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(Mit Werten für 2015)

Die Gleitzone: Besonderheiten bei einem Einkommen von 450,01 bis 850 Euro

Durch Sonderregeln kein abrupter Einkommensverlust bei Beginn der Sozialversicherungspflicht
Näheres:

Verteilung Sozialversicherungs-
beiträge Arbeitnehmer / Arbeitgeber in Gleitzone


Bemessungsentgelt in Gleitzone

Berechnung des Sozialversicherungs-
beitrags


Berechnung des Arbeitgeberanteils in der Gleitzone

Berechnung des Arbeitnehmeranteils an Gleitzone

OpenOffice-Tabelle zur Berechnung der Beiträge in der Gleitzone

Studium und Arbeiten

Berufsausbildung

Übergangsregelung anlässlich der Anhebung der Geringfügigkeits-
grenze

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SGB = Sozialgesetzbuch

Überschreitet das Einkommen aus unselbständiger Arbeit den Betrag von 450 Euro, beginnt die Sozialversicherungspflicht des Einkommens. Vom Einkommen sind dann Beiträge für die Kranken, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung abzuführen. Der Arbeitgeberanteil ist neben dem Lohn, von dem die Arbeitnehmeranteile und Lohnsteuer abzuführen sind, eine zusätzliche Leistung des Arbeitgebers.

Grundsätzlich tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Sozialversicherungsbeiträge zur Hälfte. Muss ein Arbeitnehmer bei einem Einkommen bis zu 450 Euro in der Regel keine Pflichtbeiträge abführen, ändert sich dies mit Passieren der 450-Euro-Grenze. Eine geringfügige Lohnerhöhung könnte dann unliebsame Konsequenzen haben. Um eine Beschäftigung auch im niedrig entlohnten Sektor interessant zu machen, gibt es seit dem 1. April 2003 eine Sonderregelung für die Gleitzone von 400,01 bis 800 Euro (§ 20 Absatz 2 Viertes Sozialgesetzbuch [SGB IV]; auch Midi-Jobs genannt). Zum 1. Januar 2013 wurde die Obergrenze der Gleitzone auf 850 Euro angehoben, gleichzeitig mit der Obergrenze für geringfügige Beschäftigungen auf 450 Euro.

In der Gleitzone wird der Beitragsbemessung auf Seiten des Arbeitnehmers ein geringeres als das tatsächlich erzielte Einkommen zu Grunde gelegt, so dass die Beiträge niedriger ausfallen als bei der Anwendung der allgemeinen Regeln. Der Anteil des Arbeitnehmers steigt aber (in absoluten Zahlen) bis 850 €, wo die volle Parität der beiden Anteile wiederhergestellt ist.
Die Beiträge belaufen sich ab 2015 in der Krankenversicherung auf 14,6%, in der Pflegeversicherung auf 2,35%, in der Arbeitslosenversicherung auf 3,0% und in der Rentenversicherung auf 18,7% (zusammen 38,65%). Hinzu kommt bei den meisten gesetzlich Krankenversicherten  ein kassenindividueller, allein vom Versicherten zu tragender Zusatzbeitrag, dessen durchschnittliche Höhe 0,9% beträgt, so dass insgesamt 15,5% des Bruttoeinkommens für die Krankenversicherung aufzuwenden sind.
Kurzgefasst:

Die Gleitzone
  • Betrifft Arbeitseinkommen von mehr als 450 bis 850 Euro.

  • Zweck: Soll das Überschreiten der Geringfügigkeitsgrenze (Minijobs) attraktiver machen, da sonst Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Beiträge zur Sozialversicherung zu gleichen Teilen tragen müssten und bei einem etwas über 450 Euro liegendem Bruttogehalt der Arbeitnehmer übermäßig mit Sozialabgaben belastet würde. (Bei Minijobs trägt diese der Arbeitgeber).

  • Die zunächst niedrigeren Sozialabgaben des Arbeitnehmers steigen mit zunehmendem Einkommen. Bei einem Bruttogehalt von 850 Euro ist die hälftige Finanzierung der Sozialabgaben wieder erreicht.

