Durchsuchen Sie meine Website mit Google:
Benutzerdefinierte Suche

Ab 1. Januar 2005:
Neues Ausländerrecht in der Bundesrepublik Deutschland
Jetzt vier Aufenthaltstitel - Einwanderung von Hochqualifizierten erleichtert - Bleiberecht für Geduldete ab 2007 - Weitere Erleichterungen ab 2009
Mit „Blue Card“ und weiteren Regelungen Erleichterungen für Hochqualifizierte
Näheres:

Einwanderung von Arbeitnehmern

Humanitäre Zuwanderung

Bleiberecht

Ehegattennachzug

Kindernachzug

Härtefallklausel

Opfer von Menschenhandel

Integration

Verfahren

EU-Bürger

Sicherheitsaspekte

Statistik

Neuerungen 2011

Blue Card und weitere Veränderungen 2012
Auch interessant:

Wegfall der Optionspflicht im Sraarsangehörigkeits-
recht


Übersicht: Soziales

Impressum

zur Startseite
Ist Deutschland ein Einwanderungsland? Einige Politiker sagen nein, anders sagen ja und weisen auf viele Deutsche mit Migrationshintergrund hin sowie auf inzwischen mehr als sieben Millionen in Deutschland lebende Ausländer. Das ab 2005 geltende Zuwanderungsrecht erleichtert jedenfalls die Zuwanderung, betont aber auch, dass diese von den Notwendigkeiten des Wirtschaftsstandorts Deutschland abhängt.

Nach langen politischen Querelen zwischen den beiden großen politischen Lagern trat mit Beginn des Jahres 2005 ein neues Ausländerrecht in Kraft. Dieses wiederum wird durch eine im Juli 2007 beschlossene Reform modifiziert, so ist u.a. eine Regelung über die Aufenthaltsmöglichkeiten von Personen vorgesehen, die nur eine Duldung für den Aufenthalt in Deutschland haben. Im Juli 2008 beschloss die Bundesregierung weitere Erleichterungen für die Zuwanderung qualifizierter ausländischer Fachkräfte (Aktionsprogramm der Bundesregierung - Beitrag der Arbeitsmigration zur Sicherung der Fachkräftebasis in Deutschland), das entsprechende Arbeitsmigrationssteuerungsgesetz ist am Jahresanfang 2009 in Kraft getreten (die Änderungen sind farblich markiert).
Schon bald kündigten sich weitere Erleichterungen für den Zuzug von hochqualifizierten Arbeitskräften aus Drittstaaten (also außerhalb der EU) an: Im Dezember 2011 beschloss die Bundesregierung die Einführung einer sogenannten „Blue Card“ und weiterer Ergänzungen, denen der Bundestag im April 2012 zustimmte.

Die wichtigsten Regelungen des bestehenden Zuwanderungsrechts: Es gibt jetzt nur noch vier Aufenthaltstitel (Aufenthaltserlaubnis und Niederlassungserlaubnis sowie seit dem Änderungsgesetz von 2007 auch die Erlaubnis zum Daueraufenthalt-EG und mit Wirkung ab 1. August 2012 die Blaue Karte EU), eine Arbeitserlaubnis muss nicht mehr gesondert beantragt werden, die Migration von hoch qualifizierten Arbeitnehmern und Investoren wird erleichtert und vor der Erteilung einer Befugnis zum Aufenthalt kann es zu einer Anfrage bei den Geheimdiensten der Bundesrepublik Deutschland kommen. Gesetzliche Grundlage des neuen Ausländerrechts ist das Aufenthaltsgesetz (AufenthG). Für bislang langjährig sich aufhaltende geduldete Ausländer wird mit dem Änderungsgesetz vom August 2007 ein Bleiberecht geschaffen.

Die Änderungen durch das Zuwanderungsgesetz 2005 waren politisch umstritten und es bedurfte vieler Anstrengungen, um einen Kompromiss zu finden, damit die beiden großen Blöcke und insbesondere der von CDU/CSU/FDP dominierte Bundesrat dem von der seinerzeitigen rot-grünen Koalition vorgelegten Entwurf zustimmen konnten. Der erste Versuch, ein neues Zuwanderungrecht in Kraft zu setzen, scheiterte am Bundesverfassungsgericht, weil in der entscheidenden Sitzung des Bundesrates das Land Brandenburg durch seine Vertreter nicht einheitlich abstimmte und der Präsident des Bundesrates dieses Abstimmungsverhalten fälschlicherweise als Zustimmung auffasste. Mehrere unionsgeführte Bundesländer ließen das so verabschiedete Gesetz vom Verfassungsgericht überprüfen, das mit Urteil vom 18. Dezember 2002 den Verstoß gegen das Grundgesetz feststellte und das Inkrafttreten zum Jahresanfang 2003 verhinderte (Az. 2 BvF 1/02 = BVerfGE 106,310 = NJW 2003,339). Es folgten wieder komplizierte Beratungen, die schließlich im Gesetz vom 30. Juli 2004 ihren Niederschlag fanden.

Mit dem Gesetz zur Umsetzung aufenthalts- und asylrechtlicher Richtlinien der Europäischen Union vom 19.08.2007 wird das Zuwanderungsgesetz unter Berücksichtigung von Rechtsvorschriften der Europäischen Union und von Erfahrungen aus der über zweijährigen Geltung des Gesetzes modifiziert (BGBl I 2007,1970 vom 27.08.2007, das Gesetz ist ganz überwiegend am 28.08.2007 in Kraft getreten). Weitere Änderungen brachte das Arbeitsmigrationssteuerungsgesetz vom 20.12.2008 (BGBl I 2008,2846) und das Gesetz zur Umsetzung der Hochqualifizierten-Richtlinie der Europäischen Union (BGBl I 2012,1224).

Einwanderung von Arbeitnehmern

Generell gilt: die Aufnahme von ausländischen Arbeitskräften richtet sich nach den Erfordernissen des Wirtschaftsstandortes Deutschland und dem Ziel, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Im Grunde genommen bleibt der Anwerbestopp für niedrig qualifizierte Arbeitskräfte erhalten (§ 18 Absatz 3 AufenthG). Einem hoch qualifizierten Arbeitnehmer kann erleichtert eine Niederlassungserlaubnis nach § 19 AufenthG erteilt werden. Zu diesen Personen zählen insbesondere Wissenschaftler und sonstige Lehrpersonen mit besonderen Kenntnissen oder in herausgehobener Funktion.

Selbstständigen konnte bis zum 31. Juli 2012 in ähnlicher Weise die Aufnahme erleichtert werden, wenn sie mindestens 250.000 € investieren und 5 Arbeitsplätze schaffen (§ 21 AufenthG, im Einzelfall auch ohne Erfüllung dieser Voraussetzungen möglich, bis zum Änderungsgesetz von August 2007 waren 1 Million EUR und 10 Arbeitsplätze notwendig, bis 31. Dezember 2008 500.000 EUR). Ab dem 1. August 2012 gibt es keine besonderen Schwellenwerte für Selbstständige mehr, sondern Selbstständigen kann eine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden, wenn ein wirtschaftliches Interesse oder ein regionales Bedürfnis besteht, die Tätigkeit positive Auswirkungen auf die Wirtschaft erwarten lässt und die Finanzierung der Geschäftsidee durch Eigenkapital oder eine Kreditzusage gesichert ist. Ausländern, die in Deutschland ein Hochschulstudium erfolgreich abgeschlossen haben, oder als Forscher oder Wissenschaftler eine Aufenthaltserlaubnis haben, kann ab 1. August 2012 eine Aufenthaltserlaubnis zur Ausübung einer selbstständigen Tätigkeit erteilt werden, ohne dass die eben erwähnten generellen Voraussetzungen für die Zulassung von Ausländern zu einer selbstständigen Tätigkeit erfüllt sind, wenn die beabsichtigte Tätigkeit mit dem Studium bzw. der bisherigen wissenschaftlichen Tätigkeit in einem Zusammenhang steht (§ 21 Absatz 2 a AufenthG n.F.).

