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Die Gleitzone: Besonderheiten bei einem Einkommen von 450,01 bis 850 Euro
Durch Sonderregeln kein abrupter Einkommensverlust bei Beginn der Sozialversicherungspflicht
(mit Werten für 2014)
Näheres:

Verteilung Sozialversicherungs-
beiträge Arbeitnehmer / Arbeitgeber in Gleitzone


Bemessungsentgelt in Gleitzone

Berechnung des Sozialversicherungs-
beitrags


Berechnung des Arbeitgeberanteils in der Gleitzone

Berechnung des Arbeitnehmeranteils an Gleitzone

OpenOffice-Tabelle zur Berechnung der Beiträge in der Gleitzone

Studium und Arbeiten

Berufsausbildung
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Gesetzlicher Mindestlohn ab 2015

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Gesetzestexte:
Text des
SGB III
(Arvbeitslosen-
versicherung)
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SGB IV
(Allgemeines)
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SGB V
(Krankenver-
sicherung)
hier
SGB VI
(Rentenver-
sicherung)
hier
SGB XI
(Pflegever-
sicherung)
hier
SGB = Sozialgesetzbuch
Veränderungen im Bereich Minijobs/Gleitzone
ab 2013:

Am 25. Oktober 2012 hat der Deutsche Bundestag mit den Stimmen von CDU/CSU und FDP die Anhebung der Geringfügigkeitsgrenze von 400 auf 450 Euro ab 2013 beschlossen.
Außerdem sind jetzt Minijobber bei einer ab 2013 begonnenen Beschäftigung automatisch rentenversichert. Auf Antrag können sich Minijobber aber von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Das nicht zustimmungspflichtige Gesetz passierte am 23. November 2012 den Bundesrat und gilt ab Jahresanfang 2013. Minijobber, deren Beschäftigung bereits vor 2013 begonnen hat, bleiben auch nach 2013 von der Versicherungspflicht befreit, können aber wie bisher die volle Versicherungspflicht des Minijobber-Lohnes in der gesetzlichen Rentenversicherung wählen. Entsprechend wird die Obergrenze der Gleitzone von 800 Euro auf 850 Euro heraufgesetzt. (vgl. Bundestags-Drucksachen 17/10773 und 11174, Bundestags-Plenarprotokoll 17/201, Pressemitteilung des Bundesrates vom 23.11.2012).
Überschreitet das Einkommen aus unselbständiger Arbeit den Betrag von 450 Euro, beginnt die Sozialversicherungspflicht des Einkommens. Vom Einkommen sind dann Beiträge für die Kranken, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung abzuführen. Der Arbeitgeberanteil ist neben dem Lohn, von dem die Arbeitnehmeranteile und Lohnsteuer abzuführen sind, eine zusätzliche Leistung des Arbeitgebers.

Grundsätzlich tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Sozialversicherungsbeiträge zur Hälfte. Muss ein Arbeitnehmer bei einem Einkommen bis zu 450 Euro in der Regel keine Pflichtbeiträge abführen, ändert sich dies mit Passieren der 450-Euro-Grenze. Eine geringfügige Lohnerhöhung könnte dann unliebsame Konsequenzen haben. Um eine Beschäftigung auch im niedrig entlohnten Sektor interessant zu machen, gibt es seit dem 1. April 2003 eine Sonderregelung für die Gleitzone von 400,01 bis 800 Euro
(§ 20 Absatz 2 Viertes Sozialgesetzbuch [SGB IV]; auch Midi-Jobs genannt). Zum 1. Januar 2013 ist die Obergrenze der Gleitzone auf 850 Euro angehoben worden, gleichzeitig mit der Obergrenze für geringfügige Beschäftigungen auf 450 Euro. Der Beitragsbemessung wird auf Seiten des Arbeitnehmers ein geringeres als das tatsächlich erzielte Einkommen zu Grunde gelegt, so dass die Beiträge niedriger ausfallen als bei der Anwendung der üblichen Beitragssätze. Der Anteil des Arbeitnehmers steigt aber (in absoluten Zahlen) bis 850 €, wo die volle Parität der beiden Anteile wiederhergestellt ist.