  • Die Regelungen zur Gleitzone wurden zum 1. April 2003 eingeführt. Bis Ende 2012 erstreckte sich die Gleitzone von 400,01 bis 800 Euro.

  • Auf Wusch des Arbeitnehmers kann bei der Rentenversicherung das tatsächliche Bruttoeinkommen für die Beitragsbemessung zu Grunde gelegt werden, so dass auch entsprechend höhere Rentenansprüche erworben werden.

  • Die Gleitzone ist nicht auf Berufsausbildungsverhältnisse anwendbar.


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Bis auf den Zusatzbeitrag in der Krankenversicherung werden die Beiträge zur Sozialversicherung zu gleichen Teilen (paritätisch) von Arbeitgeber und Arbeitnehmer finanziert. Bei der Pflegeversicherung gibt es hinsichtlich der paritätischen Finanzierung eine Ausnahme für Sachsen: hier tragen der Arbeitnehmer 1,675% und der Arbeitgeber 0,675% (dafür ist dort der Buß- und Bettag noch gesetzlicher Feiertag). Ab 2005 müssen Kinderlose ab 23 Jahren auch noch einen Zuschlag von 0,25% zur Pflegeversicherung entrichten. Beispiel: Ein Arbeiter verdient monatlich 1.000 € brutto. Der Beitrag zur Rentenversicherung beläuft sich dann auf 187 €, wovon der Arbeitnehmer die Hälfte, also 93,50 € trägt, die ihm vom Lohn abgezogen werden. Die restlichen 93,50 € leistet der Arbeitgeber zusätzlich zum Bruttolohn.

Bei der Rentenversicherung hat die Unterstellung eines geringeren als des tatsächlichen Einkommens zur Folge, dass die Rentenansprüche des versicherten Arbeitnehmers geringer ausfallen. Dieser kann solche Folgen vermeiden, indem er schriftlich gegenüber dem Arbeitgeber erklärt, dass das tatsächlich gezahlte Arbeitsentgelt als beitragspflichtige Einnahme gelten soll, auf das dann der allgemeine Beitragssatz in der Rentenversicherung angewendet wird. Diese Erklärung kann nur mit Wirkung für die Zukunft und bei mehreren Beschäftigungen nur einheitlich abgegeben werden und ist für die Dauer des Beschäftigungsverhältnisses bindend (§ 163 Absatz 10 Satz 6 SGB VI).
Übergangsregelung anlässlich der Anhebung der Geringfügigkeitsgrenze

Mit Wirkung zum Jahresanfang 2013 wurde die Grenze für geringfügige Beschäftigungen von 400 € auf 450 € angehoben und die Obergrenze der Gleitzone von 800 € auf 850 € heraufgesetzt. Für Beschäftigte, die vor der Neuregelung von 2013 ein Bruttoeinkommen von über 400 € bis 450 € erzielten und nach den bisherigen Regeln der Gleitzone sozialversicherungspflichtig waren, blieben die bisherigen Regelungen längstens bis Ende 2014 weiterhin anwendbar.

Auf Beschäftigte, die vor dem 1. Januar 2013 ein Einkommen oberhalb des oberen Grenzbetrages der Gleitzone erhielten und durch die Neuregelung unter die jetzt bis 850 € reichende Gleitzone fallen, ist die Regelung zur Gleitzone nur anzuwenden, wenn der Arbeitnehmer bzw. die Arbeitnehmerin die Anwendung der Gleitzonenregelung schriftlich gegenüber dem Arbeitgeber bis zum 31. Dezember 2014 mit Wirkung für die Zukunft erklärt hat (§ 444 SGB III, § 7 Absatz 3 SGB V, § 276 b SGB VI).

Wie sind in der Gleitzone die Sozialversicherungsbeiträge auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber verteilt?