Für durchschnittlich qualifizierte Arbeitskräfte gibt es die Möglichkeit der Einwanderung, wenn sie einer bestimmten Berufsgruppe angehören oder für die Beschäftigung ein öffentliches Interesse besteht (§ 18 Abs. 4 AufenthG).

Forscher: Für Forscher schafft das Änderungsgesetz von August 2007 einen neuen Aufenthaltstitel (§ 20 AufenthG n.F.). Wissenschaftler erhalten eine auf mindestens ein Jahr befristete Aufenthaltserlaubnis auch, wenn eine wirksame Aufnahmevereinbarung zur Durchführung eines Forschungsvorhabens von einem Forscher mit einer Forschungseinrichtung vorliegt und sich diese verpflichtet hat, die Kosten des Aufenthalts des Forschers zu übernehmen, die öffentlichen Stellen bis zu sechs Monaten nach Beendigung der Aufnahmevereinbarung entstehen (Lebensunterhalt, Abschiebung; von der letzten Voraussetzung kann u.U. abgesehen werden).

Die wichtigsten Prinzipien des deutschen Ausländerrechts:
  • Zulassung ausländischer Beschäftigter von außerhalb der EU orientiert sich an den Erfordernissen
    des Wirtschaftsstandortes Deutschland
  • Zulassung von Akademikern aus Nicht-EU-Staaten zum Arbeitsmarkt, wenn Stelle nicht mit EU-Arbeitnehmer besetzt werden kann oder Abschluss in Deutschland erworben wurde, keine Vorrangprüfung mehr bei Ärzten und Ingenieuren des Maschinenbaus, des Fahrzeugbaus und der Elektrotechnik erforderlich
  • Zulassung von Fachkräften mit einer nichtakademischen Berufsausbildung in Mangelberufen ohne Vorrangprüfung
  • Arbeitserlaubnis im Aufenthaltstitel
  • Hinausschiebung der Arbeitnehmerfreizügigkeit für Bürger aus den osteuropäischen Beitrittsländern der EU (bis zum 1. Mai 2011 bzw. 1. Januar 2014 für Rumänien und Bulgarien, bis zum 1. Juli 2015 für Kroatien)
  • Vermeidung von Zuwanderung in Existenzsicherungssysteme
  • Förderung der Integration



Anzeigen



Anzeigen

Akademiker: Für Akademiker bringt das neue Recht vom August 2007 eine Erleichterung. Nach § 16 Absatz 4 AufenthG können Ausländer nach erfolgreichem Studienabschluss eine Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis bis zu einem Jahr erhalten, um einen angemessenen Arbeitsplatz zu finden; ab dem 1. August 2012 beträgt diese Frist 18 Monate. Änderung ab 2009: Für Akademiker aus Drittstaaten (nicht Europäische Union, siehe unten) wird der deutsche Arbeitsmarkt ab 2009 grundsätzlich geöffnet bei gleichzeitiger Prüfung, ob der Arbeitsplatz nicht vorrangig mit einem EU-Bürger besetzt werden kann (§ 2 Beschäftigungsverordnung i.V.m. §§ 18 Absatz 4, 39, 42 AufenthG) und keine ungünstigeren Arbeitsbedingungen vorliegen. Dieser Personenkreis benötigt nach wie vor eine Aufenthaltserlaubnis, nur wird die für deren Erteilung notwendige Zustimmung der Bundesagentur erleichtert. Die günstigere Regelung betrifft Fachkräfte mit einem anerkannten oder einem deutschen Hochschulabschluss vergleichbaren ausländischen Hochschulabschluss (dies galt bislang schon im IT-Bereich). Bei Betroffenen mit einem inländischen Hochschulabschluss entfällt die Vorrangprüfung. Am 22. Juni 2011 kündigte die Bundesregierung an, bei ausländischen Ärzten oder Ingenieuren mit Abschlüssen im Bereich Maschinenbau, Fahrzeugbau und Elektrotechnik ab sofort auf die Vorrangprüfung zu verzichten. (Quelle: Pressemitteilung der Bundesagentur für Arbeit vom 22.06.2011).

Absolventen deutscher Auslandsschulen: Ausländischen Absolventen deutscher Auslandsschulen kann ein Aufenthaltstitel zur Ausübung einer der beruflichen Qualifikation entsprechenden Beschäftigung erteilt werden, ohne zu prüfen, ob vorrangig ein EU-Bürger beschäftigt werden kann, wenn der Absolvent einen anerkannten oder einem deutschen Hochschulabschluss vergleichbaren Abschluss aufweist oder eine im Inland erworbene qualifizierte Berufsausbildung (§ 7 Beschäftigungsverordnung). Keiner Zustimmung der Bundesagentur bedarf ab August 2012 die Erteilung eines Aufenthaltstitels an Absolventen deutscher Auslandsschulen zum Zweck einer qualifizierten betrieblichen Ausbildung in einem Ausbildungsberuf (§ 7 Nr. 3 Beschäftigungsverordnung).

Öffnung des Arbeitsmarktes für Fachkräfte in Mangelberufen: Zum 1. Juli 2013 ist es für nicht aus der EU stammende Ausländer
(oder nicht aus einem EWR-Land bzw. der Schweiz stammend) mit einer Berufsausbildung leichter geworden, Aufnahme in Deutschland zu finden. Voraussetzung ist, dass der oder die Betreffende eine Ausbildung in einem sogenannten Mangelberuf absolviert hat, in dem in Deutschland nicht genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Welche Berufe dies sind, wird in einer von der Bundesagentur für Arbeit erstellten sogenannten „Positivliste“ geregelt. In den dort genannten Berufen entfällt die Vorrangprüfung, d.h. es wird vor Erteilung der Aufenthaltserlaubnis nicht geprüft, ob die Stelle mit einer Arbeitskraft aus einem EU-Land  besetzt werden könnte. Die im Ausland erworbene Berufsqualifikation muss mit einer deutschen Ausbildung gleichwertig sein und die Arbeitsbedingungen der angebotenen Stelle dürfen nicht ungünstiger sein als die vergleichbarer inländischer Beschäftigter (Rechtsgrundlage: § 6 Absatz 2 Beschäftigungsverordnung). Bei Pflegeberufen gibt es keine erleichterte Zulassung von Fachkräften aus Ländern, in denen es nach Feststellungen der Weltgesundheitsorganisation einen Mangel an Gesundheitsfachkräften gibt. (Auf dem Webauftritt der Bundesagentur finden Sie die Positivliste im pdf-Format hier.)

Humanitäre Zuwanderung

Nach Artikel 16 des Grundgesetzes genießen politisch Verfolgte Asylrecht in Deutschland. Das Verfahren zur Anerkennung politisch Verfolgter ist im Asylverfahrensgesetz geregelt. Das Zuwanderungsgesetz stellt nunmehr klar, dass auch eine nichtstaatliche Verfolgung einen Grund für die Gewährung von Asyl darstellt, wenn der Staat nicht in der Lage ist, Schutz zu gewähren; außerdem bildet eine geschlechtsspezifische Verfolgung einen Asylgrund (§ 1 Absatz 1 Asylverfahrensgesetz i.V.m. § 60 Absatz 1 AufenthG). Des Weiteren erhalten Ausländer, denen auf Grund eines Beschlusses der Europäischen Union vorübergehend Schutz zu gewähren ist, eine Aufenthaltserlaubnis (§ 24 AufenthG i.V.m. Richtlinie 2001/55/EG).