Die Beiträge belaufen sich ab 2014 in der Krankenversicherung auf 14,6%, in der Pflegeversicherung auf 2,05%, in der Arbeitslosenversicherung auf 3,0% und in der Rentenversicherung auf 18,9% (zusammen 38,55%). Hinzu kommt ein allein vom Arbeitnehmer zu erbringender Beitrag von 0,9% in der Krankenversicherung, so dass insgesamt 15,5% des Bruttoeinkommens an die jeweilige Krankenkasse abzuführen sind. Bis auf den ausschließlich vom versicherten Arbeitnehmer zu erbringenden Anteil von 0,9% werden die Beiträge zur Sozialversicherung zu gleichen Teilen (paritätisch) von Arbeitgeber und Arbeitnehmer finanziert. Bei der Pflegeversicherung gibt es hinsichtlich der paritätischen Finanzierung eine Ausnahme für Sachsen: hier tragen der Arbeitnehmer 1,525% und der Arbeitgeber 0,525% (dafür ist dort der Buß- und Bettag noch gesetzlicher Feiertag). Ab 2005 müssen Kinderlose ab 23 Jahren auch noch einen Zuschlag von 0,25% zur Pflegeversicherung entrichten. Beispiel: Ein Arbeiter verdient monatlich 1.000 € brutto. Der Beitrag zur Rentenversicherung beläuft sich dann auf 189 €, wovon der Arbeitnehmer die Hälfte, also 94,50 € trägt, die ihm vom Lohn abgezogen werden. Die restlichen 94,50 € leistet der Arbeitgeber zusätzlich zum Bruttolohn.

Gleitzone und Steuern:

Hier gibt es keine Sonderregelung. Es fallen die regulären Steuern gemäß den Vorgaben der Lohnsteuerkarte an.

Arbeitsrecht:
Arbeitnehmer in der Gleitzone genießen die gleichen Rechte und Pflichten wie andere Arbeitnehmer.
Bei der Rentenversicherung hat die Unterstellung eines geringeren als des tatsächlichen Einkommens zur Folge, dass die Rentenansprüche des versicherten Arbeitnehmers geringer ausfallen. Dieser kann solche Folgen vermeiden, indem er schriftlich gegenüber dem Arbeitgeber erklärt, dass das tatsächlich gezahlte Arbeitsentgelt als beitragspflichtige Einnahme gelten soll, auf das dann der allgemeine Beitragssatz in der Rentenversicherung angewendet wird. Diese Erklärung kann nur mit Wirkung für die Zukunft und bei mehreren Beschäftigungen nur einheitlich abgegeben werden und ist für die Dauer des Beschäftigungsverhältnisses bindend (§ 163 Absatz 10 Satz 6 SGB VI).
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Übergangsregelung:

Für Beschäftigte, die vor der Neuregelung von 2013 ein Bruttoeinkommen von über 400 € bis 450 € erzielten und nach den bisherigen Regeln der Gleitzone sozialversicherungspflichtig  waren, bleiben die bisherigen Regelungen längstens bis Ende 2014 weiterhin anwendbar.

Auf Beschäftigte, die vor dem 1. Januar 2013 ein Einkommen oberhalb des oberen Grenzbetrages der Gleitzone erhielten und durch die Neuregelung unter die jetzt bis 850 € reichende Gleitzone fallen, ist die Regelung zur Gleitzone nur anzuwenden, wenn der Arbeitnehmer bzw. die Arbeitnehmerin die Anwendung der Gleitzonenregelung schriftlich gegenüber dem Arbeitgeber bis zum 31. Dezember 2014 mit Wirkung für die Zukunft erklärt (§ 444 SGB III, § 7 Absatz 3 SGB V, § 276 b SGB VI).




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WIE SIND IN DER GLEITZONE DIE SOZIALVERSICHERUNGSBEITRÄGE AUF ARBEITNEHMER UND ARBEITGEBER VERTEILT?

Der Arbeitgeber zahlt zunächst wie sonst auch die Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge. Der Arbeitnehmeranteil steigt vom Beginn der Gleitzone an bis zur Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge. Bei einem geringen Arbeitsentgelt, das nur wenig über der 450 €-Grenze liegt, zahlt somit der Arbeitgeber den größten Teil der Beiträge. Bei der Berechnung wird am Beginn der Gleitzone ein Gesamtsozialversicherungsbeitrag von 25% unterstellt, obwohl er lange Zeit bei über 40% lag. Im Jahr 2013 beträgt der durchschnittliche Gesamtsozialversicherungsbeitrag 39,45% (Rentenversicherung 18,9%, Krankenversicherung 15,5 % einschließlich des allein vom Arbeitnehmer zu tragenden Beitrags von 0,9%, Pflegeversicherung 2,05% und Arbeitslosenversicherung 3,0%
, vgl. Bekanntmachung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom 20.12.2013).

