Am
27. September 2009:
Bundestagswahl
2009

Fortsetzung
der Großen Koalition oder FDP-Beteiligung? |

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Rückblick: Die Große Koalition
2005-2009
Eine Große Koalition ist in der deutschen Demokratie ungewöhnlich, da
sie doch die beiden großen entgegengesetzten Pole des politischen
Wettstreits zu einer Zusammenarbeit zwingt. Schon einmal, von 1966 bis
1969, gab es eine Große Koalition unter Bundeskanzler Kiesinger (CDU)
und
Vizekanzler Willy Brandt (SPD).
Das hat die Große
Koalition erreicht:
Wichtige
realisierte politische Veränderungen waren u.a. die Erhöhung der
Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent, obwohl sich die Union zunächst
nur für eine Erhöhung um zwei Prozentpunkte ausgesprochen hatte und die
SPD eine Mehrwertsteuererhöhung ablehnte. Unvorhergesehene
Finanzprobleme rechtfertigten jedoch die Erhöhung, hieß es dann. Durch
die Unternehmensteuerreform sollte die Attraktivität des
Wirtschaftsstandortes Deutschland erhöht, die Besteuerung von
Kapitaleinkünften durch die Abgeltungsteuer vereinfacht werden. Ab 2007
wird auf sehr hohe Einkommen (ab 250.001 € für Ledige) die
sogenannte Reichensteuer mit einem Steuersatz von 45 % erhoben. Daneben
ist die
Föderalismusreform zu nennen, mit deren erstem Teil die
Mitwirkungsmöglichkeiten der Bundesländer neu geordnet wurden und die
im zweiten Teil eine Schuldenbremse gegen eine weitere
Staatsverschuldung enthält. In außenpolitischer Hinsicht setzte sich
die erste Bundesregierung unter Vorsitz von Angela Merkel für die
Reform der Europäischen Union ein und insbesondere für den Vertrag von
Lissabon nach dem Scheitern einer gesamteuropäischen Verfassung.
Das von früheren Bundesregierungen eingeleitete militärische Engagement
Deutschlands in Afghanistan und auf dem Balkan wurde fortgesetzt.
Hinzugekommen ist der militärische Schutz der Handelsschifffahrt vor
der
Küste Somalias. In der Sozialpolitik fällt vor allem die Schaffung
eines Gesundheitsfonds mit einem einheitlichen Beitrag für alle
Krankenversicherten auf und die Einführung einer Versicherungspflicht
einschließlich eines Basistarifs in der privaten Krankenversicherung.
Außerdem wird das Renteneintrittsalter bis 2029 auf 67 Jahre
heraufgesetzt; des Weiteren hat die Große Koalition erstmalig seit 1995
die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung erhöht, darunter
auch für Demenzkranke. Allerdings stieg auch der Beitragssatz in der
Pflegeversicherung um 0,25 %, der zur Rentenversicherung war schon 2007
auf 19,9 % erhöht worden, während bei der Arbeitslosenversicherung der
Beitragssatz von 6,5 % Ende 2006 auf derzeit 2,8 % zurückgeführt werden
konnte. Im Bereich des Arbeitslosengeldes II ist die
Einführung
eines höheren
Regelsatzes für Kinder von 6-13 Jahren sowie die Einführung
eines
Schulstart-Pakets von 100 € pro Schüler zu nennen. Weitere
erwähnenswerte
eingeleitete Veränderungen sind etwa die Vorratsdatenspeicherung im
Telekommunikationsbereich, der Ausbau der Kinderbetreuung und die
Umstellung des Erziehungsgeldes zu einem Elterngeld mit
Lohnersatzfunktion, die Erhöhung des Kindergeldes oder die Verlängerung
des Arbeitslosengeldes I für Ältere.
Seit Ende 2007 sieht sich die
Bundesrepublik
Deutschland den Herausforderungen der Internationalen Finanzkrise
ausgesetzt. Hierauf hat die Große Koalition mit zwei
Konjunkturprogrammen geantwortet, die neben finanziellen Hilfen für
Banken vor allem Erleichterungen für Unternehmen und Bürger
vorsehen, was aber mit einer
immensen zusätzlichen Staatsverschuldung einhergeht und das
ursprüngliche Ziel, einen dauerhaft ausgeglichenen Bundeshaushalt
vorzuweisen, nur noch schwer erreichbar macht. Zu diesen Maßnahmen
gehört die Ausweitung der Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes
einschließlich
der Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge durch den Staat oder
ebenso die Abwrackprämie.
Bilder
oben: Die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und ihr Stellvertreter, der
Vizekanzler Dr. Frank-Walter Steinmeier, der zugleich ihr
Herausforderer war
Unterschiede zwischen
Union und SPD:
Unterschiede
zwischen CDU/CSU und SPD bestehen vor allem über die grundsätzliche
zukünftige Gestaltung der sozialen Sicherungssysteme. Während die
Christdemokraten etwa bei der Krankenversicherung das Modell einer
Kopfpauschale favorisieren, was in gleichen Beiträgen für jeden
Versicherten besteht und einem steuerfinanzierten finanziellen
Ausgleich für Versicherte, die den Beitrag nicht voll aufbringen
können, sowie in der Einführung einer kapitalgedeckten Finanzierung,
spricht sich die SPD für eine Bürgerversicherung aus, die sämtliche
Bürger umfasst und die Beitragspflicht auf alle Einkommen erstreckt.