Bleiberecht für geduldete Ausländer

Besondere Probleme wirft die Gewährung von Aufenthaltstiteln an Ausländer auf, die nur über eine Duldung verfügen, also an sich ausreisepflichtig sind.

Grundsätzlich soll einem geduldeten Ausländer eine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden, wenn die Abschiebung seit 18 Monaten ausgesetzt ist und der Ausländer unverschuldet an der Ausreise gehindert ist und die sonstigen allgemeinen Voraussetzungen für die Aufenthaltserlaubnis erfüllt sind (§ 25 Absatz 5 Aufenthaltsgesetz, ohne Mindestzeit kann eine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden, wenn eine Ausreise aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht möglich ist und mit dem Wegfall des Hinderungsgrundes in absehbarer Zeit nicht zu rechnen ist).

Im Herbst 2006 verständigten sich die Innenminister der Bundesländer und des Bundes auf eine erleichterte Integration von sich langjährig in Deutschland aufhaltenden Ausländern mit einer Duldung. Die Beschlüsse wurden überwiegend in Gesetzesform gegossen (§§ 104 a, 104 b AufenthG). Einem Geduldeten soll eine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden, wenn er
  • sich am 1. Juli 2007 seit mindestens acht Jahren, oder falls er zusammen mit einem minderjährigen Kind in häuslicher Gemeinschaft lebt, seit mindestens sechs Jahren in Deutschland aufhält und dieser Aufenthalt auf einer Duldung, einer Aufenthaltsgestattung oder einer aus humanitären Gründen erteilten Aufenthaltserlaubnis beruht und
  • über ausreichenden Wohnraum verfügt und
  • hinreichende mündliche Deutschkenntnisse besitzt (davon kann bis zum 01.07.2008 sowie bei Behinderung und Alter abgesehen werden) und
  • bei Kindern im schulpflichtigen Alter den tatsächlichen Schulbesuch nachweist und
  • die Ausländerbehörde nicht vorsätzlich über relevante Umstände getäuscht hat und
  • in keinem Bezug zu terroristischen oder extremistischen Organisationen steht und diese auch nicht unterstützt und
  • er oder ein mit ihm in häuslicher Gemeinschaft lebendes Familienmitglied nicht wegen einer vorsätzlichen Straftat verurteilt worden ist (wobei Verurteilungen von bis zu 50 Tagessätzen bzw. bis zu 90 Tagessätzen wegen nur von Ausländern begehbarer Taten nach dem Aufenthalts- oder dem Asylverfahrensgesetz unschädlich sind).
Die erteilte Aufenthaltserlaubnis ist befristet bis zum 31.12.2009. Sie soll um zwei Jahre verlängert werden, wenn der Lebensunterhalt bis Ende 2009 durch Erwerbstätigkeit gesichert war oder der Betreffende den Lebensunterhalt ab April 2009 nicht nur vorübergehend eigenständig sichert (Aufenthaltserlaubnis auf Probe). Der Lebensunterhalt wird auch durch beitragsbezogene Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld I, Krankengeld oder gesetzliche Renten gesichert, nicht aber durch Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder Wohngeld. Wurde vom Erfordernis der Deutschkenntnisse aufgrund der 1. Juli 2008-Regelung abgesehen, wird die Erlaubnis bis zu diesem Datum befristet, eine Verlängerung ist nur möglich, wenn zu diesem Zeitpunkt die erforderlichen Deutschkenntnisse vorhanden sind; in Härtefällen kann von diesen Voraussetzungen abgesehen werden, etwa bei jungen Ausländern in Ausbildung, Alleinerziehenden mit Kleinkindern, Erwerbsunfähigen mit ausreichenden Einkünften einschließlich beitragsfinanzierter Sozialleistungen und Älteren. Die nach § 104 a AufenthG erteilte Aufenthaltserlaubnis berechtigt zunächst zur Erwerbstätigkeit, die Verlängerung der Erlaubnis ist grundsätzlich an die den Lebensunterhalt sicherstellende Erwerbstätigkeit gebunden, ein langzeitiger Bezug von Sozialleistungen soll vermieden werden.

Es kann dem Ausländer zur Bedingung gemacht werden, dass er an einem Integrationsgespräch teilnimmt oder eine Integrationsvereinbarung abschließt.

Minderjährige Kinder erhalten ein von den Eltern bzw. dem Elternteil abhängiges Aufenthaltsrecht. Bei Erreichen der Volljährigkeit kann ihnen unter erleichterten Bedingungen eine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden (Aufenthaltserlaubnis nach
§ 23 AufenthG, Voraussetzung: positive Integrationsprognose und grundsätzlich ausreichende eigene Einkünfte erforderlich, bei Eheleuten muss jeder Ehepartner in seiner Person die Voraussetzungen erfüllen).

Sobald der Ausländer nachweist, dass er seinen Lebensunterhalt eigenständig durch Erwerbstätigkeit sichern kann, ist die Aufenthaltserlaubnis nach § 23 AufenthG zu erteilen (Rechtsfolgenverweisung).

Ende 2006 hielten sich 174.980 geduldete ausreisepflichtige Ausländer in Deutschland auf, davon 99.087 seit mindestens sechs Jahren, 67.947 seit mindestens acht Jahren. Überwiegend handelte es sich bei diesem Personenkreis um abgelehnte Asylbewerber, die nicht abgeschoben werden konnten.

Verlängerungsmöglichkeit für Ende 2009 auslaufende Aufenthaltserlaubnisse: Auf ihrer Sitzung in Bremen am 3. und 4. Dezember 2009 beschlossen die Innenminister der Länder und des Bundes eine Verlängerungsmöglichkeit für diejenigen ehemaligen geduldeten Ausländer, deren Aufenthaltserlaubnis auf Probe nach § 104 a Aufenthaltsgesetz zum Jahresende 2009 ausläuft und nicht nach § 104 a Absatz 5 AufenthG verlängert werden kann. Die Regelung hat folgenden Inhalt:

1) Inhabern einer Aufenthaltserlaubnis auf Probe, die am 31.12.2009 mindestens für die letzten sechs Monate zumindest eine Halbtagsbeschäftigung nachweisen oder bis zum 31. Januar 2010 für die kommenden sechs Monate glaubhaft eine Halbtagsbeschäftigung nachweisen können, wird eine bis zum 31.12.2011 befristete Aufenthaltserlaubnis nach § 23 Absatz 1 Satz 1 Aufenthaltsgesetz erteilt.
2) Inhabern einer Aufenthaltserlaubnis auf Probe, die zwischen dem 1. Januar 2007 und dem 31. Dezember 2009 ihre Schul- oder Berufsausbildung erfolgreich beendet haben oder sich derzeit in einer Schul- oder Berufsausbildung befinden und bei denen deshalb erwartet werden kann, dass sie sich in unsere Gesellschaft erfolgreich integrieren und sie zukünftig ihren Lebensunterhalt selbstständig sichern werden, wird eine Aufenthaltserlaubnis nach § 23 Absatz 1 Satz 1 Aufenthaltsgesetz für zwei Jahre erteilt.
3) Inhabern einer Aufenthaltserlaubnis auf Probe, deren Erlaubnis nicht nach § 104 Absatz 5 verlängert werden kann, weil sie nicht in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt selbstständig zu sichern, kann eine Aufenthaltserlaubnis auf Probe nach § 23 Absatz 1 Satz 1 AufenthG erteilt werden, wenn die Betroffenen nachweisen, dass sie sich um die Sicherung des Lebensunterhalts für sich und etwaige Familienangehörige durch eigene Erwerbstätigkeit bemüht haben, und wenn die Annahme gerechtfertigt ist, dass der Lebensunterhalt nach diesen zwei Jahren eigenständig durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gesichert sein wird.