WIE WIRD DAS BEMESSUNGSENTGELT IN DER GLEITZONE BERECHNET?

Hierfür wird folgende Formel verwendet:

Bemessungsentgelt =

dabei sind

AE = das monatliche Arbeitsentgelt


F = ein Faktor, der sich ergibt, wenn die Pauschalabgabe bei geringfügiger Beschäftigung (ab Juli 2006 30%, davor 25%) durch den durchschnittlichen Sozialversicherungsbeitrag aller Versicherten (in den Jahren 2013 und 2014: 39,45%, 2012: 40,05%) dividiert wird. Der Faktor F beträgt im Jahr 2014 wie im Vorjahr 0,7605 (2012: 0,7491, 2011: 0,7435). 


Beispiel: Ein Arbeitnehmer verdient monatlich 650 €. Für die Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge wird nicht das tatsächliche Einkommen von 650 € zugrunde gelegt, sondern 596,11 € (nach Rundung).

Rechtsgrundlagen: §§ 163 Absatz 10 SGB VI, 344 Absatz 4 SGB III, 226 Absatz 4 SGB V, 57 I SGB XI.

Erläuterung der Berechnung:


Vor 2013 lautete die Formel:
Bemessungsentgelt = F x 450 + [(2 – F) x (AE – 450)]. (Bei einem Faktor F von 0,7605 wie im Jahr 2013 wäre das Bemessungsentgelt dann 614,08 €).
WIE BERECHNET SICH DER SOZIALVERSICHERUNGSBEITRAG?

Der Gesamtbeitrag errechnet sich wie nachstehend:

Gesamtbeitrag = Bemessungsentgelt x Gesamtsozialversicherungsbeitrag.

Bei einem Einkommen von 650 € und einem Beitragssatz in der Krankenversicherung von 14,6 % wären das 235,17 € (596,11 € * 39,45 % + zusätzlicher Beitrag des Arbeitnehmers für Krankenversicherung von 0,9 %). 
Der Beitrag zu einer bestimmten Versicherungsart (etwa Rentenversicherung) lässt sich anhand dieser Formel beziffern:

Gesamtbeitrag zur Rentenversicherung = Bemessungsentgelt x Beitragssatz des Versicherungszweiges.

Dies wären bei einem Einkommen von 650 € hinsichtlich des Rentenbeitrages ein Wert von 112,66 € (596,11 € * 18,9%).

WIE BERECHNET SICH DER ARBEITGEBERANTEIL ZUR SOZIALVERSICHERUNG?

Zunächst zahlt der Arbeitgeber die Hälfte des Beitragssatzes.


Arbeitgeberanteil = Arbeitsentgelt x ½ Beitragssatz.

Bei einem Gehalt von 650 € und einer Beitragslast von 38,55% (ohne vom Arbeitnehmer zu tragenden Zusatzbeitrag von 0,9%) wären das 125,29 € ([650 € x 38,55%]/2).

WIE BERECHNET SICH DER ARBEITNEHMERANTEIL?

Der Arbeitnehmeranteil lässt sich aus der Differenz zwischen dem insgesamt zu zahlenden Beitrag (Gesamtbeitrag) und dem Arbeitgeberanteil ermitteln.

Arbeitnehmeranteil = Gesamtbeitrag – Arbeitgeberanteil

Bei einem Einkommen von 650 € wären das 109,88 € (235,17 € - 125,29 € = 109,88 €, in diesem Beispiel ist kein zusätzlicher Beitrag von 0,25% für Kinderlose zur Pflegeversicherung berücksichtigt).

Fazit: Die Berechnung ist ziemlich kompliziert. Man benötigt schon schriftliche Hilfen oder einen PC, um die Beträge schnell ausrechnen zu können. Zur Erleichterung habe ich eine Tabelle im OpenOffice-Format erstellt (22 KB), mit der sich die Sozialversicherungsbeiträge ganz leicht errechnen lassen (einfach Bruttogehalt eingeben und O.K.). Einen Online-Rechner für die Gleitzone finden Sie hier.
Rechtsgrundlagen: §§ 346 Absatz 1 a SGB III,  249 Absatz 4 SGB V, 168 Absatz 1 Nummer 1 d SGB VI, 58 Absatz 5 SGB XI.