(Allerdings schien die Union nach
der Einführung des Gesundheitsfonds zum Jahresanfang 2009 die
Erreichung dieses grundsätzlichen Wechsels zurückgestellt zu haben, da
im Wahlprogramm das Wort "Kopfpauschale" nicht einmal vorkommt. In der
Koalitionsvereinbarung vom Oktober 2009 greift die neue
Regierungsmehrheit dieses Projekt aber wieder auf). Ein weiterer
gravierender Unterschied zwischen den Parteien besteht über die
friedliche Nutzung der Kernenergie. Zwar gilt der von der früheren
rot-grünen Parlamentsmehrheit beschlossene Atomausstieg nach wie vor,
doch hält die Union die Atomkraft weiterhin als eine sichere,
wirtschaftliche und verlässliche Energie insbesondere unter dem Aspekt
des Klimaschutzes für notwendig. Während die Union trotz der
durch
die konjunkturunterstützenden
Maßnahmen bedingten Neuverschuldung weitere Steuersenkungen anstrebt,
hält die SPD solche Entlastungen für nicht verantwortbar. Daneben gibt
es auch unterschiedliche Auffassungen über den Einsatz der Bundeswehr
im Innern oder über eine Mitgliedschaft der Türkei in der EU, ein
Umweltgesetzbuch und über Studiengebühren, letztere fallen
allerdings in die Kompetenz der Bundesländer.
Von
beiden Parteien verabschiedet, aber von kritischen Stimmen in den
jeweils eigenen Reihen begleitet wird die Rentengarantie, wonach die Renten auch bei rückläufigen verbeitragten
Lohnsummen nicht gekürzt werden.
Bild oben: Das Kernkraftwerk Brokdorf
an der Elbe. In der Frage der weiteren Nutzung der Atomenergie
unterscheiden sich SPD und CDU/CSU erheblich.
Die SPD 2005-2009:
Auf
Seiten der SPD sind die zurückliegenden vier Jahren vor allem durch die
häufig sich abwechselnden Parteivorsitzenden geprägt. Während an der
grundsätzlichen Verständigung mit der Union auf eine Große Koalition
der
seinerzeitige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering entscheidenden Anteil
hatte, wurde der Koalitionsvertag vom inzwischen zum Parteivorsitzenden
gewordenen Matthias Platzeck unterschrieben, der dieses Amt aber schon
im April 2006 aus gesundheitlichen Gründen aufgab. Ihm folgte der
rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck, der jedoch schon gut
zwei Jahre später, am 7. September 2008, seinen Rücktritt erklärte,
gleichzeitig bestimmte die SPD den Außenminister Frank-Walter
Steinmeier zum Kanzlerkandidaten. Den Parteivorsitz übernahm wieder der
1940 geborene Franz Müntefering.
In
den Bundesländern konnte die SPD ihre Position nicht entscheidend
verbessern. Nur in drei Flächenländern stellt die SPD noch den
Regierungschef (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und
Rheinland-Pfalz). Eine rot-grüne Regierung existiert nur in dem
Mini-Bundesland Bremen und wäre in Berlin möglich, dort zieht es aber
der Bürgermeister vor, mit der Linken zu regieren. Eine
Regierungsbeteiligung der SPD in Hamburg und Hessen scheiterte. Im
letztgenannten Bundesland war eine SPD-Beteiligung nach der
Landtagswahl 2008 anfänglich möglich, doch statt eine Große Koalition
einzugehen, versuchte die SPD-Spitzenkandidatin Ypsilanti eine
rot-grüne Minderheitsregierung mit Duldung der Linken zustande zu
bringen. Da jedoch nicht alle SPD-Parlamentarier dies unterstützten,
kam es zu Neuwahlen, aus denen CDU und FDP als Sieger hervorgingen.
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Letztes Update: 28.10.2009
Foto Reichstag:
©magicpen / Pixelio (www.pixelio.de). Das Bild mit
Angela Merkel beruht auf dem Bild "Angela Merkel 2008 Rust.JPG"
(Autor: Jacques Grießmayer, Creative Commons Attribution Share 3.0-Lizenz) des Dateiarchivs Wikimedia, das Bild mit
Frank-Walter Steinmeier auf dem Wikimedia-Bild "Msc 2009-Friday, 16.00 - 19.00 Uhr-Moerk 019
Steinmeier.jpg" (Autor: Kai Mörk, Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0
Germany-Lizenz), das Bild mit dem Kernkraftwerk Brokdorf auf
dem Wikimedia-Bild "Kernkraftwerk Borkdorf 2.jpg"
(Autoren: Alois Staudacher/Neokortex, GNU-Lizenz
für freie Dokumentation).