In anderen Fällen sind Ausländer, deren Aufenthaltserlaubnis auf Probe nach § 104 a AufenthG nicht verlängert werden kann, auf eine Duldung zu verweisen.

Die nach § 23 Absatz 1 Satz 1 AufenthG erteilte Aufenthaltserlaubnis ermöglicht keinen Familiennachzug aus dem Ausland und keine Erteilung einer Niederlassungserlaubnis. Die weiteren Voraussetzungen des § 104 a AufenthG müssen erfüllt sein. (Quelle: Pressemitteilung des Senators für Inneres und Sport in Bremen vom 04.12.2009).

Eigenständiges Aufenthaltsrecht von Kindern im Alter von 14 bis 17 Jahren: Kann eine Aufenthaltserlaubnis an langjährig sich aufhaltende Ausländer i.S. von § 104 a AufenthG nicht erteilt werden, weil der Betreffende die Ausländerbehörde über erhebliche Tatsachen vorsätzlich getäuscht hat oder Straftaten begangen hat, kann dem Kind eine eigenständige Aufenthaltserlaubnis nach § 23 AufenthG erteilt werden, wenn die Eltern ausreisen (bzw. der Elternteil ausreist), das Kind am 01.07.2007 mindestens 14 Jahre alt war, sich seit mindestens sechs Jahren rechtmäßig oder geduldet in Deutschland aufhält, Deutsch spricht, sich integriert hat und die Personensorge sichergestellt ist.

Sonstige Ausländer mit Duldung (Arbeitsintegration ohne Prüfung bevorrechtigter Beschäftigung von EU-Bürgern): Sind die Voraussetzungen für die Erteilung einer Aufenthaltsgenehmigung nach § 104 a AufenthG nicht erfüllt, hält sich der Ausländer aber bereits seit vier Jahren ununterbrochen erlaubt, geduldet oder mit Aufenthaltsgestattung in Deutschland auf, kann die Zustimmung zur Ausübung einer Beschäftigung ohne Prüfung durch die Bundesagentur für Arbeit nach § 39 AufenthG erteilt werden (d.h. kein Vorrang der Beschäftigung von Deutschen oder ihnen gleich gestellten). Die so erteilte Zustimmung unterliegt keinen Beschränkungen (beruflicher, betrieblicher oder regionaler Art, siehe auch § 61 Absatz 1 Satz 3 AufenthG). Mit dem Aktionsprogramm vom Juli 2008 will die Bundesregierung zusätzlich die Integration von geduldeten Ausländern erleichtern, die nicht unter die vorgenannte Bleiberechtsregelung vom August 2007 fallen. So erhalten a) junge geduldete Ausländer mit einem noch nicht vierjährigen Aufenthalt einen erleichterten Zugang zu einer Berufsausbildung nach § 10 Absatz 2 Nummer 4 Beschäftigungsverfahrensverordnung ohne Vorrangprüfung (behalten aber ihren Status als Geduldete), b) Geduldete mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung erhalten eine Aufenthaltserlaubnis zum Zwecke der Beschäftigung (ohne Prüfung, ob vorrangig der Arbeitsplatz mit einem EU-Bürger besetzt werden kann), c) gleiches gilt für geduldete Akademiker, deren Abschluss hier anerkannt wird und die zwei Jahre lang eine der Ausbildung entsprechende Tätigkeit ausgeübt haben, oder d) für geduldete Fachkräfte, die drei Jahre lang in einer Beschäftigung tätig waren, die eine qualifizierte Berufsausbildung voraussetzt (§ 18 a Aufenthaltsgesetz n.F.). Die unter b) bis d) genannten Ausländer erhalten eine „Aufenthaltserlaubnis für qualifizierte Geduldete zum Zweck der Beschäftigung“.

Erleichterte Integration von jungen Ausländern mit einer Duldung: Jugendlichen oder heranwachsenden Ausländern mit einer Duldung soll eine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden, wenn der Betreffende sich seit mindestens vier Jahren geduldet, gestattet oder mit einer Aufenthaltserlaubnis im Bundesgebiet aufhält, seit mindestens vier Jahren im Bundesgebiet eine Schule besucht oder einen Schul- oder Berufsabschluss erworben hat, der Antrag auf Erteilung der Aufenthaltserlaubnis vor Vollendung des 21. Lebensjahres gestellt wird, es gewährleistet erscheint, dass sich der Ausländer aufgrund seiner bisherigen Ausbildung und Lebensverhältnisse sich in die Lebensverhältnisse in der Bundesrepublik einfügen kann und keine Hinweise dafür vorliegen, dass sich der Ausländer nicht zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennt (Rechtsgrundlage: § 25 a Aufenthaltsgesetzt, geändert zum August 2015). Erhalten die Eltern eines nach § 25 a Aufenthaltsgesetz begünstigten minderjährigen Ausländers keine Aufenthaltserlaubnis, soll die Abschiebung der Eltern ausgesetzt werden (§ 60 a Absatz 2 b Aufenthaltsgesetz).
 
Bleiberecht für nachhaltig integrierte Geduldete: Ab August 2015 gibt es Erleichterungen für geduldete Ausländer, die unabhängig vom Alter oder einem bestimmten Stichtag als nachhaltig integriert gelten und nun einen Rechtsanspruch auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis haben. Hierzu zählen Geduldete, die a) sich seit mindestens acht Jahren geduldet, gestattet oder mit einer Aufenthaltserlaubnis in der Bundesrepublik aufhalten (sechs Jahre sind ausreichend bei Betreuung eines minderjährigen Kindes) und b) sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennt und über Grundkenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung und der Lebensverhältnisse im Bundesgebiet verfügt und c) den Lebensunterhalt überwiegend durch Erwerbstätigkeit sichern kann und d) über hinreichende mündliche Deutschkenntnisse (A2) verfügt und e) den Schulbesuch seiner Kinder nachweist. Ein vorübergehender Bezug von Sozialleistungen ist unschädlich bei Studierenden und Auszubildenden sowie bei Familien mit minderjährigen Kindern oder bei Alleinerziehenden mit Kindern unter drei Jahren oder im Fall der Pflege naher Angehöriger. (Rechtsgrundlage: § 25 b Aufenthaltsgesetz).

Ehegattennachzug

Mit dem Änderungsgesetz 2007 gibt es einige Restriktionen beim Ehegattennachzug von Ausländern (§ 30 AufenthG). So wird ein Mindestalter für den Nachzug eingeführt, beide Ehegatten müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Außerdem muss sich der Nachziehende grundsätzlich in einfacher Art in deutscher Sprache verständigen können und der Ausländer muss eine Niederlassungserlaubnis oder eine Erlaubnis zum Daueraufenthalt-EG oder eine Aufenthaltserlaubnis haben, letzteres setzt allerdings eine Aufenthaltserlaubnis nach § 20 (Forscher) oder § 25 Absatz 1 oder 2 AufenthG (humanitäre Gründe) oder den Besitz einer Aufenthaltserlaubnis seit zwei Jahren oder den Besitz einer Aufenthaltserlaubnis und eine bereits bestehende Ehe bei der Erteilung und einen voraussichtlichen Mindestaufenthalt von über einem Jahr voraus oder eine Aufenthaltserlaubnis nach § 38 a AufenthG (Aufenthaltstitel für ehemalige Deutsche)(Ausnahmen möglich).