Der Arbeitgeber zahlt zunächst wie sonst auch die Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge. Der Arbeitnehmeranteil steigt vom Beginn der Gleitzone an bis zur Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge. Bei einem geringen Arbeitsentgelt, das nur wenig über der 450 €-Grenze liegt, zahlt somit der Arbeitgeber den größten Teil der Beiträge. Bei der Berechnung wird am Beginn der Gleitzone ein Gesamtsozialversicherungsbeitrag von 25% unterstellt, obwohl er lange Zeit bei über 40% lag. Im Jahr 2015 beträgt der durchschnittliche Gesamtsozialversicherungsbeitrag 39,55% (Rentenversicherung 18,7%, Krankenversicherung 15,5 % einschließlich des allein vom Arbeitnehmer zu tragenden durchschnittlichen Zusatzbeitrages von 0,9%, Pflegeversicherung 2,35% und Arbeitslosenversicherung 3,0%, vgl. Bekanntmachung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom 29.12.2014).

Wie wird das Bemessungsentgelt in der Gleitzone berechnet?

Hierfür wird folgende Formel verwendet:

Bemessungsentgelt =
dabei sind

AE = das monatliche Arbeitsentgelt


F = ein Faktor, der sich ergibt, wenn die Pauschalabgabe bei geringfügiger Beschäftigung (ab Juli 2006 30%, davor 25%) durch den durchschnittlichen Sozialversicherungsbeitrag aller Versicherten (im Jahr 2015: 39,55%, in den Jahren 2013 und 2014: 39,45%) dividiert wird. Der Faktor F beträgt im Jahr 2015 0,7585 (2014 und 2013: 0,7605). 


Beispiel: Ein Arbeitnehmer verdient monatlich 650 €. Für die Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge wird nicht das tatsächliche Einkommen von 650 € zugrunde gelegt, sondern 595,67 € (nach Rundung).

Rechtsgrundlagen: §§ 163 Absatz 10 SGB VI, 344 Absatz 4 SGB III, 226 Absatz 4 SGB V, 57 I SGB XI.

Erläuterung der Berechnung:


Vor 2013 lautete die Formel:
Bemessungsentgelt = F x 450 + [(2 – F) x (AE – 450)].
Wie berechnet sich der Sozialversicherungsbeitrag?

Der Gesamtbeitrag errechnet sich wie nachstehend:
Gesamtbeitrag = Bemessungsentgelt x Gesamtsozialversicherungsbeitrag. Bei einem Einkommen von 650 € und einem Beitragssatz in der Krankenversicherung von 14,6 % wären das 235,59 € (595,67 € * 39,55 % inkl. des durchschnittlichen Zusatzbeitrags des Arbeitnehmers für die Krankenversicherung von 0,9 %). 
Der Beitrag zu einer bestimmten Versicherungsart (etwa Rentenversicherung) lässt sich anhand dieser Formel beziffern: Gesamtbeitrag zur Rentenversicherung = Bemessungsentgelt x Beitragssatz des Versicherungszweiges. Dies wären bei einem Einkommen von 650 € hinsichtlich des Rentenbeitrages ein Wert von 111,39 € (595,67 € * 18,7%).

Wie berechnet sich der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung?

Zunächst zahlt der Arbeitgeber die Hälfte des Beitragssatzes.


Arbeitgeberanteil = Arbeitsentgelt x ½ Beitragssatz.

Bei einem Gehalt von 650 € und einer Beitragslast von 38,65% (ohne vom Arbeitnehmer zu tragenden Zusatzbeitrag von 0,9%) wären das 125,61 € ([650 € x 38,65%]/2).

Wie berechnet sich der Arbeitnehmeranteil?

Der Arbeitnehmeranteil lässt sich aus der Differenz zwischen dem insgesamt zu zahlenden Beitrag (Gesamtbeitrag) und dem Arbeitgeberanteil ermitteln. (
Arbeitnehmeranteil = Gesamtbeitrag – Arbeitgeberanteil). Bei einem Einkommen von 650 € wären das 109,68 € (235,59 € - 125,61 € = 109,98 €, in diesem Beispiel ist kein zusätzlicher Beitrag von 0,25% für Kinderlose zur Pflegeversicherung berücksichtigt).

