines ausreichenden Angebots dieser Güter.
23.07.1952
Inkrafttreten der Montanunion
30.08.1954 Die Europäische Verteidigungsgemeinschaft scheitert am „Nein“ der französischen Nationalversammlung
25.03.1957
Unterzeichnung des Vertrags zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) in Rom durch die sechs Mitgliedstaaten der Montanunion. Zu den „Römischen Verträgen“ zählen neben dem EWG-Vertrag der Euratom-Vertrag (Europäische Atomgemeinschaft) und ein Abkommen über gemeinsame Organe für die europäischen Gemeinschaften.
01.01.1958
Inkrafttreten der EWG, erster Präsident der EWG-Kommission wurde der Deutsche Walter Hallstein
01.07.1968
Zollunion innerhalb der EWG
01.01.1973
Beitritt von Großbritannien, Irland und Dänemark zur EWG. Ein früherer Beitritt Großbritanniens war am Widerstand des französischen Präsidenten de Gaulle gescheitert.
07.-10.06.1979
erste Direktwahl des Europäischen Parlaments
01.01.1981
Beitritt von Griechenland
01.01.1986
Beitritt von Spanien und Portugal
28.02.1986
Einheitliche Europäische Akte unterzeichnet, tritt am 01.07.1987 in Kraft. Inhalt: Reform der europäischen Verträge, Stärkung der Europäischen Politischen Zusammenarbeit (insbes. Außenpolitik), Verwirklichung des Binnenmarktes zum 01.01.1993, partielles Abweichen vom Einstimmigkeitsprinzip im Europäischen Rat, Stärkung der Rolle des Europäischen Parlaments, Ausdehnung der Aufgaben der EWG auf Bereiche Forschung und Technologie, Umwelt und Sozialpolitik, Ziel: Bildung einer Europäischen Union.
07.02.1992
Unterzeichnung des Maastricht-Vertrages (Vertrag über die Europäische Union). Inhalt: Europäische Union als übergeordneter Verbund für die  europäischen Gemeinschaften,  Schaffung einer Wirtschafts- und Währungsunion, Schaffung einer gemeinsamen Währung bis spätestens 1999, hierfür Schaffung von Konvergenz-Kriterien (die ein den Euro einführendes Land erfüllen muss), Vereinbarung einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik und Zusammenarbeit in den Bereichen Inneres und Justiz, Schaffung der europäischen Polizeibehörde EUROPOL, Einführung einer Unionsbürgerschaft, eines Europäischen Bürgerbeauftragten und eines Ausschusses der Regionen, weitere Stärkung des Europäischen Parlaments (Mitentscheidungsverfahren), Zuständigkeit für Kultur, Anerkennung von Europäischen Parteien.
01.01.1993
gemeinsamer Binnenmarkt in der EU
01.01.1995
Beitritt von Schweden, Finnland und Österreich zur EU. Für Beitritt Norwegens keine Mehrheit in Volksabstimmung.
18.06.1997
Vertrag von Amsterdam wird beschlossen und am 02.10.1997 unterzeichnet, der Vertrag tritt am 01.05.1999 in Kraft. Inhalt: Stärkung des Europäischen Parlaments, Bestätigung des Kommissionspräsidenten durch das Parlament, stärkere polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen, Beschäftigungspolitik als eines der Hauptziele der EU, Schaffung eines Raums der Freiheit der Sicherheit und des Rechts, freier Personenverkehr ohne Grenzkontrollen durch Übernahme des Schengener Abkommens, Einrichtung eines Amtes eines Hohen Vertreters für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, Vorbereitung der Osterweiterung der EU (große Staaten nicht mehr mit 2 Kommissaren in der EU-Kommission vertreten, Zurückdrängung des Prinzips der Einstimmigkeit im Rat).
01.01.1999
Einführung des Euros als Buchgeld
11.12.2000
Vertrag von Nizza wird beschlossen und am 26.02.2001 unterzeichnet. Der Vertrag tritt am 01.02.2003 in Kraft. Inhalt: weitere Zurückdrängung des Prinzips der Einstimmigkeit des Rats, geänderte Stimmenverteilung im Rat (Begriff der qualifizierten Mehrheit).
01.01.2002 Einführung des Euros als Bargeld
01.05.2004
Osterweiterung der EU: Anzahl der Mitgliedstaaten steigt von 15 auf 25 durch den Beitritt von Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien sowie von Malta und Zypern.
29.10.2004
Vertrag über eine Verfassung von Europa wird in Rom unterzeichnet. Dieser kann aber nach gescheiterten Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden nicht in Kraft treten.
01.07.2007
Beitritt von Rumänien und Bulgarien zur EU
13.12.2007
Unterzeichnung des Vertrages von Lissabon, der am 1. Dezember 2009 in Kraft tritt. Inhalt: Ausweitung von Mehrheitsentscheidungen im Rat und Einführung einer doppelten Mehrheit (= für einen Beschluss ist die Mehrheit der Stimmbürger als auch eine Mehrheit der Mitgliedstaaten erforderlich), Fusion von EU und EG, Ausweitung des Mitentscheidungsverfahrens zu Gunsten des Europäischen Parlaments, volles Budgetrecht des Parlaments, Einführung einer Europäischen Bürgerinitiative, eines Präsidenten des Europäischen Rates, Verbindlichkeit der EU-Grundrechtecharta, Beitritt der EU zur Europäischen Menschenrechtskonvention, Schaffung des Amtes eines  Hohen Vertreter für die Außen- und Sicherheitspolitik, der von einem Europäischen Auswärtigen Dienst unterstützt werden soll, Verschärfung der Beitrittskriterien, Regelungen für den freiwilligen Austritt von Mitgliedsländern, Schaffung eines Europäischen Konvents für Änderungen der EU-Verträge.
10.12.2012
EU wird mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet
01.07.2013
Beitritt von Kroatien zur EU als 28. Mitgliedsland
23.06.2016 In einer Volksabstimmung sprechen sich 51,89 Prozent der Bürgerinnen und Bürger des Vereinigten Königreichs für einen Austritt aus der EU aus
(Quelle der Daten für 1979-2014: © Europäische Union, [2019], siehe Website, für EU 2019: © Europäische Union, [2019], siehe Website, für Deutschland 2019: Pressemitteilung des Bundeswahlleiters Nr. 35/2019 vom 27.05.2019).