Keine Sprachkenntnisse nachzuweisen braucht der einreisewillige Ehegatte, wenn er Staatsangehöriger von Australien, Israel, Japan, Kanada, der Republik Korea, Neuseeland oder den USA ist (§ 30 Absatz 1 Satz 3 Nummer 4 AufenthG i.V.m. § 41 Aufenthaltsverordnung; bei Staatsangehörigen von Andorra, Honduras, Monaco und San Marino ebenso, wenn keine Erwerbstätigkeit beabsichtigt ist). Den vom Gesetz eigentlich verlangten Nachweis deutscher Sprachkenntnisse bei nachziehenden türkischen Ehepartnern hat der Europäische Gerichtshof für unvereinbar mit dem europäischen Recht, insbesondere mit dem Assoziierungsabkommen zwischen der EU und der Türkei, erklärt (Urteil vom 10.07.2014 Az. C-138/13, Quelle: Pressemitteilung des EuGH vom 10.07.2014).

Mit der Einführung eines Mindestalters will man Zwangsverheiratungen vermeiden. Das Mindestalter sowie das Erfordernis geringer deutscher Sprachkenntnisse gelten auch für die Einwanderung des ausländischen Ehepartners eines deutschen Staatsangehörigen (§ 28 Absatz 1 Satz 5 AufenthG).

Kindernachzug

Wie bisher können Kinder von Ausländern grundsätzlich bis zum 16. Lebensjahr zu ihren Eltern in Deutschland ziehen (§ 32 Absatz 3 AufenthG). Darüber hinaus erhält ein 16 oder 17 Jahre altes Kind eine Aufenthaltserlaubnis, wenn es Deutsch spricht oder sich in die hiesigen Lebensverhältnisse einfügen kann oder die Eltern Asylberechtigte sind oder im Familienverbund einreisen (§ 32 Absatz 1 und 2 AufenthG); in übrigen Fällen liegt die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis für nachziehende Kinder im Ermessen der Ausländerbehörde (§ 32 Absatz 4 AufenthG).

Härtefallklausel

Selbst wenn ein Ausländer nach dem AufenthG keine Aufenthaltserlaubnis erhalten kann und vollziehbar ausreisepflichtig ist, kann er in einem Härtefall trotzdem eine Aufenthaltserlaubnis erhalten, da die Bundesländer Härtefallkommissionen einrichten, an die entsprechende Ersuchen gerichtet werden können. Die Kommission erteilt die Aufenthaltserlaubnis nicht selbst, sondern spricht nur eine Empfehlung aus (§ 23 a AufenthG).

Opfer von Menschenhandel

Mit dem Änderungsgesetz von August 2007 wird eine vorübergehende Aufenthaltsmöglichkeit für Opfer von Menschenhandel (§§ 232, 233, 233 a StGB) geschaffen (§ 25 Absatz 4 a AufenthG), und zwar auch bei einer illegalen Einreise nach Deutschland. Für einen vorübergehenden Aufenthalt kann eine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden, wenn der Aufenthalt sachgerecht ist und ohne die Angaben des Ausländers die Erforschung des Sachverhalts erschwert wäre, keine Verbindung des Opfers zum Beschuldigten mehr besteht und der Ausländer als Zeuge aussagen will. Wird eine Aufenthaltsgenehmigung erteilt, kann der oder dem Betreffenden eine Arbeitserlaubnis erteilt werden, ohne auf die vorrangige Beschäftigung eines Deutschen oder freizügigkeitsberechtigten Europäers abzustellen (§ 31 Beschäftigungsverordnung).
 
Integration

Mit dem neuen Ausländerrecht gibt es erstmals eine Verpflichtung des Staates, ein Mindestangebot  an Integration für Ausländer vorzuhalten (§ 43 AufenthG). Bei der erstmaligen Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis oder einer Niederlassungserlaubnis hat der Ausländer einen Rechtsanspruch auf Teilnahme an einem Integrationskurs. Dieser besteht aus einem Basis- und einem Aufbaukurs, in dem Ausländer an die Sprache, die Rechtsordnung, die Kultur und die Geschichte in Deutschland herangeführt werden sollen. In einigen Fällen besteht eine Pflicht zur Teilnahme an diesem Integrationskurs, nämlich wenn der Ausländer einen Rechtsanspruch auf Teilnahme hat und sich nicht in einfacher Weise in Deutsch verständigen kann oder die Ausländerbehörde den Ausländer zur Teilnahme aufgefordert hat, weil er Leistungen der Grundsicherung der Arbeitsuchende bezieht oder in besonderer Weise integrationsbedürftig ist (§ 44 a AufenthG). Bei einer Pflicht zur Teilnahme kann einem Empfänger von Arbeitslosengeld II die Leistung um 10 Prozent gekürzt werden, wenn er an dem Kurs nicht teilnimmt.

Das Prinzip des „Förderns und Forderns“ wird mit dem Änderungsgesetz von August 2007 weiter ausgebaut. Der Integrationskurs soll durch weitere Integrationsangebote ergänzt werden (§ 45 Satz 1 AufenthG).

Verfahren

Seit Anfang 2005 gibt es kein doppeltes Genehmigungsverfahren für die Aufenthaltserlaubnis und die Arbeitserlaubnis, sondern ein internes Zustimmungsverfahren, in dem die Bundesagentur für Arbeit hinsichtlich der Zulassung des Ausländers zum Arbeitsmarkt gehört wird (§§ 4, 39 ff. AufenthG). Es muss aus dem Aufenthaltstitel hervorgehen, ob eine Erwerbstätigkeit erlaubt ist.

Neben dem Visum für einen kürzeren Aufenthalt gibt es nur noch drei Aufenthaltstitel, nämlich die befristete Aufenthaltserlaubnis und die unbefristete Niederlassungserlaubnis (§§ 7, 9 AufenthG) sowie aufgrund des Änderungsgesetzes von 2007 die Erlaubnis zum Daueraufenthalt-EG (§ 9 a AufenthG). Wie bislang kann einem ausreisepflichtigen Ausländer eine Duldung erteilt werden, wenn eine Abschiebung aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen nicht möglich ist oder humanitäre Gründe hiergegen sprechen (§ 60 a AufenthG). Bei Abschiebungshindernissen kann zur Vermeidung von Kettenduldungen eine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden, wenn ein Vollzug der Ausreisepflicht nicht innerhalb absehbarer Zeit zu erwarten ist (§ 25 Absatz 5 AufenthG).

Voraussetzung für die Erteilung der Niederlassungserlaubnis: fünfjähriger Besitz der Aufenthaltserlaubnis + Lebensunterhalt gesichert + 60 Monate Beiträge zur Rentenversicherung oder zu vergleichbarer privaten Versicherung + in den letzten drei Jahren keine gravierenden Straftaten + Beschäftigung erlaubt + ausreichende Berufskenntnisse + ausreichende Deutschkenntnisse + Grundkenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung und der Lebensverhältnisse der BRD + ausreichender Wohnraum (zur Hälfte können Zeiten eines Aufenthalts zum Studium oder zur Berufsausbildung angerechnet werden; § 9 Absatz 4 AufenthG n.F.. Bei Selbstständigen kann die Mindestzeit mit Aufenthaltserlaubnis auf drei Jahre verkürzt werden, § 21 Absatz 4 Satz 2 AufenthG). Hochqualifizierte: Unter erleichterten Bedingungen können hochqualifizierte Ausländer eine Niederlassungserlaubnis erhalten (§ 19 AufenthG). Hierzu zählen Wissenschaftler mit besonderen Kenntnissen, Lehrpersonen in herausgehobener Funktion und bis Juli 2012 auch Spezialisten und leitende Angestellte mit besonderer Berufserfahrung, die ein Gehalt erzielten in Höhe von mindestens der Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversichwerung (2011: 66.000 EUR, bis Ende 2008: dem Doppelten der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung, das waren 86.400 EUR im Jahr 2008). Ab August 2012 ist die Regelung für Spezialisten und leitende Angestellte entfallen, dafür gibt es die „Blaue Karte“.