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Fazit: Die Berechnung ist ziemlich kompliziert. Man benötigt schon schriftliche Hilfen oder einen PC, um die Beträge schnell ausrechnen zu können. Zur Erleichterung habe ich eine Tabelle im OpenOffice-Format erstellt (22 KB), mit der sich die Sozialversicherungsbeiträge ganz leicht errechnen lassen (einfach Bruttogehalt eingeben und O.K.). Einen Online-Rechner für die Gleitzone finden Sie hier.
Rechtsgrundlagen: §§ 346 Absatz 1 a SGB III,  249 Absatz 4 SGB V, 168 Absatz 1 Nummer 1 d SGB VI, 58 Absatz 5 SGB XI.

Studium und Arbeiten: Als Student ist man hinsichtlich des Einkommens aus Erwerbstätigkeit versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, wenn das Studium im Vordergrund steht. Dies ist in der Regel anzunehmen bei einer Beschäftigung von bis zu 20 Stunden wöchentlich während der Vorlesungszeit bzw. ohne Beschränkung in der vorlesungsfreien Zeit (§ 27 Absatz 4 Nummer 2 SGB III, § 6 Absatz 1 Nummer 3 SGB V, § 20 SGB XI), und zwar bis zum 25. Fachsemester (laut Rundschreiben der Spitzenverbände der Sozialversicherungsträger). Bei einer geringfügigen Beschäftigung gelten die oben genannten Grundsätze. Eine Ausnahme besteht in der Rentenversicherung: Bei einem Einkommen über 450 € besteht Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung, bei einem Einkommen bis 450 Euro  gelten die Regeln für Minijobs, es sei denn, es handelt sich um ein nicht vorgeschriebenes Praktikum oder ein Praktikum ohne Vergütung (§ 172 Absatz 3 SGB VI). Studenten, die familienversichert sind, behalten diesen Schutz, wenn sie nicht höhere Einkünfte haben, die regelmäßig ein Siebtel der monatlichen Bezugsgröße nach § 18 SGB IV überschreiten (Bezugsgröße 2015: 2.835 EUR, hiervon ein Siebtel: 405 EUR).

Bei einem verpflichtenden Praktikum vor oder nach dem Studium und einer Vergütung bis zu 325 EUR trägt der Arbeitgeber den Gesamtsozialversicherungsbeitrag allein (die Regeln für Minijobs gelten für diese Praktika nicht, da der Versicherte zur Berufsausbildung beschäftigt ist, § 20 Absatz 3 Satz 1 Nummer 1 SGB IV), bei einem Einkommen darüber teilen sich Praktikant und Arbeitgeber hälftig die Beiträge (die Gleitzonenregelung gilt hier nicht). Bei einem Praktikum ohne Vergütung ist zu prüfen, ob Krankenversicherungsschutz über die Familienversicherung besteht.

Teilnehmer von dualen Studiengängen sind ab 2012 während der gesamten Dauer des Studiengangs als Beschäftigte in der Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung versicherungspflichtig, sie werden Auszubildenden gleichgestellt (Neuregelung durch Gesetz vom 22.12.2011).
Berufsausbildung und Gleitzone

Die Regelungen für die Gleitzone gelten nicht für Auszubildende mit einer Ausbildungsvergütung von 400,01 bis 800 EUR (Urteil des Bundessozialgerichts vom 15.07.2009 Az. B 12 KR 14/08 R, zweite Instanz: Beschluss des Landessozialgerichts Stuttgart vom 10.06.2008 Az. L 4 KR 6527/06, da es Zweck der Gleitzonenregelung ist, im Niedriglohnsektor einen Anreiz zur Aufnahme einer Arbeit zu schaffen und es eines solchen Anreizes bei Berufsausbildungsverhältnissen nicht bedarf; vgl.
§ 344 Absatz 4 Satz 3 SGB III, § 249 Absatz 4 i.V.m. § 226 Absatz 4 Satz 7 SGB V, § 163 Absatz 10 Satz 8 SGB VI und § 58 Absatz 5 Satz 2 SGB XI (i.V.m. §§ 249 Absatz 4, 226 Absatz 4 Satz 7 SGB V).

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Seite zuletzt bearbeitet am: 14.01.2015