Das vorläufige Endergebnis der Europawahl 2019 in Deutschland

Partei
Stimmenanteil
Veränderung zu 2014 (in Pro­zent­punk­ten)
Mandate
Veränderung zu 2014
CDU/CSU
28,9 %
(davon CSU 6,3 %)
- 6,4 %
(CSU: + 1,0 %)
29
(davon CSU: 6)
- 5
(CSU: + 1)
SPD
15,8 %
- 11,5 %
16
- 11
Bündnis 90/Grüne
20,5 %
+ 9,8 %
21
+ 10
AfD 11,0 % + 3,9 % 11 + 4
FDP
5,4 %
+ 2,0 %
5
+ 2
Linke
5,5 %
- 1,9 %
5
- 2
Die PARTEI 2,4 % + 1,8 % 2 + 1
Freie Wähler
2,2 %
+ 0,7 %
2
+ 1
Piraten
0,7 %
- 0,7 %
1
± 0
Partei Mensch Umwelt Tierschutz
1,4 %
+ 0,2 %
1
± 0
NPD
0,3 %
- 0,7 % 0
- 1
Familie
0,7 %
± 0,0 %
1
± 0
ÖDP
1,0 %
+ 0,4 %
1
± 0
VOLT 0,7 % keine Teilnahme 1 keine Teilnahme
(Quelle: Pressemitteilung des Bundeswahlleiters Nr. 35/2019 vom 27.05.2019). Wahlbeteiligung: 61,4% (2014: 48,1%). Seit 2014 gilt in Deutschland bei der Europawahl keine Mindestgrenze für den Erwerb eines Mandats.

Übersicht: Die Organe der Europäischen Union

Organe der Europäiuschen Union

Eingebettetes Video von explainity bei YouTube zur Europawahl



(Video bei YouTube)

Das gesamteuropäische Ergebnis der Europawahl 2014 und die Ergebnisse in den einzelnen Mitgliedstaaten




Erläuterung der Abkürzungen:

EVP: Europäische Volkspartei (Christdemokraten)
S&D: Progressive Allianz der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament (Sozialdemokraten)
EKR: Europäische Konservative und Reformisten
ALDE
: Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa
GUE/NGL
: Vereinte Europäische Linke/Nordische Grüne Linke
Grüne/EFA: Die Grünen/Europäische Freie Allianz
EFDD
: Europa der Freiheit und der direkten Demokratie
NI
: fraktionslos


Seite zuletzt bearbeitet am: 07.06.2019