Erlaubnis zum Daueraufenthalt-EG: Die neue Erlaubnis geht auf Vorgaben des Europarechts zurück und ist weitgehend der Niederlassungserlaubnis gleichgestellt, es handelt sich um einen unbefristeten Aufenthaltstitel. Voraussetzung für die Erteilung einer Erlaubnis zum Daueraufenthalt-EG: fünfjähriger Aufenthalt in Deutschland mit Aufenthaltstitel + Lebensunterhalt gesichert einschließlich des Unterhalts von Angehörigen durch feste und regelmäßige Einkünfte + ausreichende Deutschkenntnisse + Grundkenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung und der Lebensverhältnisse der BRD + keine entgegenstehende Gründe der öffentlichen Sicherheit und Ordnung + ausreichender Wohnraum. Keine derartige Erlaubnis gibt es für Flüchtlinge oder Personen, die eine Anerkennung als Flüchtling beantragt haben, oder für Ausländer, die sich zum Studium, zur Berufsausbildung oder einem anderen vorübergehenden Zweck aufhalten. Auf die fünfjährige Zeit können Aufenthaltszeiten außerhalb Deutschlands aufgrund einer Entsendung aus beruflichen Gründen sowie Zeiten eines früheren Aufenthalts vor einer Ausreise und dem dadurch bedingten Wegfall eines Aufenthaltstitels und zur Hälfte Zeiten eines Aufenthalts zum Studium oder zur Berufsausbildung angerechnet werden (§ 9 b AufenthG). Feste und regelmäßige Einkünfte liegen vor, wenn der Ausländer seine steuerlichen Verpflichtungen erfüllt hat, Beiträge für eine Altersversorgung geleistet hat, kranken- und pflegeversichert ist und zu der Erwerbstätigkeit berechtigt ist (§ 9 c AufenthG). Die Erlaubnis zum Daueraufenthalt-EG erleichtert im Fall eines späteren Aufenthalts in einem anderen EU-Land die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis dort. Im Gegenzug erhalten Ausländer, die in einem anderen EU-Staat den Status eines langfristig Aufenthaltsberechtigten haben, leichter eine Aufenthaltserlaubnis (§ 38 a Aufenthaltsgesetz).

Durch das Gesetz vom August 2007 können bestimmte Ausländer mit einer Aufenthaltserlaubnis leichter einen unbefristeten und nicht an eine bestimmte Beschäftigung gebundenen Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten (§ 9 Beschäftigungsverfahrensverordnung: zweijährige versicherungspflichtige Vorbeschäftigungszeit oder mindestens dreijähriger erlaubter Aufenthalt oder Aufenthalt mit Duldung bzw. Aufenthaltsgestattung, vorher jeweils ein Jahr länger).

Das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge ist durch das Zuwanderungsgesetz umbenannt worden in Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Vor dem 1. Januar 2005 erteilte Aufenthaltstitel bleiben weiter bestehen, und zwar die Aufenthaltsberechtigung oder unbefristete Aufenthaltserlaubnis als Niederlassungserlaubnis (§ 101 AufenthG, sonst Aufenthaltserlaubnis); gleiches gilt für frühere ausländerrechtliche Maßnahmen (§ 102 AufenthG). Übrigens: Im alten Recht gab es eine Aufenthaltsbewilligung, Aufenthaltsbefugnis, Aufenthaltserlaubnis und Aufenthaltsberechtigung.

Der Aufenthalt von Staatsangehörigen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie des Europäischen Wirtschaftsraumes ist vereinfacht worden. Die EU-Bürger benötigen keine Aufenthalts-oder Arbeitserlaubnis, sondern sie unterliegen wie Deutsche den melderechtlichen Vorschriften, d.h. EU-Bürger müssen sich nur nach Einreise zur Arbeitsaufnahme bei der Meldebehörde vorstellen. Nicht aus einem EU-Staat stammende Familienangehörige von Freizügigkeitsberechtigten erhalten eine Aufenthaltskarte, die fünf Jahre gelten soll. Rechtsgrundlage für den Aufenthalt von EU-Bürgern ist das Gesetz über die allgemeine Freizügigkeit von Unionsbürgern (Freizügigkeitsgesetz/EU [FreizügG/EU]). Die freie Einreisemöglichkeit besteht vor allem für EU-Bürger, wenn sie sich als Arbeitnehmer, als Arbeitssuchende oder zur Berufsausbildung aufhalten wollen oder zur Ausübung einer selbstständigen Tätigkeit berechtigt sind. Nach fünf Jahren rechtmäßigem Aufenthalt haben Unionsbürger ein Daueraufenthaltsrecht (§ 4 a FreizügG/EU).

Zum 1. Januar 2014 sind die letzten Hürden für die Zulassung von Staatsbürgern Rumäniens und Bulgariens entfallen. Seit dem 1. Mai 2011 ist die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit für Staatsangehörige aus den baltischen Staaten, Polens, Tschechiens, der Slowakei, Ungarns und Sloweniens gewährleistet. Für die Staatsangehörigen des letzten zur EU beigetretenen Landes Kroatien gilt ab dem 1. Juli 2015 ebenfalls die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit der EU (Quelle: Pressemitteilung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom 17.06.2015).

Bezog ein EU-Ausländer in seinem Heimatland durch Beiträge finanziertes Arbeitslosengeld, kann er dieses bis zu drei Monate nach seinem Zuzug nach Deutschland hier beziehen (Verordnung Nr. 1408/71 der EU). Ausländer (aus der EU oder aus anderen Staaten), die sich nur zum Zwecke der Arbeitsuche befugt in Deutschland aufhalten, haben keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II (§ 7 Absatz 1 Satz 2 SGB II). Nach einem mit Wirkung ab 19.12.2011 erklärten Vorbehalt der Bundesrepublik Deutschland gegen das Europäische Fürsorgeabkommen gibt es eine Geschäftsanweisung der Bundesagentur für Arbeit, wonach dieser Ausschluss auch gilt, wenn es sich um einen EU-Bürger handelt, dessen Heimatstaat das Europäische Fürsorgeabkommen ratifiziert hat. Zuvor hatte das Bundessozialgericht eine Ausnahme gemacht für EU-Bürger aus den Unterzeichnerstaaten des Europäischen Fürsorgeabkommens (Urteil des Bundessozialgerichts vom 19.10.2010 Az. B 14 AS 23/10 R). Die genannte Geschäftsanweisung ist zunächst gültig vom 23.02.2012 bis zum 22.02.2016. Die Ausschlussklausel (kein Arbeitslosengeld II für Personen, deren Aufenthaltsrecht sich allein aus dem Zweck der Arbeitssuche ergibt) ist gegenüber EU-Bürgern mit dem Recht der Europäischen Union vereinbar, entschied der Europäische Gerichtshof am 15.09.2015 (Az. C-67/14, Quelle: Pressemitteilung des EuGH vom gleichen Tag). Gegen den von der Bundesregierung erklärten Vorbehalt zum Europäischen Fürsorgeabkommen äußerte der vierte Senat des Bundessozialgerichts keine Bedenken (Az. B 4 AS 9/13 R, Quelle: Medieninformation Nr. 35/13 des Bundessozialgerichts vom 12.12.2013). Im Fall einer EU-Bürgerin, die nur zum Zweck des Bezugs von Sozialhilfe bzw. der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach Deutschland eingereist war und noch nie gearbeitet hatte, hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass das Aufnahmeland die Möglichkeit haben muss, beitragsunabhängige Sozialleistungen zu versagen, da sich der Aufenthalt des mittellosen EU-Bürgers nicht mehr auf das Recht der Europäischen Union stützen lässt (Urteil vom 11.11.2014 Az. C-333/13, Quelle: Pressemitteilung des EuGH vom 11.11.2014).