Veränderung ab 1. Juli 2005 - Zusatzbeitrag von Arbeitnehmern zur Krankenversicherung: Ab dem 1. Juli 2005 entrichten sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einen zusätzlichen Beitrag von 0,9% für die gesetzliche Krankenversicherung (§ 249 SGB V, § 241 a SGB V i.d.F. des Gesetzes zur Anpassung der Finanzierung von Zahnersatz vom 15.12.2004, BGBl. I S. 3445). Der übrige, paritätisch finanzierte Beitragssatz und auch der durchschnittliche allgemeine Beitragssatz verringerten sich um diesen Prozentsatz, so dass die zusätzliche Belastung für Versicherte 0,45% betrug. Diese Veränderung hatte im Jahr 2005 ebenso wie die Einführung eines erhöhten Beitrags in der Pflegeversicherung für Kinderlose keine Auswirkungen auf den Faktor F.

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Studium und Arbeiten:

Als Student ist man hinsichtlich des Einkommens aus Erwerbstätigkeit versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, wenn das Studium im Vordergrund steht. Dies ist in der Regel anzunehmen bei einer Beschäftigung von bis zu 20 Stunden wöchentlich während der Vorlesungszeit bzw. ohne Beschränkung in der vorlesungsfreien Zeit (§ 27 Absatz 4 Nummer 2 SGB III, § 6 Absatz 1 Nummer 3 SGB V, § 20 SGB XI), und zwar bis zum 25. Fachsemester (laut Rundschreiben der Spitzenverbände der Sozialversicherungsträger). Bei einer geringfügigen Beschäftigung gelten die oben genannten Grundsätze. Eine Ausnahme besteht in der Rentenversicherung: Bei einem Einkommen über 450 € besteht Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung, bei einem Einkommen bis 450 Euro  gelten die Regeln für Minijobs, es sei denn, es handelt sich um ein nicht vorgeschriebenes Praktikum oder ein Praktikum ohne Vergütung (§ 172 Absatz 3 SGB VI). Studenten, die familienversichert sind, behalten diesen Schutz, wenn sie nicht höhere Einkünfte haben, die regelmäßig ein Siebtel der monatlichen Bezugsgröße nach § 18 SGB IV überschreiten (Bezugsgröße 2013: 2.695 EUR, hiervon ein Siebtel: 385 EUR).

Bei einem verpflichtenden Praktikum vor oder nach dem Studium und einer Vergütung bis zu 325 EUR trägt der Arbeitgeber den Gesamtsozialversicherungsbeitrag allein (die Regeln für Minijobs gelten für diese Praktika nicht, da der Versicherte zur Berufsausbildung beschäftigt ist, § 20 Absatz 3 Satz 1 Nummer 1 SGB IV), bei einem Einkommen darüber teilen sich Praktikant und Arbeitgeber hälftig die Beiträge (die Gleitzonenregelung gilt hier nicht). Bei einem Praktikum ohne Vergütung ist zu prüfen, ob Krankenversicherungsschutz über die Familienversicherung besteht.

Teilnehmer von dualen Studiengängen sind ab 2012 während der gesamten Dauer des Studiengangs als Beschäftigte in der Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung versicherungspflichtig, sie werden Auszubildenden gleichgestellt (Neuregelung durch Gesetz vom 22.12.2011).
Berufsausbildung:

Die Regelungen für die Gleitzone gelten nicht für Auszubildende mit einer Ausbildungsvergütung von 400,01 bis 800 EUR (Urteil des Bundessozialgerichts vom 15.07.2009 Az. B 12 KR 14/08 R, zweite Instanz: Beschluss des Landessozialgerichts Stuttgart vom 10.06.2008 Az. L 4 KR 6527/06, da es Zweck der Gleitzonenregelung ist, im Niedriglohnsektor einen Anreiz zur Aufnahme einer Arbeit zu schaffen und es eines solchen Anreizes bei Berufsausbildungsverhältnissen nicht bedarf; vgl. § 344 Absatz 4 Satz 3 SGB III, § 249 Absatz 4 i.V.m. § 226 Absatz 4 Satz 7 SGB V, § 163 Absatz 10 Satz 8 SGB VI und § 58 Absatz 5 Satz 2 SGB XI (i.V.m. §§ 249 Absatz 4, 226 Absatz 4 Satz 7 SGB V)).

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Seite zuletzt bearbeitet am: 30.07.2014