Zum Jahresanfang 2017 ist die gesetzliche Regelung über den Ausschluss von beitragsunabhängigen Sozialleistungen an EU-Bürger präzisiert und europarechtskonform ausgestaltet worden. Damit sollen Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende an EU-Bürger ohne Freizügigkeitsberechtigung bei einem Aufenthalt von mehr als sechs Monaten vermieden werden, die das Bundessozialgericht in einer Entscheidung vom 3. Dezember 2015 betroffenen Personen zugebilligt hatte (Az. B 4 AS 59/13 R, B 4 AS 44/15 R und B 4 AS 43/15 R).

Somit erhalten EU-Bürger ohne vorherige Beschäftigung in den ersten fünf Jahren des Aufenthalts keine Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende. Denkbar sind aber in solchen Fällen Überbrückungsleistungen bis zur Ausreise für einen Zeitraum von längstens einem Monat als Leistung der Sozialhilfe nach dem SGB XII. Diese Hilfe kann nur einmal innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren erbracht werden. In besonderen Härtefällen kann die Hilfe für einen längeren Zeitraum gewährt werden. Wenn Ausländer dagegen nach mindestens einem Jahr Beschäftigung in Deutschland arbeitslos werden, erhalten sie als Versicherungsleistung Arbeitslosengeld I und danach bzw. vorher schon ergänzend Arbeitslosengeld II wie Deutsche. Ist dagegen eine Beschäftigungsdauer von einem Jahr noch nicht erreicht, werden Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende  für sechs Monate erbracht (§ 7 Absatz 1 SGB II neuer Fassung).

Sicherheitsaspekte

Terrorverdächtige Ausländer können bereits auf der Grundlage einer tatsachengestützten Gefahrenprognose ausgewiesen werden, es ist nicht erforderlich, mit der Abschiebung zu warten, bis der Betreffende gegen das Strafgesetz verstößt (§ 58 a AufenthG). Ebenso kann ein Hassprediger ausgewiesen werden (§ 55 Absatz 2 Nr. 8 b AufenthG). Gleiches gilt für Ausländer, die terroristische Taten öffentlich billigen (§ 55 Absatz 2 Nr. 8 a AufenthG) oder öffentlich zur Gewaltanwendung aufrufen oder damit drohen (§ 54 Nr. 5 a AufenthG). Des Weiteren sind rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe verurteilte Schleuser zwingend auszuweisen (§ 53 Nr. 3 AufenthG). Den deutschen Geheimdiensten bringt das neue Ausländerrecht mehr Arbeit: vor Erteilung eines Aufenthaltstitels können die personenbezogenen Daten eines Ausländers an die deutschen Geheimdienste (Ämter für Verfassungsschutz,  Bundesnachrichtendienst, Militärischer Abschirmdienst) übermittelt werden, um zu überprüfen, ob Sicherheitsbedenken gegen den Aufenthalt sprechen (§ 73 AufenthG). Bei der Niederlassungserlaubnis dürfte dies die Regel werden. Vor der Einbürgerung eines Ausländers ist die Anfrage zwingend (§ 37 Staatsangehörigkeitsgesetz).

Statistik

Von 1954 bis 2001 sind 31 Millionen Deutsche und Ausländer in die Bundesrepublik eingewandert, während im gleichen Zeitraum 22 Millionen Menschen dieses Land verließen. 40 Prozent der jetzt in Deutschland lebenden Ausländer leben hier bereits länger als 15 Jahre. Bei der Diskussion um die erleichterte Einwanderung spielt die demografische Entwicklung der deutschen Bevölkerung eine große Rolle. Bekanntlich liegt die Geburtenrate hier bei niedrigen 1,3 bis 1,4. Man fürchtet, dass bis 2050 die Bevölkerung in Deutschland auf 50 Millionen schrumpfen wird, was zu erheblichem Nachfragerückgang in der Wirtschaft führen dürfte. Hinsichtlich der Zahl der Erwerbspersonen prognostiziert man einen Rückgang von 41 auf 26 Millionen (Zahlenmaterial laut Bericht der unabhängigen Kommission „Zuwanderung“).

Aus welchen Ländern kommen die Ausländer in Deutschland? (Quelle: Statistisches Bundesamt für den 31.12.2012, Fachserie 1 Reihe 2, Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Ausländische Bevölkerung, Ergebnisse des Ausländerzentralregisters, erschienen am 22. Oktober 2013, S. 37-41)

Land  Anzahl
Türkei 1.575.717 Die Zahl der in Deutschland registrierten Ausländer hat sich 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 282.000 erhöht, dies entspricht einer Steigerung von 4,1%. Dies ist der höchste Anstieg seit 1993. Die Zahl setzt sich zusammen aus einem positiven Saldo bei Zu- und Wegzügen (es sind 394.900 ausländische Personen mehr zugezogen als weggezogen), aus einem geringen Geburtenüberschuss (2.800 mehr Geburten als Todesfälle) und einem Abgang von 114.900 Personen infolge Einbürgerung. Die neu hinzugekommenen Ausländer und Ausländerinnen stammen zu 80% aus der Europäischen Union. Besonders markant sind die Zuwächse bei Personen aus den 2004 und 2007 der EU beigetretenen Ländern und aus den von der Staatsschuldenkrise betroffenen südeuropäischen Ländern. Der Anteil türkischer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ist wie in den Jahren zuvor zurückgegangen, was zu einem großen Teil auf den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit zurückzuführen ist. (Quelle: Pressemitteilung Nr. 354 des Statistischen Bundesamtes vom 22.10.2013).
Die im Jahr 2010 registrierten Ausländer hielten sich durchschnittlich bereits seit 18,9 Jahren in Deutschland auf. 19% aller registrierten Ausländer wurden in Deutschland geboren. Personen aus den Gastarbeiter-Anwerbeländern (Italien, Spanien, Griechenland,Türkei, Marokko, Portugal, Tunesien und Jugoslawien) leben seit durchschnittlich 24,9 Jahren in Deutschland. (Quelle: Pressemitteilung Nr. 132 des Statistischen Bundesamtes vom 31.03.2011).
Polen 532.375
Italien 529.417
Griechenland 298.254
Kroatien 224.971
Rumänien
205.026
Serbien 202.521
Russland 202.090
Österreich 176.314
Kosovo
157.051
Bosnien-Herzegowina 155.308
Niederlande 139.271
Ukraine 123.341
Portugal 120.560
Spanien
120.231
Bulgarien
118.759
Frankreich 113.885
Ungarn
107.398
USA 105.068
Vereinigtes Königreich 100.385
China (Volksrepublik) 93,676
Irak
84.082
Vietnam
82.923
Ausländer insgesamt 7.213.708
In obiger Aufstellung wurden nur Personen berücksichtigt, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit haben (keine Doppelstaatler enthalten).

Materialien zum Änderungsgesetz: Bundestags-Drucksachen 16/5065, 16/5527, 16/5621, 16/5654, Bundesrats-Drucksache 388/07. Materialien zum Arbeitsmigrationssteuerungsgesetz: Bundestags-Drucksachen 16/10288, 16/10722, 16/10914, 16/11390, Bundesrats-Drucksache 970/08, BGBl I 2008,2846 (Arbeitsmigrationssteuerungsgesetz), BGBl I 2008,2210 (Änderung der Beschäftigungsverfahrensverordnung und der Arbeitsgenehmigungsverordnung), BGBl I 2008,2972 (Änderung der Beschäftigungsverordnung).

Veränderungen 2011: Im März 2011 verabschiedete der Bundestag ein Gesetz, das die Zwangsheirat unter Strafe stellt und einige Veränderungen im Ausländerrecht enthält. Die wichtigsten Neuregelungen:
  • Zwangsheirat wird eigenständiger Straftatbestand (§ 237 StGB n.F.)
  • eigenständiges Wiederkehrrecht für Opfer von Zwangsheiraten bei starker Vorintegration oder einer positiven Integrationsprognose (§ 37 a Aufenthaltsgesetz n.F.)
  • Frist zur Aufhebung einer Zwangsehe wird verlängert von einem auf drei Jahre
    (§ 1317 Absatz 1 Satz 1 BGB)
  • Mindestdauer einer Ehe, die dem ausländischen Ehepartner nach der Scheidung ein eigenständiges Aufenthaltsrecht ermöglicht, wird verlängert von zwei auf drei Jahre (Ziel: Vermeidung von Scheinehen)
  • Befugnis der Ausländerbehörde, vor Verlängerung einer Aufenthaltserlaubnis die Einhaltung von Verpflichtungen zur Integration zu überprüfen (Teilnahme an einem Integrationskurs)
  • Lockerung der räumlichen Beschränkung der Aufenthaltsmöglichkeiten von Asylbewerbern und Geduldeten, um Arbeitsaufnahme, Ausbildung oder Schulbesuch zu ermöglichen.
  • bei Verstoß gegen die Pflicht zur Teilnahme an einem Integrationskurs bzw. noch nicht erfolgreichem Abschluss des Kurses und sonst nicht gegebener Integration soll die Aufenthaltserlaubnis nur um ein Jahr verlängert werden
  • Gut integrierte Jugendliche und junge Erwachsene mit einer Duldung erhalten ein eigenständiges Aufenthaltsrecht. Einzelheiten: siehe oben.
Materialien zu diesem Änderungsgesetz: Bundestags-Drucksachen 17/4401, 5093, Bundesrats-Drucksachen 704/10 und 168/11. Das „Gesetz zur Bekämpfung der Zwangsheirat und zum besseren Schutz der Opfer von Zwangsheirat sowie zur Änderung weiterer aufenthalts- und asylrechtlicher Vorschriften“ erschien am 30. Juni 2011 im Bundesgesetzblatt (BGBl I 2011, S. 1266 ff.).

Veränderungen ab 2012 (Blue Card):

Blue Card:

Aufenthaltserlaubnis für Ausländer aus Nicht-EU-Staaten

Voraussetzung:
Hochschulabschluss + inländisches Arbeitsverhältnis mit Bruttoeinkommen von mindestens 50.800 €, bei Mangelberufen nur 39.624 €

Keine Prüfung einer vorrangigen Beschäftigungsmöglichkeit von EU-Bürgern

Nach zwei Jahren Daueraufenthalt möglich, sofortiger Familiennachzug mit Arbeitserlaubnis möglich
Seit dem 1. August 2012 kennt das deutsche Aufenthaltsrecht die „Blue Card“. Die „Blue Card“ oder genauer gesagt „Blaue Karte EU“ soll Hochqualifizierten aus Nicht-EU-Staaten, die einen Arbeitsvertrag in Deutschland vorweisen und ein bestimmtes Mindestbruttogehalt erzielen, einen Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt ohne Vorrangprüfung und Prüfung vergleichbarer Arbeitsbedingungen ermöglichen. Als Qualifikation muss ein Hochschulabschluss nachgewiesen werden. Für die Erteilung einer Blauen Karte EU muss das Bruttoeinkommen mindestens zwei Drittel der jährlichen Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung betragen. Dies wäre im Jahr 2017 bei einer Beitragsbemessungsgrenze von 76.200 Euro ein Jahresgehalt von mindestens 50.800 Euro. Eine niedrigere Einkommensgrenze von 52% der jährlichen Beitragsbemessungsgrenze (= 39.624 Euro) gilt für Angehörige von Mangelberufen, wozu Naturwissenschaftler, Mathematiker, Ingenieure, Ärzte und akademische Berufe in der Informations- und Kommunikationstechnologie zählen. Bei Anwendung der niedrigeren Gehaltsgrenze findet aber weiterhin eine Vergleichbarkeitsprüfung statt (§ 2 Absatz 1 Nr. 2 a Beschäftigungsverordnung). Die Blaue Karte EU wird bei erstmaliger Erteilung auf maximal vier Jahre befristet. Inhabern einer „Blue Card“ ist nach einer Berufstätigkeit von 33 Monaten eine Niederlassungserlaubnis zu erteilen, bei Nachweis deutscher Sprachkenntnisse der Stufe B1 schon nach 21 Monaten (§ 19 a Absatz 6 AufenthG). Familienangehörigen von Ausländern mit dem neuen Aufenthaltstitel wird ein sofortiges Aufenthaltsrecht mit einer Arbeitserlaubnis eingeräumt, Deutschkenntnisse des Ehepartners sind nicht erforderlich (§ 30 AufenthG). Die Einführung der „Blue Card“ geht auf Vorgaben des europäischen Rechts zurück, nämlich der sogenannten Hochqualifizierten-Richtlinie der EU (Richtlinie 2009/50/EG). Eine Richtlinie der EU gilt in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union nicht direkt, sondern muss vom nationalen Gesetzgeber in nationales Recht umgesetzt werden.

Abgesehen von der erforderlichen Umsetzung europäischer Normen beinhaltet das im April 2012 verabschiedete Änderungsgesetz mit Wirkung ab 1. August 2012 weitere Erleichterungen für den Zuzug von Hochqualifizierten:
  • Ausländische Absolventen deutscher Hochschulen können nach zweijähriger Berufstätigkeit nach Ende ihrer Ausbildung ein Daueraufenthaltsrecht erhalten (§ 18 b AufenthG).
  • Das Verwaltungsverfahren für die Vergabe von Aufenthaltsrechten an Forscher wird vereinfacht.
  • Ausländer, die nach Deutschland gekommen sind, um eine Berufsausbildung zu absolvieren, können im Anschluss an die Ausbildung zur Arbeitsplatzsuche in Deutschland bleiben. Bei Absolventen deutscher Hochschulen ist dieser Aufenthaltstitel auf bis zu sechs Monate zu befristen, der Aufenthaltstitel berechtigt nicht zur Ausübung einer Berufstätigkeit, der Lebensunterhalt des Ausländers muss sichergestellt sein (§ 18 c AufenthG). Ausländern, die eine qualifizierte Berufsausbildung erfolgreich absolviert haben, kann die Aufenthaltserlaubnis im Anschluss an die Ausbildung um bis zu ein Jahr verlängert werden, um einen entsprechenden Arbeitsplatz zu finden (§ 17 Absatz 3 AufenthG). Hat ein ausländischer Absolvent einer deutschen Hochschule einen seiner Ausbildung entsprechenden Arbeitsplatz gefunden, bedarf die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis nicht der Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit (§ 2 Absatz 1 Nr. 3 Beschäftigungsverordnung).
  • Es gibt kein erforderliches Mindestgehalt mehr für die Erteilung einer Niederlassungserlaubnis an Hochqualifizierte (§ 19 AufenthG).
Das Gesetz zur Umsetzung der Hochqualifizierten-Richtlinie der EU erschien im Bundesgesetzblatt 2012 Nr. 24 vom 8. Juni 2012 S. 1224 (BGBl I 2012,1224; Materialien: Bundestags-Drucksachen 17/8682 und  9436). Nach Zustimmung im Bundestag am 27. April 2012 und im Bundesrat am 11. Mai 2012 treten die Änderungen am 1. August 2012 in Kraft (§ 19 a AufenthG).

Durchsuchen Sie meine Website mit Google:
Benutzerdefinierte Suche



Seite zuletzt bearbeitet am: 22.03.2017

Anzeigen


Näheres:

Einwanderung von Arbeitnehmern

Humanitäre Zuwanderung

Bleiberecht

Ehegattennachzug

Kindernachzug

Härtefallklausel

Opfer von Menschenhandel

Integration

Verfahren

EU-Bürger

Sicherheitsaspekte

Statistik

Neuerungen 2011

Blue Card  und weitere Veränderungen 2012